Uni Witten/Herdecke soll Flucht aus den Pflegeberufen untersuchen

Begehrt, gebraucht, aber häufig überlastet und nicht lange im Beruf: Pflegekräfte.
Begehrt, gebraucht, aber häufig überlastet und nicht lange im Beruf: Pflegekräfte.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Universitäten Witten/Herdecke und Frankfurt/Main sollen erforschen, wie die Flucht von Pflegekräften aus dem Beruf verhindert werden kann.

Witten.. Pflegekräfte: Sie werden dringend gebraucht, sie sind oft psychisch und physisch überlastet und hängen, gestresst, häufig schon nach wenigen Jahren ihren Beruf an den Nagel. Das Bundesforschungsministerium ist alarmiert, hat die Universitäten Witten/Herdecke und Frankfurt/Main damit beauftragt, zu erforschen, was sich ändern muss, damit Pflegekräfte der Pflege nicht länger den Rücken kehren.

Der Bund fördert die Studie mit 1,3 Millionen Euro, wie es von der Uni Witten/Herdecke heißt. Dortige Projektleiterin ist die Pflegewissenschaftlerin Prof. Ulrike Höhmann, die hierbei von Diplom-Pädagogin Laura Schwarz unterstützt wird.

Zu wenig Personal und zu hoher Zeitdruck

Dass die professionelle Pflege Sorgen bereite, habe mehrere Gründe, so die Wissenschaftlerinnen. Zu wenig Personal, ein zu hoher Zeitdruck in den Einrichtungen, den Alltag beherrschende Pflichten zur Dokumentation der geleisteten Arbeit, sowie eine zu geringe Möglichkeit, sich als Mitarbeiter mit seinen Erfahrungen einzubringen, führten zu Frust und nicht selten zu gesundheitlichen Problemen.

„Viele Pflegende klagen über Burnout, hören auf mitzudenken. So sinkt die Qualität der Versorgung und der Krankenstand steigt“, weiß Prof. Ulrike Höhmann. Darauf reagierten die Einrichtungen dann oft mit Programmen zur Gesundheitsförderung.

Höhmann hält dies für ein „Kurieren an den Symptomen“. Leitungskräfte in der Pflege müssten vielmehr dazu befähigt werden – unter den von außen gegebenen Rahmenbedingungen – in ihren Einrichtungen neue Strukturen zu entwickeln. „Um die Ideen und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter nutzbar zu machen.“ Diesen müssten mehr Handlungsspielräume eingeräumt werden.

Erfahrungen von Pflegekräften gelten oft wenig

Die Pflege-Expertin und ihre Mitarbeiterin Laura Schwarz sind sich sicher: „So etwas wirkt motivierend, die Identifikation mit der Arbeit wächst.“ Leider sehe der Alltag von Pflegekräften häufig anders aus. „Da werden Abläufe in der Pflege schnell an ökonomischen Zwängen ausgerichtet“, kritisiert die Professorin. Auch Laura Schwarz betont, dass Erfahrungen von Pflegekräften in der Arbeitspraxis „oft erstaunlich wenig gelten“. Deshalb wolle die Studie das Hauptaugenmerk auf die Führungskräfte legen.

Die Wissenschaftler wollen bis Ende 2017 einen Handlungsleitfaden für die Pflegepraxis entwickeln. In Frankfurt beteiligen sich Forscher des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität an dem Projekt. Außerdem ein ambulanter Pflegedienst aus Wiesbaden, ein Altenzentrum in Bad Homburg, sowie die dortigen Hochtaunus-Kliniken.