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Und es hat „Blitz!“ gemacht

10.02.2012 | 17:03 Uhr
Und es hat „Blitz!“ gemacht
Die Polizeikollegen Frank Müller, 50 Jahre; Polizeihauptkommissar und Peter Gerlach, 51 Jahre, Polizeioberkommissar ( li. ) an der Ardeystraße, Ecke Herdecker Straße, in Witten mit dem Laser. Foto: Walter Fischer

Witten.Blitzen mit Ankündigung - im Rahmen der landesweiten Geschwindigkeitskontrollen war Witten am Freitag Nachmittag an der Reihe. Und die meisten Autofahrer fuhren gestern so vorsichtig, als hätten sie bei Glatteis noch Sommerreifen drauf.

Auch ich bin ganz besonders vorsichtig zur Arbeit gefahren. Ich wusste ja, heute sind „sie“ unterwegs. Auf der Pferdebachstraße soll kontrolliert werden. Mal schauen - zwei Frauen sitzen da in einem blauen Kombi. Die sind verdächtig. Zu Unrecht? Wer weiß? Ist die Tarnung der Radarwagen seit der letzten Reportage gar besser geworden? Und waren das überhaupt Frauen?

Auch der holländische Wagen mit dem gelben Nummernschild wirkt auf einmal so deplatziert am Straßenrand. (Nein, bitte sagen Sie nicht, holländische Wagen wären doch immer... Das ist nicht nett.) Das wäre allerdings eine Supertarnung. 200 Meter weiter steht dann ein ganz normaler blauweißer Polizeibully mit Blaulicht etc. Wie langweilig.

Drinnen sitzt Polizeihauptkommissar Guido Meng (42) ohne Radarutensilien. Er beobachtet nur den Verkehr und hat festgestellt, „es ist auffällig, dass alle sehr vorsichtig fahren. Damit haben wir unser erstes Ziel schon erreicht. Es geht ja schließlich nicht darum, Verkehrsteilnehmer abzuzocken.“ Das muss man natürlich erst mal wissen.

Ja, aber wo blitzen sie denn? Sie blitzen beispielsweise an der Ecke Herdecker/Ardeystraße. Guido Meng hat seinen Kollegen Frank Müller (50) und Peter Gerlach (51) einen heißen Kaffee mitgebracht. Den können sie brauchen, denn zu tun ist wenig.

Gemessen wird ab Tempo 64

„Dass so zivil gefahren wird, ist für diese Strecke ungewöhnlich“, weiß Oberkommissar Gerlach, der sein österreichisches Messgerät auf Tempo 64 eingestellt hat - „da müssen wir wegen ein paar Kilometern kein schlechtes Gewissen haben, für weniger halten wir keinen an“. (Der städtische Radarwagen dagegen... lassen wir das, ist ein anderes Thema, und Witten ist ja überschuldet.)

Am Vormittag, da haben sie aber einen erwischt, der 37 km/h zu schnell war. „Er hat gesagt, er sei aus dem Urlaub gekommen, habe nichts von der Aktion gewusst und morgens die Zeitung nicht gelesen.“ Dann gab es da auch noch die Mittvierzigerin, die angehalten wurde, ausstieg, den Beamten ihre Handtasche vor die Füße warf und dreimal laut ein undamenhaftes Wort rief, das mit „Sch...“ anfängt.

Schließlich erwischen sie doch noch einen Mercedes, der mit Tempo 65 die Ardeystraße herunter kommt, wo nur 50 erlaubt ist. Nicht nur das - die Fahrerin ignoriert das Stopp-Signal, gibt Gas, biegt in die Herdecker Straße ein, und weg ist sie. Findet Hauptkommissar Müller jetzt nicht so spaßig, und die Dame braucht demnächst eine wirklich gute Erklärung. Vielleicht: „Ich schaue nicht zu fremden Männern hin, die am Straßenrand stehen und mir zuwinken.“

Bernd Kassner

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