Tipps vom Taekwondo-Trainer - wie man sich gegen Grapscher wehrt

Erkan Bolat aus Witten lernt und lehrt seit 30 Jahren Taekwondo.
Erkan Bolat aus Witten lernt und lehrt seit 30 Jahren Taekwondo.
Foto: Bolat
Was wir bereits wissen
Nach den Übergriffen in Köln wächst das Interesse an Selbstverteidigungskursen. Taekwondo-Trainer Erkan Bolat aus Witten gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Witten.. Die Vorfälle in der Kölner Silvesternacht oder in den letzten Tagen in Dortmund haben viele Frauen verunsichert: Wie sicher ist es, abends wegzugehen? Erkan Bolat ist sportlicher Leiter der Taekwondo-Abteilung bei der Sport-Union Witten-Annen. Der 37-Jährige gibt Selbstverteidigungskurse für Frauen – für die es ein wachsendes Interesse gibt. Uns verrät er einige Tipps, wie man sich wehren kann.

Wenn ich abends weggehe, habe ich manchmal Pfefferspray in der Handtasche. Was halten Sie davon?

Erkan Bolat: Nicht viel. Bei Pfefferspray oder Tränengas hätte ich Angst, dass der Angreifer es gegen mich verwendet. Hängen Sie sich besser eine Trillerpfeife um den Hals. Die ist richtig laut. Das erschreckt, es kommt zum Überraschungseffekt. Andere Leute gucken, vielleicht können Sie dann ja abhauen. Oder schlagen Sie direkt mit der Handtasche zu.

Soll man überhaupt so heftig reagieren?

Mir ist in den Kursen wichtig, dass die Teilnehmerinnen lernen, ruhig zu bleiben und nicht in totalen Aktionismus verfallen. Eine Verteidigung muss angemessen sein. Wenn mich einer böse anguckt, vermeiden Sie Blickkontakt, treten Sie bestimmend auf, sagen Sie: „Kommen Sie mir nicht zu nahe!“ Aber das ist kein Grund, zuzuschlagen.

Und wenn ich angegrapscht werde?

Wehren Sie sich! Aber behalten Sie im Hinterkopf: Es geht darum, sich aus der Situation herauszuziehen.

Hat man als zierliche Frau überhaupt eine Chance?

Ich finde, man sollte besser etwas tun als gar nix. David hat auch gegen Goliath gewonnen. Jeder Mensch hat Schwachstellen.

Was sind die denn bei einem großen, kräftigen Mann?

Naja. Weichteile bleiben Weichteile, egal wie stark der ist. Treten Sie mal mit Stöckelschuhen in die Kniekehle oder gegen die Kniescheibe – das tut höllisch weh. Oder die Augen! Nutzen Sie ihre Fingernägel. Platzieren Sie einen Faustschlag zwischen die Augenbrauen. Ich empfehle, auch Hilfsmittel zu nutzen: Ein Schlüsselbund, selbst ein Lippenstift kann weh tun. Wenn Sie sich die Hand mit einem Schal umwickeln, könnten Sie sich gegen einen Messerangriff wehren. Das gilt für Extremsituationen. Und es gilt: Je öfter man solche Handlungen übt, umso sicher wird man und umso sicherer tritt man auch auf.

Wurden Sie schon mal auf offener Straße angegriffen?

Nein, glücklicherweise noch nie. Ich gehe bestimmten Situationen aber auch vorher aus dem Weg.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Rekers hatte jungen Frauen als Verhaltenstipp empfohlen „mindestens eine Armlänge Abstand“ zum Angreifer zu halten. Was halten Sie davon?

Wie soll das in einer Menschenmenge denn gehen? Das können Sie auch auf Männer übertragen: Ich bin zum Beispiel glühender VfL-Bochum-Fan. Wenn ich als dunkelhaariger Deutsch-Türke in der Nordkurve bin, weiß ich auch nicht, wer da so um mich herumsteht. Und wie soll man da Abstand halten? Da hilft es nur, gewisse Orte zu vermeiden und möglichst nicht allein unterwegs zu sein.