Viele Wittener hausten in Kellern und Baracken

Foto: Schoppmeyer, Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark
Was wir bereits wissen
Die ersten Nachkriegsjahre waren Jahre des absoluten Mangels. Zu den 57 000 Bürger in der zerstörten Stadt kamen Flüchtlinge und Vertriebene.

Witten..  Die Wittener Geschichte seit 1945 kennt drei Phasen: eine erste des absoluten Mangels (bis 1948), eine zweite des dynamischen Aufschwungs (1948–1970/75) und seither eine dritte eines von Krisen begleiteten Wandels. Die Wittener begannen 1945 zwar nicht beim „Nullpunkt“, mussten jedoch bis zum 20. Juni 1948, dem Zeitpunkt der Währungsreform, Einschränkungen auf allen Gebieten überstehen. Materiell waren Wohnungsnot und Lebensmittelversorgung die schwierigste Hürde.

Die Nöte wuchsen täglich, weil zu den noch rund 57 000 Bürgern (April 1945) zunehmend die zuvor Evakuierten, die schon entlassenen Angehörigen der Wehrmacht sowie Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten und Flüchtlinge aus dem sowjetisch besetzten Mitteldeutschland in die zu 80 Prozent zerstörte (Innen-)Stadt kamen. Nicht wenige hausten in den von Schutthaufen bedeckten Kellern, lebten als vielköpfige Familie in einzelnen Zimmern oder in Baracken. Heizmaterial war kaum vorhanden. Die Lebensmittelbewirtschaftung verteilte nur Hungerrationen. Ostern 1946 zum Beispiel gab man bekannt: „Aufgrund des Anmeldeabschnitts A werden auf die Einzelabschnitte 1 und 2 der Eierkarte je ein Ei für jeden Versorgungsberechtigten ausgegeben.“

Das Gesundheitsamt stellte fest, dass nur 26 Prozent der 4062 Schulkinder (6. bis 14. Lebensjahr) als gesund eingestuft werden konnten. Die Wittener behalfen sich notdürftig über den sogenannten „Schwarzen Markt“ (im Umfeld des Hauptbahnhofs) und durch „Hamsterfahrten“, bei denen sie das gerettete „Tafelsilber“ gegen Lebensmittel bei Bauern eintauschten. Gleichzeitig liefen Demontagen bei den erhaltenen Wittener Werken. Materiellen Mangel versuchte man durch Kulturinitiativen wie die Ruhr-Kammerspiele zu kompensieren. Erste demokratische Gehversuche (Kommunalwahlen 1946) standen an.