Über 4200 Wittener waren Ende des Jahres ohne Arbeit

Warten auf Arbeit: Besonders schwierig ist die Jobsuche für Langzeitarbeitslose.Foto: Götz Schleser/Imago
Warten auf Arbeit: Besonders schwierig ist die Jobsuche für Langzeitarbeitslose.Foto: Götz Schleser/Imago
Was wir bereits wissen
Ende 2014 waren über 4200 Wittener arbeitslos. Heiner Dürwald, Leiter des Jobcenters EN, mahnt: Firmen dürfen nicht nur den idealen Bewerber suchen.

Trotz einer leichten wirtschaftlichen Erholung waren Ende 2014 in Witten noch 4217 Menschen ohne Arbeit, 340 (7,5 Prozent) weniger als Ende 2013. 970 Männer und Frauen erhielten in der Stadt Ende vergangenen Jahres Arbeitslosengeld. 3247 Menschen bezogen Arbeitslosengeld II (ALG II), also Hartz IV.

Von den Arbeitslosen waren 197 Betroffene unter 25 Jahren. Nach Angaben des Kreises gab es damit – im Vergleich zum Vorjahr – ein Viertel weniger junge Arbeitslose. Von den derzeit 197 arbeitslosen jungen Menschen beziehen 99 Hartz IV.

Das Arbeitslosengeld II wurde vor zehn Jahren eingeführt. Die Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe wurden dabei zusammengelegt. Die Absicht: Eine Grundsicherung für Bedürftige, also Langzeitarbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende und Aufstocker. Die Reform ist bis heute umstritten.

Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Hagen, und Heiner Dürwald, Leiter des Jobcenters EN, betonen, dass der Arbeitsmarkt im Kreis gespalten sei. „Qualifizierte, junge Menschen sind gefragt. Langzeitarbeitslose haben aus vielerlei Gründen Schwierigkeiten, ein passendes Angebot zu finden.“ Auf Kreisebene seien die Hälfte aller Leistungsbezieher länger als vier Jahre arbeitslos, so Heiner Dürwald.

Jobcenter EN: Erfolge nur mit der Wirtschaft

Die Vermittlungschancen dieser Menschen sinkt drastisch mit der Dauer der Arbeitslosigkeit, wissen die Jobvermittler. „Erfreulich ist, dass wir im letzten Jahr rund 1250 Wittener aus Hartz IV in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt haben“, sagt der Chef des Jobcenters EN. Bei Langzeitarbeitslosen kämen „viele Vermittlungshemmnisse zusammen. Krankheit, Familie, Qualifikation, Berufserfahrung – dies sind nur ein paar Beispiele“, erläutert Dürwald. Laut Statistik gab es im August vergangenen Jahres in Witten 7278 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Menschen, die eigentlich von ihrer eigenen Arbeit leben könnten, wenn sie denn Arbeit hätten. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichtes Plus von 1,1 Prozent. Insgesamt lebten im August 2014 5435 sogenannte Bedarfsgemeinschaften in der Stadt von der Grundsicherung. Insgesamt waren dies 9840 Menschen, unter ihnen 2562 Kinder unter 15 Jahren.

Wichtig sei jetzt vor allem der Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit, betont Heiner Dürwald. „Wirklich nachhaltige Erfolge sind aber nur in Kooperation mit der Wirtschaft möglich. Es muss die Bereitschaft vorhanden sein, auch Personen einzustellen, die nicht dem Idealbild eines Bewerbers entsprechen.“

Einen Schwerpunkt werde man bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit setzen. Mit Instrumenten wie Eingliederungszuschüssen, Betriebspraktika oder Einstiegsqualifizierungen für junge Menschen habe man interessierten Unternehmen einiges zu bieten.