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Uni Witten vor dem Aus?

18.12.2008 | 10:25 Uhr
Uni Witten vor dem Aus?

Witten. Weil die Universität Witten/Herdecke die rechtlichen Voraussetzung für Landesgelder nicht erfüllt, werden die vom Land bereitgestellten 4,5 Millionen Fördergelder nicht fließen. Für die Uni eine Hiobsbotschaft.

Dunkle Wolken brauen sich über der Universität Witten/Herdecke zusammen. Das Land streicht der Hochschule Fördergelder in Höhe von 4,5 Mio Euro. Außerdem fordert NRW rund 3 Mio aus dem letzten Jahr zurück. Eine schlechte Nachricht, aber nicht der Anfang vom Ende, sagt der studentische Senatsvertreter Giovanni Torsello (22). „Ich habe Vertrauen, dass die Universitätsleitung finanzielle Unterstützung von anderer Seite findet.” Diese zeigte sich am Mittwoch völlig überrascht von dem Finanzstopp des Landes.

Kein verlässlicher Wirtschaftsplan

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Uni Witten-Herdecke auf der Kippe

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Die Förderung für 2008 falle weg, weil die Hochschule keine ordnungsgemäße Geschäftsführung nachweisen und für die nächsten Jahre keinen verlässlichen Wirtschaftsplan vorlegen konnte, so das Ministerium. Die 3 Millionen müsse die Uni zurückzahlen, weil ihre Einnahmen 2007 höher waren als damals angegeben. Die finanzielle Situation der Hochschule würde sich jetzt weiter verschlechtern, räumte NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart ein. Das befreie das Land aber nicht von der Notwendigkeit, verantwortungsvoll mit Steuergeldern umzugehen.

 Die Uni weist die Vorwürfe zurück und will das Vorgehen des Ministeriums juristisch prüfen lassen. Sie habe sehr wohl einen geprüften Wirtschaftsplan für die Jahre 2009 bis 2011 vorgelegt, der einen ausgeglichenen Haushalt erwarten lasse. Die Liquidität für die ersten Monate 2009 sei durch eine Bürgschaft sichergestellt. Durch den Förderstopp sei nun nicht nur das Weiterbestehen der Uni gefährdet, die Landesregierung gefährde auch 600 Arbeitsplätze und die Ausbildung von über 1 200 Studenten. „Wir suchen jetzt nach neuen Sponsoren”, sagt Uni-Sprecher Ralf Hermersdorfer.

Hauptsponsor stieg im Streit aus

  Es ist ein turbulentes Jahr für die erste deutsche private Hochschule: Erst im August war der Hauptsponsor, die Unternehmensberatung Droege, abgesprungen. Es war kein leiser Abgang: Droege warf der Uni vor, sich an keine der 2007 geschlossenen Vereinbarungen gehalten zu haben, darunte die Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat und die Sponsorensuche. Auch habe kein aktueller Business- oder Finanzierungsplan für 2007/08 vorgelegen. Diesen habe die Uni längst vorgelegt, konterte die Uni. Auch habe Droege versucht, massiv Einfluss auf Forschung und Lehre zu nehmen. Vorher waren Verhandlungen mit dem Hochschulbetreiber SRH gescheitert.

 Das sei der Unileitung nicht anzukreiden, sagt Studentenvertreter Torsello. Für Studenten und Wissenschaftler sei es elementar, dass die Unabhängigkeit der Uni gesichert bleibe. „Da muss man wählerisch sein, auch wenn man es sich eigentlich nicht leisten kann.”

„Die Situation ist für die Uni dramatisch”, kommentierte Bürgermeisterin Leidemann die Hiobsbotschaft. „7,5 Milllionen weniger”, das sei auch für sie überraschend gewesen.

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Claudia Vüllers

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Kommentare
18.12.2008
19:39
Uni Witten vor dem Aus?
von bilar | #21

Als erstes mal: Warum höre ich Über diese PRIVAT-UNI immer nur was wenn es um Gelder geht?
Zweitens: Bei derart vielen solventen Studenten ,die so eine sehr gute Bildung besitzen müßten, kommt wenig bei uns Bürgern davon rüber im Bezug auf ....Was und Wie machen wir und in wie weit wissen die Bürger darüber bescheid????
Mein Tipp: Öfter mal an die Öffentlichkeit !!!!!
...und nicht nur wenn es um die Finanzen geht!!!
Villeicht erreicht man so besser die Sponsoren!!!!
Ist nur ein Tipp..

