Väter in Elternzeit in sind in Witten Alltag

Überzeugungstäter: Marcus Mühlig, der in der Knappschaft-Internetredaktion arbeitet, im Kinderzimmer zu Hause in Witten.
Überzeugungstäter: Marcus Mühlig, der in der Knappschaft-Internetredaktion arbeitet, im Kinderzimmer zu Hause in Witten.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Marcus Mühling gehört zu denen, die für ihr Kind aus ihrem Beruf ausgestiegen sind.Spitzenreiter in Witten sind die Männer vom Edelstahlwerk.

Witten..  Wenn seine Kollegen bei der Knappschaft morgens ihren PC hochfuhren, machte sich Marcus Mühlig (44) auf ins Kinderzimmer, um seinen acht Monate alten Sohn für den Tag fertig zu machen. Mühlig ist einer der Väter, die die Elternzeit und das staatliche Elterngeld in Anspruch genommen haben. „Es war eine superschöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Zumal man auch die Entwicklung des Kindes mitbekommt.“

Bei kleinen Betrieben ist Elternzeit für Väter oft noch ein Problem, weil es für sie keinen Ersatz gibt. Bei großen Betrieben ist sie mittlerweile Alltag. Auch die „harten Jungs“ vom Wittener Edelstahlwerk haben damit heute keine Imageprobleme mehr. Neun Väter gingen dort 2014 in Elternzeit, alle für zwei Monate. DEW ist Spitzenreiter einer Umfrage unserer Zeitung in der Stadt. Mit 1544 Beschäftigten sind die Deutschen Edelstahlwerke auch der größte Arbeitgeber.

Ab ins Wickelvolontariat

Nicht bei der absoluten Zahl, aber bei der Quote liegt die Uni Witten mit ihren 520 Angestellten sogar noch höher: Jeweils sieben Männer tauschten 2013 und 2014 Forschung und Lehre gegen Füttern und Windeln wechseln. Mit ein bis zwei Monaten war ihr Wickelvolontariat aber meist von kurzer Dauer.

Je vier Väter nahmen 2014 bei Ostermann und im Marienhospital Elternzeit – bei fast gleich vielen Beschäftigten: 834 beim Möbelriesen (in Witten: 1510), 811 in der Klinik. Die „Ostermänner“ blieben länger daheim – im Schnitt vier Monate. Die vier Männer vom Marien waren nach einem Monat schon wieder – kleiner Scherz – krankenhausreif.

Ähnliche Quote bei der Diakonie Ruhr: Dort gingen 2014 von 670 Beschäftigten drei Männer in Elternzeit, im Schnitt 55 Tage. Gleichzeitig blieben 21 Frauen dort zu Hause, im Schnitt für 201 Tage.

Acht Männer nahmen beim Baustoffspezialisten Ardex eine Auszeit fürs Kind – im gesamten Zeitraum 2010 bis 2015, alle für einen Monat. Auffällig: Sieben von acht kamen aus dem kaufmännischen Bereich. Dabei arbeiten von den 384 Beschäftigten 268 im kaufmännischen und 116 im gewerblichen Bereich.

Bei Wittens Stadtwerken (284 Beschäftigte) nahmen im Vorjahr drei Väter ein bis zwei Monate Elternzeit in Anspruch – gleichzeitig setzten vier Frauen ein bis zwei Jahre aus.

Und die Stadt – mit 1400 Beschäftigten (Köpfe, nicht Stellen) immer noch zweitgrößter Arbeitgeber in Witten: Dort hat 2014 ein einziger Mann die Babypause angetreten – für zwei Monate.

Zurück zu Marcus Mühlig. Aktuell sind bei der Knappschaft in Bochum (3700 Beschäftigte), wo der Wittener arbeitet, sieben Väter in Elternzeit. Mühlig möchte „definitiv“ ein zweites Mal in Elternzeit gehen. Denn: Vor einigen Tagen ist er zum zweiten Mal Vater geworden.

Erfahrung hat er genug mit der Vollbetreuung eines Kindes. Denn sechs Monate hat er seinen jetzt zweijährigen Sohn versorgt, während seine Frau berufstätig war. Auch wenn Kinder natürlich mal schreien würden, sei es für ihn nicht anstrengend gewesen. Vielmehr erinnert sich Mühlig an Momente wie diesen: „Morgens durch den verschneiten Wald zu gehen, blauer Himmel, Sonnenschein. Und das Kind lacht einen mit zwei Dosenöffnerzähnen aus dem Kinderwagen an – was kann es Schöneres geben.“

Gesetzlicher Anspruch

Das Elterngeld wird an Väter und Mütter für maximal 14 Monate gezahlt. Beide können den Zeitraum frei untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann dabei mindestens zwei, höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen.

Die Elterngeld-Höhe richtet sich nach dem Einkommen vor der Geburt des Kindes und beträgt etwa zwei Drittel davon (höchstens 1800 Euro). Es gibt auch das „ElterngeldPlus“: Das ist maximal halb so hoch, wird aber doppelt so lang gezahlt.