Trennungskinder brauchen Rat und Hilfe

Die Zahl der alleinerziehenden Eltern steigt kontinuierlich an. Auch in der Ruhrstadt. „Es gibt immer mehr Eltern, die in keiner Liebesbeziehung leben“, weiß Markus Guhl, Leiter der Erziehungsberatung bei Pro Familia. „Rund ein Drittel aller Ehen werden geschieden. Und oftmals sind die Kinder die Leidtragenden“, sagt der 43-Jährige.

Im vergangenen Jahr suchten rund 410 Betroffene Rat und Hilfe in der Beratungsstelle an der Annenstraße. 140 davon waren in eine Trennungsproblematik verstrickt. „Wie geht es Kindern, deren Eltern sich getrennt haben“ – diese Frage stellt sich Markus Guhl oft bei seiner täglichen Arbeit. Und fügt hinzu, dass nicht nur Ehen, sondern auch Lebenspartnerschaften, die auseinandergehen, Trennungskinder zurücklassen.

„Die Kinder fragen sich, wieso sich Papa und Mama nicht mehr lieben“, sagt Ursula Kersting-Otte (54). „Oftmals entwickeln sie auch Schuldgefühle.“ Hier setzt die Arbeit der Beratungsstelle an. Es gibt spezielle Gruppenangebote für Kinder, deren Eltern sich getrennt haben. „Denn die Kinder brauchen Rat und Hilfe, um die Erlebnisse zu verarbeiten“, so Kersting-Otte. „Die Trennung der Eltern ist oft eine einschneidende Veränderung im Leben der Kinder.“

Wer in der Beratungsstelle Hilfe sucht, muss aber die Bereitschaft für Kompromisse mitbringen. Oftmals gäbe es Meinungsverschiedenheiten über Besuchszeiten und Unterhaltszahlungen. Ist eine Annäherung durch Gespräche überhaupt noch möglich? Diese Frage stellt sich oftmals gleich zu Beginn.

„Manchmal kommen hochstrittige Paare. Keine Seite will Recht geben, aber beide Seiten wollen Recht haben“, erzählt Markus Guhl. „Und die Kinder stehen zwischen den Stühlen. Kein Kind möchte, dass die Eltern Streit haben. Kinder möchten Mama und Papa gleichermaßen lieb haben.“ Auch würden Kinder oft als „Medium“ missbraucht, um dem anderen Partner Vorwürfe zu machen.

„Für alle Betroffenen einer Trennung ist das Gespräch und das Zuhören außerordentlich wichtig“, so Markus Guhl. „Wir wollen den Problemen einen Raum geben, wenn die Bereitschaft zum Mitmachen da ist. Aber jeder Fall ist anders. So sind Aufklärung und Information besonders wichtig – für Eltern und auch für Fachkräfte in Schulen und Kindergärten. Verhaltensauffälligkeiten haben meist tief liegende Gründe. Deshalb müssen alle sehr viel sensibler werden.“

Die Erziehungsberatung versteht sich als Anlaufstelle für alle Familien. Ihre Hilfe ist kostenlos, freiwillig und unverbindlich.