Tim behielt kühlen Kopf und half Verletztem

Tim Laroussi (16) aus Witten war als erster am Unfallort, als der Zug am Bahnübergang Pferdebachstraße mit dem Wagen zusammenstieß.
Tim Laroussi (16) aus Witten war als erster am Unfallort, als der Zug am Bahnübergang Pferdebachstraße mit dem Wagen zusammenstieß.
Foto: FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Ein lauter Knall und dann war alles vorbei. Tim quatschte mit Kumpel Nico am Bahnübergang. Er hatte Glück, dass er nicht vom Zug erfasst wurde.

Witten..  „Es war dunkel und plötzlich hat es geknallt. Ich dachte ein Zug wäre entgleist. Aber der ist mit Karacho weitergefahren“, so erinnert sich Tim Laroussi (16) an den Unfall am Bahnübergang Pferdebachstraße Anfang Dezember. Tim war Erstzeuge des Geschehens und kam als erster auch dem verletzten Fahrer zu Hilfe.

„Ich habe nur gesehen, wie ein Mann aus einem Auto krabbelte, dass sich im Drehkreuz verkeilt hatte. Er blutete und schrie um Hilfe. Offensichtlich stand er unter Schock. Ich habe einen kühlen Kopf bewahrt und da bin ich wie selbstverständlich hingelaufen.“ Geistesgegenwärtig holte Tim aus dem kleinen Kiosk leere Bierkästen, damit sich der verletzte Autofahrer hinsetzen konnte. Und Handtücher. Dann blieb er bei ihm, bis der Rettungswagen eintraf. Das war schätzungsweise 20 Minuten später. Tim kam es vor wie eine Ewigkeit.

„Dann bin ich nach Hause gegangen.“

„Die Sanis haben mich irgendwie ignoriert und mich einfach stehen gelassen“, erzählt Tim weiter. „Dann bin ich nach Hause gegangen.“ Tim wohnt nur ein paar Schritte vom Bahnübergang entfernt. Er ist mit der Schranke aufgewachsen. Wie auch seine Mutter Annette. An einen solchen Unfall können sich beide nicht erinnern.

Tim Laroussi ist Schüler der Holzkamp-Gesamtschule. Dort besucht er die 10. Klasse. Seine großen Hobbys sind Kampf- und Wassersport. Und seine zahlreichen Haustiere. Der 3. Dezember war genau ein Tag nach Tims 16. Geburtstag. Mit seinem Kumpel Nico war er auf dem Heimweg. Auf dem kleinen Fußweg aus Richtung Schwesternpark. An der Schranke sollten sich ihre Wege trennen. Doch die beiden quatschten sich fest. Das war vielleicht das große Glück für Kumpel Nico. „Wäre er ein paar Sekunden eher über die Gleise gelaufen, ich will es mir nicht ausmalen“, sagt Tim leise. Zu diesem Zeitpunkt sei die Schranke definitiv offen gewesen. Auch an ein Flatterband kann sich Timo nicht erinnern. Und dann ging alles – wie gesagt – sehr schnell. Das kaputte Auto im Drehkreuz, die S-Bahn auf offener Strecke, der verletzte Autofahrer und schließlich überall Blaulicht.

„Aber das ist halt deren Job“

„Als Tim nach Hause kam, sagte er nur, am Bahnübergang habe es geknallt und dass er geholfen habe“, erzählt Mutter Annette Laroussi. „Dann ist Tim zurück und hat der Polizei seine Personalien gegeben.“ Genaue Informationen über den verletzten Autofahrer bekam Tim allerdings nicht. „Die Polizei sagte mit nur, ich solle mir keine Sorgen machen“, erinnert er sich. „Schade, denn ich hätte ihn gerne im Krankenhaus besucht.“ Mittlerweile war Tim schon zur Zeugenaussage im Polizeipräsidium. Die endlose Fragerei fand er allerdings ziemlich nervig. „Aber das ist halt deren Job“, weiß er.

Für Tim hat sich das Thema „Unfall am Bahnübergang“ mittlerweile erledigt. „Es ist nichts Schlimmes passiert, ich habe kein Trauma. Aber eines verstehe ich wirklich nicht. Warum ist es heute so schwierig, eine simple Bahnschranke zu installieren?“