Ungleiches sollte nicht gleich behandelt werden

Vorgestern las ich den Artikel eines Politikers unter der Überschrift „Karlsruhe wird die Ehe öffnen“. Kommt hier eine hellseherische Fähigkeit zum Ausdruck oder eine Öffentlichkeit manipulierende Wunschvorstellung? Mit „Karlsruhe“ ist das Bundesverfassungsgericht gemeint, und die Ehe, die es öffnen wird, werde eine Ehe sein für alle, „die sich lieben“.

Seit längerem zeigt sich die lautstarke Lobby der Schwulen und Lesben unzufrieden mit den Privilegien einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die sie ja eingehen können. Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum das Bundesverfassungsgericht vom Grundgesetz abrücken sollte, das Ehe und Familie unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung gestellt hat. In einer Entscheidung dieses Gerichts wird der Begriff „Ehe und Familie“ konkret so definiert: „Ehe ist die Vereinigung eines Mannes mit einer Frau zu einer grundsätzlich unauflöslichen Lebensgemeinschaft, und Familie ist die umfassende Gemeinschaft von Eltern und Kindern, in der den Eltern vor allem Recht und Pflicht zur Pflege und Erziehung der Kinder erwachsen. (...) (BVerfGE 10, 59/66).

Ungleiches sollte nicht gleichbehandelt werden! Gegenüber heterosexuellen Paaren beweisen homosexuelle Partnerschaften ihre Ungleichheit dadurch, dass sie keine Nachkommenschaft zur Welt bringen können. Doch da gibt es ja bereits die Forderung auf Adoption von Kindern durch homosexuelle Partner. Es müsste allerdings dann auch das Verbot der Leihmutterschaft fallen. An das Kindeswohl denkt dabei kaum jemand.
Karl Heinz Grenner, Pfarrer i. R.