18.12.2008
15:37
Uni Witten vor dem Aus?
von nomercy | #20

Land streicht Millionen-Förderung für private Hochschule
Privatuni: Präsident tritt zurück

Der Präsident der Privatuniversität Witten-Herdecke, Birger Priddat, hat seinen Rücktritt erklärt. Das Land hatte der Hochschule Fördergelder gestrichen und als einen Grund dafür die schlechte Führung der Geschäfte angegeben.
WDR-online
http://www.wdr.de/themen/kultur/bildung_und_erziehung/witten_medizinerausbildung/081218.jhtml

18.12.2008
15:06
Uni Witten vor dem Aus?
von besorgter | #19

Ich verstehe nicht, warum es der UWH nach mehr als 25 Jahren immer noch nicht gelungen ist, eine hinreichend leistungsfähige Trägerstiftung aufzubauen, obwohl sie doch schon so viele Alumni hat und über ein hohes Ansehen in Wirtschaft und Gesellschaft verfügt. Klar, dass die Begeisterung der etablierten Wissenschaft in Deutschland über Witten-Herdeckes alternative Suchprozesse mit Studenten als besonders wichtigem Element der Hochschule begrenzt ist. Aber die klassischen Wissenschaftszünfte brauchen doch auch nicht zu finanzieren. Warum ist es den anderen beiden Wegbereitern des privaten Hochschulgedankens in Deutschland, der 1971/72 gegründeten EBS und 1983/84 gegründeten WHU in Koblenz/Vallendar, der ersten privaten Stiftungshochschule in Deutschland, eigentlich gelungen, hinreichend potente Stifter nicht nur zu finden, sondern auch nachhaltig einzubinden? Und warum gelingt das den Verantwortlichen in Witten-Herdecke nicht, zumindest nicht dauerhaft? EBS und WHU beweisen doch überdeutlich, dass auch mit massgeblichen Stiftern die akademische Freiheit bewahrt werden kann. Haben die UWH-Wissenschaftler hier nicht genügend Selbstvertrauen? Und noch etwas: Verdient eine Hochschule am Finanzierungstropf des Staates wirklich das Etikett privat?

18.12.2008
12:52
Uni Witten vor dem Aus?
von K.Lang | #18

Es gibt Voraussetzungen/Richtlinien und Verpflichtungen für JEDE Förderung. Werden diese nachträglich/nach Zuwendungsbescheid, durch welchen Grund auch immer, nicht erfüllt, so besteht grundsätzlich das Recht des Fördermittelgebers die Fördermittel anteilig oder gesamt zurückzufordern. Dies gilt für Gewerbe und Industrie genauso wie für Forschungseinrichtungen. Und eben diese Richtlinien sind zu lesen und zu verstehen, wenn man Förderungen beantragt/erhält.
Alle anderen Diskussionen über Qualität der Lehre, wozu Privatunis, etc. leigen meiner Ansicht nach auf einer anderen Ebene und haben mit dem drohenden Entzug von Fördermitteln nichts zu tun. mfg, Karl Lang, www.euronautik.de

18.12.2008
11:44
Uni Witten vor dem Aus?
von schwarzbart | #17

Bildungspolitik a la Rüttgers. Dem ist eigentlich nur noch folgende, wahre Anekdote hinzuzufügen:
Als J.R. 1994 Bundesforschungsminister wurde, setzte er sich gleich mit dem hochtrabenden Titel Bundeszukunftsminister in Szene. Auf die Frage seines Büros, ob er einen PC auf seinem Schreibtisch wolle, entgegnete er aber: Für dieses neumodische Zeugs bin ich zu alt.
Das Land wird von einem Analfabeten regiert. Tolle Wurst.

18.12.2008
09:12
Uni Witten vor dem Aus?
von daaaa | #16

Hier stellt sich im Grunde auch eine Systemfrage. Denn nicht jeder Spitzenforscher ist ein begabter Lehrer. Und umgekehrt.

