Unbekannte rissen in Witten Flügelherz aus Bürgersteig

Die Wittener Künstlerin Petra Wolters mit ihrem Beton-Schwein, das nachts von Unbekannten attackiert wurde.Foto: Thomas Nitsche - FUNKE Foto Service
Die Wittener Künstlerin Petra Wolters mit ihrem Beton-Schwein, das nachts von Unbekannten attackiert wurde.Foto: Thomas Nitsche - FUNKE Foto Service
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Was wir bereits wissen
Zerstörungswut: In der Johannisstraße wurde ein Kunstwerk aus dem Bürgersteig gerissen. In Annen einem Beton-Schwein der Kopf eingeschlagen.

Paul Rybarsch spricht von „Vandalen“. Und das ist für den freundlichen Hörgeräte-Akustiker, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann, schon eine starke Vokabel. Eines seiner drei 2,60 Meter hohen Flügelherzen, die vor seinem Geschäft an der Johannisstraße den Bürgersteig verschönern, wurde aus dem Gehweg gerissen.

Und nicht nur das: Maria, Josef und ihr Kind in der Krippe, die als Figurengruppe an seinem Fachwerkhaus zur Weihnachtszeit stehen, wurden ebenfalls von Unbekannten attackiert. Beides geschah während der Feiertage. „Darüber, dass das Flügelherz auf dem Gehweg liegt, hat die Polizei mich Heiligabend informiert“, erzählt der 76-Jährige. Dass man die Stange mit dem blauen Herzen an der Spitze, das links und rechts silberfarbene Flügel schmücken, überhaupt herausreißen konnte, zeugt von roher Gewalt und kräftigen Tätern. Rybarsch: „Immerhin wiegt das Ganze 75 Kilo.“ Vielleicht hätten da nachts ja betrunkene Kneipengänger zugeschlagen.

Die Idee, die Johannisstraße attraktiver zu machen, ist gescheitert

Das Herz hat seine Tochter Almut Rybarsch-Terry gemacht, die als Künstlerin in Dortmund lebt und auch mit der Herz-Skulptur auf der Verkehrsinsel zwischen Johannis- und Bonhoefferstraße Farbe ins Viertel bringen will. „Die bekommt bei so einer Zerstörungswut jedes Mal Zustände“, sagt der Vater. Der betont, dass er das Flügelherz der Tochter neu einbetonieren lassen wird. „Ein unnötiger und großer Aufwand.“

Auch die etwa 1,50 Meter große Maria aus Beton, die Unbekannte Weihnachten aus ihrer Standschiene kippten, konnte wieder aufgerichtet werden. Beim Sturz blieb die schwere Figur an der Holzverkleidung des Fachwerkhauses hängen. „Wäre sie zu Boden gefallen, wäre sie wohl kaputt.“

Im Johannisviertel betreibt Paul Rybarsch sei über 20 Jahren sein Geschäft in einem ehemaligen Kotten, der um 1800 gebaut wurde. Ein denkmalgeschütztes Schmuckstück in der Innenstadt. Das Haus hat er, nachdem er es gekauft hatte, liebevoll restaurieren lassen. Dem Mann liegt viel am Viertel. Jahrelang hat er sich öffentlich für dessen Verschönerung stark gemacht und versucht, auch andere Gewerbetreibende zum Mitmachen zu motivieren. „Die Idee, die Johannisstraße attraktiver zu machen, ist leider gescheitert“, sagt er. Und fügt bedauernd hinzu: „Das ist alles eingeschlafen. Die anderen Geschäftsleute haben da nicht mitgezogen.“

„Wir räumen den Müll einfach weg“

Dass vor allem an den Wochenenden leere Flaschen, Papier und andere Abfälle in seinen bepflanzten Kübeln auf dem Gehweg oder in seinem Beet am Parkplatz des Geschäftes landen, dagegen könne man nichts machen, meint er. „Es ist wirklich sehr ärgerlich, aber woanders auch so. Wir räumen den Müll einfach weg.“ Paul Rybarsch ist froh, dass sein Fachwerkhaus bisher von Graffiti-Sprayern verschont blieb. „Vielleicht liegt es ja daran, dass die Leute es schön finden.“

Auch die Künstlerin Petra Wolters ist sauer. Ihrem Beton-Schwein im Vorgarten ihres Hauses in Annen wurde von Unbekannten der Kopf eingeschlagen. Schon die dritte Attacke auf das lebensgroße Tier.

„Die müssen einen Hammer bei sich gehabt haben“

Das sitzt, nur mit einer Badehose bekleidet, auf einer Holzbank und entlockt vorbeigehenden Schulkindern, aber auch Erwachsenen stets ein Lächeln. Petra Wolters wohnt mit ihrer Familie in der Freiligrathstraße. Der von ihr erschaffene rund 80 Kilo schwere Eber wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag so übel zugerichtet, erzählt die 57-Jährige. „Die müssen einen Hammer bei sich gehabt haben. Sonst bekommt man diesen Beton nicht kaputt.“ Schon zwei Mal wurde das Schwein in der Vergangenheit samt Holzbank umgeworfen und hatte sich dabei Risse zugezogen.

Wolters vermutet, dass sich Jugendliche da einen üblen Scherz erlauben, über den sie aber gar nicht lachen kann. „So etwas finde ich asozial. Ich habe den Kaffee auf.“ Die Polizei hat ihr wenig Hoffnung gemacht, dass man die Übeltäter schnappen wird. „Ich habe zwei kräftige Jungs und einen Hund zuhause. Irgendwann erwischen wir die.“

Die Künstlerin will ihr Beton-Tier jedenfalls restaurieren. Der Eber hatte übrigens auch einmal eine „Frau“, wie sie schmunzelnd erzählt. Die befindet sich in Sicherheit. „Ich habe sie verkauft!“