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Stadtgottesdienst

Theologe Schneider spricht in Witten über Vertrauen zu Gott

08.02.2016 | 16:33 Uhr
Theologe Schneider spricht in Witten über Vertrauen zu Gott
Von ansteckender Leidenschaft: Nikolaus Schneider bei seiner Rede beim Stadtgottesdienst „Himmelwärts“ im Saalbau.Fotos: Stefan Arend / WAZ Fotopool

Witten.   Theologe Nikolaus Schneider sprach beim Stadtgottesdienst „Himmelwärts“ über persönliche Schicksalsschläge. Und sein ungebrochenes Vertrauen zu Gott.

Wer hält uns in schweren Zeiten? Für Nikolaus Schneider, den ehemaligen Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ist dies eine der zentralen Fragen des Lebens.

Beim „Himmelwärts“-Gottesdienst der Creativen Kirche hielt er am Sonntagabend eine energische Rede über Vertrauen. Wie seines mehrfach erschüttert wurde, berichtete der Theologe den mehreren hundert Besuchern im Saalbau – und wie er trotz allem seine Hoffnung nicht verlor.

Die Band „Living Gospel“ hat ihr erstes Set noch nicht beendet, da schnellt Nikolaus Schneider, zwischen 2010 und 2014 wichtigster Repräsentant von 23,4 Millionen Protestanten, schon auf die Bühne. „Ach ihr seid noch gar nicht fertig gewesen?“ Ein Lied später beginnt er schließlich seine Rede. Er berichtet, wie er im Juni 2014 erfährt, dass seine Frau Anne, die heute auch im Publikum sitzt, an Brustkrebs erkrankt ist: „Ihre Prognose sah gar nicht gut aus“. Sein Amt als Ratsvorsitzender der EKD legte er kurz darauf nieder.

„Ich wusste, wo mein Platz war – nämlich bei meiner Familie.“

Später am Abend möchte der musikalische Leiter des Abends, Hans-Werner Scharnowski wissen, ob ihm der Rücktritt schwergefallen sei. Ohne Umschweife antwortet Schneider: „Überhaupt nicht“. Ob der vielen Lacher als Reaktion auf seine resoluten Worte fügt er erklärend hinzu: „Ich wusste einfach, wo mein Platz war – nämlich bei meiner Familie.“ Das vormals große öffentliche Interesse an seiner Person vermisse er aber schon, gesteht der Geistliche schmunzelnd ein.

Schneider steht zu seinen Worten, die er, als Duisburger und Sohn eines Stahlarbeiters, oft herauspoltert und stets mit ausladenden Gesten untermalt. Nur wenn er am Sonntag über den Tod seiner jüngsten Tochter Meike spricht, klingt er ganz leise und ruhig. „Wenn Sie am Grab Ihres eigenen Kindes stehen, dann denken Sie, hier läuft etwas wirklich ganz verkehrt“, sagt er nach all den Jahren immer noch mit einer Spur Erschrockenheit in der Stimme. Meike starb vor elf Jahren nach langem Kampf an Leukämie.

Nikolaus Schneider hat noch ein paar Fragen an Gott

„Als ich ihren Kopf in meinen Händen hielt, während sie starb, da wusste ich weder ein noch aus“, fährt er mit gebrochener Stimme fort. Nur eines habe ihm Trost gespendet – Vertrauen. „Das Vertrauen, in diesem schrecklichsten aller Momente dennoch gehalten zu werden, von meiner Familie – und von Gott“. Dies sei für ihn ein „geradezu spiritueller Augenblick“ gewesen.

Nikolaus Schneider wäre eben kein Mann der Kirche, wenn er Gott nicht auch in jenen finsteren Stunden entdeckte. „Aber ein paar Fragen hab’ ich doch an ihn, wenn ich ihm – so lange hin wird es ja wohl nicht mehr hin sein – dann gegenübertrete“, verkündet der 68-Jährige unter dem Schmunzeln der Zuhörer entschlossen.

Für seine leidenschaftlichen Worte erntete der Inhaber des Bundesverdienstkreuzes am Sonntagabend anerkennenden Applaus der Wittener Zuhörer.

Cindy Riechau

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2016-02-08 16:33
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