Bei den ganzen Spekulationen fehlt die Variante, das durch Pnkwarts Aktion auch eine Privatisierung nach den Vorstellungen der verschmähten Retter erzwungen werden kann.

Nicht jeder mag es, wenn begabtes Prekariat dank bezahlbarer Finanzierungsmodelle die Führungsetagen erreicht.

Der Zeitpunkt für einen solchen Coup ist angesichts der Wirtschaftskrise sicherlich günstig.

18.12.2008
02:36
Uni Witten vor dem Aus?
von JayKay | #15

Ob wir eine Privatuni brauchen?

Nein, natürlich nicht - da die staatliche Bildung ja perfekt ist. Die 7,5 Mio könnte man doch viel viel besser z.B. in die Reperatur der Uhren der RUB stecken ;)

Die Bildung ist doch schon perfekt! Wozu sollte man da Alternativen erlauben? Hochmotivierte Dozenten unterrichten in Kleinstgruppen hochmotvierte Studenten mit inovativen Lernmethoden. Ein unglaubliches großes Seminarangebot und eine perfekte Betreuung warten auf jeden, der eine staatliche Uni betritt. Und, auch wenn man es kaum glauben kann, es gibt unglaublich viele Professoren, die nur darauf warten, die vielen Initiativen die dem Studenten im Kopf rumschwirren nach allen Kräften zu unterstützen.
Internationaler Austausch, integrierte Zusatzstudiengänge, internationale Abschlüsse und natürlich auch eine 100% Job Garantie.
Und dabei auch noch unglaubliche 0% Drop-Outs!
Und das natürlich bei einer 100% Gebührenfinanzierung ohne Risiko und Auswahlkriterien.

Klingt das utopisch?

Deshalb brauchen wir diese Uni!

18.12.2008
00:55
Uni Witten vor dem Aus?
von Ende | #14

Jetzt heisst es wieder: Zähne zusammenbeissen, Gürtel enger schnallen, durchhalten. Insolvenz, Inkompetenz, Intransparenz. Trotz hervorragender CHE-Rankings, ernstzunehmender Studenten und Dozenten, Versorgungsforschung, wirkungsvoller Demenz- und Patienteninformations-Projekte und moderner Lehr- und Lernkonzepte. Die UW/H steht (mal wieder) vor dem Ende. Wann kommen die stabilen Zeiten? Zeiten, in denen die - dringend notwendigen - Reformen im Gesundheitswesen entwickelt und gedacht werden können? Wann, wenn nicht jetzt, Wo, wenn nicht hier?

18.12.2008
00:43
Uni Witten vor dem Aus?
von radieschen | #13

Was brauchen wir ein Privat-Uni?

18.12.2008
00:28
Uni Witten vor dem Aus?
von def11 | #12

Allgemein zum oben genannten Punkt: die Lehre dieser Uni ist die Beste, die es in Deutschland gibt, durch unzählige Studien bestätigt.

Ich empfehle euch die Pressemittteilung auf www.uni-wh.de , aus der die Sichtweise der Universität hervorgeht.

Des Weiteren solltet ihr nicht vergessen, dass an dieser Uni nicht nur Studenten sind, sondern dort auch Menschen arbeiten. Man denke an die mehr als 600 Jobs die verloren gehen würden, vor allem in der jetzigen wirtschaftlichen Situtaion kann das von der Regierung nicht gewollt sein.
Auch der grundlegende Kurs der Regierung, Geld in Bildung zu stecken wird hierdurch in Frage gestellt!
In wieweit könnn wir dieser Regierung dann noch vertrauen?

Mich macht es fassungslos, wie die Regierung gerade in den Umstrukturierungsmaßnahmen der Uni die Grundlage entzieht.


und zu der frage warum die öffentlichkeit für eine Privatuni geradestehen sollte; Gegenfrage: wenn du so denkst, was machst du hier in Deutschland?Wieso leben wir in einem Sozialstaat? Frag dich das doch einfach mal, schließlich behandeln gerade Wittens Mediziner Kassenversicherte oder engagieren sich bei Ärzte-ohne-Grenzen. Soziale Verantwortung wird an der Uni großgeschrieben, hier geht es um Ideale und Leitbilder.

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