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Und sie lesen doch

06.06.2011 | 16:12 Uhr

Witten. Wenn die Bücherei zur Kinderbuchlesung einlädt, kommen die Grundschüler klassenweise.

Darunter sind auch jene, die privat weniger oft in die Fantasiewelten zwischen den Buchrücken eintauchen. Aber verschmäht die neue Computergeneration die gedruckten Geschichten wirklich? Der 63-jährige Autor Ghazi Abdel Qadir hat in seiner Schaffenszeit über 50 Kinderbücher geschrieben und die Entwicklung der Leselust von Schülern mitverfolgen können. In Witten las er am Montag in der Stadtbücherei und in der Annener Zweigstelle für jeweils zwei Grundschulklassen aus seinem Roman „Mustafa mit dem Bauchladen“. Dafür bekam er u.a. den österreichischen Jugendbuchpreis 1994.

„Früher haben die Kinder mehr gelesen. Da kamen sie mit ihren Büchern zu meinen Lesungen und wollten sogar Autogramme haben“, erinnert sich der palästinensisch-stämmige Germanist. Heute hingegen sei es kaum mehr möglich, als reiner Kinderbuchautor zu leben, erzählt er.

Seine Geschichte über den Straßenjungen, der sich nur mit dem Verkauf von Kaugummis aus der Armut rettet, spricht die Viertklässler der Erlenschule an. Da die Hauptfigur Mustafa in ihrem Alter ist, fällt es den Schülern leichter, sich in die fremde Lebenswelten hineinzudenken.

„Das Buch war richtig toll“, ruft ein Mädchen am Ende der Lesung. Eine Reaktion, die auch den routinierten Ghazi Abdel Qadir jedes Mal aufs Neue freut. Denn dass Kinder sich auch heute für Bücher begeistern können, steht für ihn außer Frage: „Es muss nur jemanden geben, der sie zu den Büchern hinführt“, erklärt er.

Neben den Eltern obliegt diese Aufgabe insbesondere den Schulen. Uwe Tutas, Klassenlehrer an der Erlenschule, macht seine Schüler im Deutschunterricht mit der Faszination Lesen vertraut. „Wir kaufen Bücher in Klassensätzen und besprechen sie dann zusammen im Unterricht. Außerdem bemühen wir uns um den Aufbau einer kleinen Klassenbibliothek“, erzählt er.

Die Annener Bibliothekarin Brigitte Altenhein kennt sich dabei mit den Vorlieben der Schüler aus. „Die Bücher von Karl May beispielsweise sind überhaupt nicht mehr gefragt und bei den Kindern völlig out. Und auch Enid Blyton wird nicht mehr so oft ausgeliehen“, weiß die Bibliothekarin. Stattdessen seien Reihen wie die „3 Fragezeichen Kids“ und verschiedene Geschichten über Elfen oder Zauberponys gefragt. Astrid Lindgren gehöre aber noch immer in jedes Bücherregal: „Gerade vorlesende Eltern greifen oft zu Pippi Langstrumpf.“

Anna Ernst

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