„Treffen mit Zeitzeugen ist wertvoller als Gold“

70 Jahre nach Kriegsende besuchten Berend Proper (91) mit seiner Familie und Jan van Bremen, Sohn des ehemaligen NS-Zwangsarbeiters Gert van Bremen, das Stadtarchiv Witten. Nach einem Rundgang durch Annen – Propers zwangsweiser Einsatzort war in der Rüstungsproduktion im Annener Gussstahlwerk – beantwortete Proper Fragen von Abiturienten der Holzkamp-Gesamtschule. Er erzählte über das Lagerleben, über die Zwangsarbeit, die Rückkehr in die Niederlande und über seine Befreiung.

Wie sehr diese Begegnung die jungen Leute beeindruckte, brachten sie in einem Dankesschreiben zum Ausdruck, gerichtet an Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Wittener Stadtarchivs.

„Mir war es eine große Ehre, Herrn Proper persönlich kennen lernen zu dürfen. Seine Freundlichkeit gegenüber uns Deutschen sowie seine Fröhlichkeit und sein Humor haben mich sehr beeindruckt“, schreibt Marie Rinschen (18). „Ich empfinde großen Respekt vor Herrn Proper, dass er nach so vielen Jahren zurück nach Witten gekommen ist, um sich diesem schlimmen Kapitel seiner Vergangenheit zu stellen. Die Berichte von Zeitzeugen der NS-Verbrechen sind für mich von sehr großer Bedeutung. Mich schockieren die Erzählungen der Opfer dieser Verbrechen immer wieder, ich empfinde dabei eine unglaubliche Traurigkeit und Fassungslosigkeit darüber, dass so etwas geschehen konnte. Zeitzeugenberichte und die Emotionen, die dadurch ausgelöst werden, tragen maßgeblich dazu bei, dass die Verbrechen der NS-Zeit nicht in Vergessenheit geraten, und sichern, dass solche Verbrechen in Deutschland nicht wieder begangen werden“, meint Rinschen.

„Für mich ist ein Treffen mit einem Zeitzeugen des Nationalsozialismus bzw. des Holocaust wertvoller, als wenn ich auf Öl oder Gold stoßen würde. Denn es ist mir persönlich wichtig, etwas über die Vergangenheit zu wissen. Außerdem ist es eine wertvolle Abwechslung zu den Quellen, die ein totes Buch mir vorlegt“, schreibt Georgij Loptev (19).

„Normalerweise hört man viel über die Judenverfolgung, aber die NS-Zeit aus einer anderen Perspektive, nämlich der eines Zwangsarbeiters, dargestellt zu bekommen, war sehr bereichernd. Die Anwesenden haben sehr offen geredet und es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Es war sehr schön, dass wir Fragen stellen durften und sich ein Gespräch ergeben hat. Ich habe viele interessante Dinge gelernt“, schreibt Sara Ronge (18).