Das aktuelle Wetter Witten 17°C
Bahnübergang

Unfall-Opfer aus Herne will Schadensersatz von der Bahn

07.01.2016 | 17:08 Uhr
Unfall-Opfer aus Herne will Schadensersatz von der Bahn
Um die hundert Stundenkilometer war die S-Bahn schnell, als sie den Wagen des Herners rammte.Foto: Klaus Pollkläsener

Witten.  Der schwere Unfall am Bahnübergang Pferdebachstraße in Witten ist für das Opfer längst nicht abgeschlossen. Kann der Herner mit Schmerzensgeld rechnen?

Der verheerende Zusammenstoß zwischen einem Zug und einem Auto am Bahnübergang Pferdebachstraße in Witten im Dezember 2014 könnte für die Bahn und ihre eingesetzten Subunternehmen möglicherweise noch teuer werden.

Der Anwalt des Unfallopfers, einem 54-jährigen Herner, kündigt gegenüber unserer Zeitung an, das Verkehrsunternehmen und die zur Sicherung des damals schrankenlosen Bahnübergangs eingesetzten Firmen in die Haftung zu nehmen und notfalls zu klagen. „Irgendjemand muss dafür haften“, sagt der Verkehrsrechtsexperte Harald Stöcker.

Unfall wie durch ein Wunder überlebt

Weil die Schranke zum damaligen Zeitpunkt defekt war, mussten Streckenposten den Übergang mit einem Flatterband sichern, was aber nicht geschah. Es kam zum Horrorunfall, bei dem der 54-Jährige von einem 95 Stundenkilometer schnellen Zug erfasst worden war, aber wie durch ein Wunder schwer verletzt überlebt hatte.

Urteil
Streckenposten zu Geldstrafe verurteilt

Der verantwortliche Streckenposten (28) war per Funk informiert worden, dass ein Zug anrollt. Normalerweise hätte er seinen Kollegen Bescheid sagen müssen, dass sie das Flatterband aufziehen sollen. Das hätte der 28-Jährige kontrollieren müssen. Doch an diesem Abend ging etwas schief. Es kam zum Unfall.

Der Haupt-Streckenposten wurde Mitte Dezember wegen Körperverletzung und gefährlichem Eingriff in den Bahn- und Schienenverkehr zu 90 Tagessätzen (900 Euro) verurteilt . Er hatte es versäumt, das Aufziehen des Flatterbandes zu kontrollieren. Für Opferanwalt Stöcker kam eine Berufung nicht infrage: „Uns ging es nur darum, dass der Fehler einer Person festgestellt wurde.“ Beim Streckenposten selbst sei wohl finanziell nichts einklagbar.

In der zivilrechtlichen Auseinandersetzung könnte es angesichts der Schwere des Unfalls um hohe Summen gehen. Anwalt Harald Stöcker spricht allein für ein mögliches Schmerzensgeld von einem Betrag im unteren fünfstelligen Bereich. Hinzu kämen Kosten für Schäden am Auto, Fahrtkosten und Verdienstausfälle. Das Unfallopfer erlitt schwere Knochenbrüche und Prellungen und ist seit dem Zusammenstoß arbeitunfähig. Der Herner tastet sich derzeit im Rahmen einer Eingliederungsmaßnahme wieder an den Job heran.

Flatterband-Provisorium währte elf statt sieben Tage

Ob beziehungsweise wie viel Geld am Ende fließen wird, steht noch genauso in den Sternen wie das verantwortliche Unternehmen, das in die Kasse greifen müsste. Die Bahn, die die Notlösung mit dem Flatterband elf statt der eigentlich vorgeschriebenen maximal sieben Tage aufrechterhalten hatte? Sie rechtfertigte sich: Eine damals bestellte provisorische Schranke sei erst verspätet geliefert worden. Im Falle der Bahn steht auch die Frage im Raum, ob sie ihre Subunternehmen – falls sie dies nicht getan hat – hätte kontrollieren müssen, zumindest stichprobenartig.

Horrorunfall
War der Streckenposten nur ein Bauernopfer?

Laut Bericht einer Bundesbehörde zum Unfall in Witten sichert die Bahn ihre Übergänge nicht ausreichend und setzt auch unqualifizierte Helfer ein.

Oder sind doch die Sicherheitsfirmen – CS und Pilotbau – in der Pflicht? Hatten sie Mitarbeiter ausreichend geschult? In einem Unfallgutachten kritisiert das Eisenbahnbundesamt, Hilfsposten könnten „ohne jegliche Tauglichkeitsprüfung und ohne auch nur geringste bahnbetriebliche Kenntnisse für die Sicherung von Bahnübergängen eingesetzt werden.“

Hoffnung auf außergerichtliche Einigung

Viele offene Fragen müssten nun in der zivilrechtlichen Auseinandersetzung geklärt werden, so Rechtsanwalt Stöcker. Nach Informationen unserer Zeitung will die Bahn nun Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft einsehen, um den Sachverhalt einordnen zu können. Fragen unserer Zeitung zur Klage, möglichen Fehlern und Lehren beantwortete die Bahn bis zum Donnerstag (7.1.) nicht.

Wer auch immer zivilrechtliche Verantwortung tragen muss: Opferanwalt Stöcker ist zuversichtlich, dass es eine außergerichtliche Einigung geben wird – möglicherweise auch zwischen den drei Firmen. Falls nicht, müsse man vor Gericht ziehen. „Die Latte für die Bahn liegt hoch, falls sie sich einer Haftung entziehen will.“

Dennis Sohner

Kommentare
09.01.2016
07:01
#1 Wenn Sie wie wohl auch die Bahn
von p.s.a | #2

oder die verantwortungslosen teilweise betrügerisch agierenden weiteren Beteiligten Unternehmer die mehrere Firmen so auf dem Andreaskreuz herumreiten...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Wartenberg-Erlebnistag
Bildgalerie
Witten
Rotary-Oldtimer-Ralley
Bildgalerie
Witten
Attila & Co erobern Witten
Bildgalerie
Fotostrecke
Wittener Täuflinge
Bildgalerie
Kirche
article
11441264
Unfall-Opfer aus Herne will Schadensersatz von der Bahn
Unfall-Opfer aus Herne will Schadensersatz von der Bahn
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/witten/unfall-opfer-aus-herne-will-schadensersatz-von-der-bahn-id11441264.html
2016-01-07 17:08
Bahnübergang,Pferdebachstraße,Witten,Zusammenstoß,Bahn
Witten