Über den eigenen Schatten springen

Präsenz-Coach Alexa Bastein und die TeilnehmerinnenTina und Bianca (von links) präsentieren stolz die von ihnen gebastelte goldene Sonne.Foto:Barbara Zabka
Präsenz-Coach Alexa Bastein und die TeilnehmerinnenTina und Bianca (von links) präsentieren stolz die von ihnen gebastelte goldene Sonne.Foto:Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Teilnehmer des Programms ThuBA trainieren Körpersprache, Stimme und sicheres Auftreten. Im alten Café Leye standen sie zum ersten Mal auf der Bühne.

Witten..  Theater und Beschäftigung und Ausbildung - kurz Kombi ThuBA heißt eine neue Kooperation zwischen der Projektfabrik und dem Jobcenter Ennepe-Ruhr. Aktuell sind zwölf Menschen, die lange Zeit ohne Arbeit waren, in diesem Projekt beschäftigt. Seit März sind sie dabei und suchen jetzt aktiv und kreativ nach einer Arbeit.

Vier wesentliche Standbeine hat Kombi ThuBA. Das sind Theater, kreatives Bewerbungsmanagement, die Gewerke Holz und Requisite sowie Maske, Kosmetik und Kostüm. „In den einzelnen Kursen wollen wir das Selbstbewusstsein und Vertrauen stärken“, betont Präsenz-Coach Alexa Bastein. „Und da sind Bühne und Theater ein hervorragendes Medium.“

Körpersprache, Stimmbildung, sicheres Auftreten und auch das Outfit nehmen die Teilnehmer gründlich unter die Lupe. „Viele machen aus der Not eine Tugend“, so Bastein. „Denn es gehört schon eine Menge Überwindung dazu, sich auf der Bühne zu zeigen. Aber unsere Schüler springen schnell über den eigenen Schatten. Wie heißt es noch: Der Mensch braucht Angst, sonst lernt er nicht.“

Im Rahmen eines kleinen Sommerfestes präsentiert die Gruppe ihre kreativen Ergebnisse einem ausgesuchten Publikum. Eingeladen waren Familie, Freunde, Bekannte, die Sachbearbeiter des Jobcenters und natürlich das Team der Projektfabrik. In den Räumen des ehemaligen Café Leye an der Ruhrstraße hat jeder eine Säule mit seinen kreativen Arbeiten dekoriert. Gleichzeitig wird das neue ThuBA-Logo präsentiert.

Dann folgt eine kleine Performance auf der Bühne. Teilnehmer Thomas begrüßt die Gäste mit der Frage: „Was bedeutet eigentlich ThuBA?“ Er gibt sich selbst und den Anwesenden die Antwort. „ThuBA macht den Kopf frei, wirft alte Zöpfe weg, und manchmal kann man es sogar sehen.“ Ein Raunen geht durch das Publikum, als er sich von Alex Bastein tatsächlich den Kopf kahl rasieren lässt.

Dann stehen die Teilnehmer auf der Bühne – und das Thema Angst ganz im Mittelpunkt. Jeder gibt ein Bekenntnis ab. „Ich hatte Angst aufzustehen, ich hatte Angst Zähne zu putzen, ich hatte Angst unter Menschen zu sein.“ Immer mehr und immer schneller folgen die Sätze aufeinander. Ganz alltägliche Dinge werden erwähnt. Ganz alltägliche Dinge, die aber durchaus Angst machen können. „Die Leute standen zum ersten Mal im Leben auf der Bühne“, betont später Bastein. „Sie alle sind über sich hinausgewachsen und haben ihre Sache toll gemacht.“ Aufregung und Lampenfieber sind verschwunden.

Dann wird auf der Terrasse ganz entspannt gefeiert, gequatscht und gegessen. Doch es wartet noch eine große, leuchtende Überraschung auf die Gäste. Tina (36) und Bianca (36) haben in der Holzwerkstatt eine große Sonne gebastelt – in leuchtend gelber Farbe. Mit lauter kleinen Sparbüchsen vorne drauf. Auf diesen stehen Worte wie „Tugend“, „Kraft“ und „Ehrgeiz“.

Bianca hat sich schließlich als Sonne verkleidet. Da Essen und Trinken kostenlos waren, bittet die Gruppe auf diese charmante Art und Weise um eine kleine Spende. Mit dem Erlös wollen alle gemeinsam in einen Kletterpark fahren.

Projekt für Menschen, die lange erwerbslos sind

Kombi ThuBA (Theater und Beschäftigung und Ausbildung) ist eine Kooperation von Jobcenter und Projektfabrik. Zielgruppe sind Menschen, die lange erwerbslos waren. Das Jobcenter vermittelt Teilnehmer ins Projekt.

Man kann sich auch selbst beim Jobcenter bewerben. Es gibt bereits eine Warteliste. Die Maßnahme dauert ein halbes Jahr . Voraussetzung ist die Bereitschaft zu intensiven, ehrlichen Gesprächen.