Das aktuelle Wetter Witten 12°C
Theater

Theaterprojekt in Witten fragt: Was heißt „behindert sein“?

22.02.2016 | 14:14 Uhr
Theaterprojekt in Witten fragt: Was heißt „behindert sein“?
Tobi (r.) spielt in einer Anfangsszene des Stücks Mundharmonika.Foto: Barbara Zabka

Witten.   Menschen mit und ohne Behinderung proben für das Theaterstück „Es war einmal der Mensch“. Darin wird gefragt: Was heißt denn schon normal?

Hans ist zu dumm und Sabine ist zu clever. Außerdem ist Lisa zu groß und Anna zu klein. Keiner hier, der einfach normal ist? Doch ist überhaupt irgendjemand normal?

Das fragen sich die Schauspieler in dem Theaterstück „Es war einmal der Mensch“ der Lebenshilfe Bochum. Seit einem Jahr probt das Ensemble bereits für das Stück, das aus einer Reihe berührender, aber auch humorvoller Szenen besteht.

Gemeinsam mit den elf Protagonisten haben sich die Regisseure Axel Thiemann und Meike Krüger intensiv mit dem Thema Inklusion beschäftigt. Denn die Hälfte der Menschen, die am kommenden Wochenende in der Werkstadt auf der Bühne steht, hat irgendeine körperliche oder geistige Beeinträchtigung. Doch wer, das spielt keine Rolle. In dem Stück spielen „normale“ Menschen, Menschen mit Behinderung und „Behinderte“ stehen als „Normale“ auf der Bühne.

Ob normal oder nicht – denn wer entscheidet schon wer normal ist –alle gehen Hand in Hand durch das Stück. Sie helfen sich gegenseitig wenn Unterstützung gebraucht wird, rügen sich aber auch wechselseitig, wenn es mit dem Text mal nicht so klappt. Wenn Astrid in die Musik hinein ihren Text spricht, schlägt Tobi nur die Hände über dem Kopf zusammen. Doch als die Szene endlich klappt, müssen beide lachen. Normaler Probenwahnsinn eben.

Theresa findet: „Mensch sein bedeutet, Verstand zu haben“

„Wir wollen mit unserem Stück vor allem das Publikum wachrütteln“, so Axel Thiemann. Denn die Szenenkollage stellt ganz offen die Frage danach, was „behindert sein“ überhaupt ist. Und genau das fragt die Stimme aus dem Off die Protagonisten bereits in einer der ersten Szenen. Frank schlägt vor: Wenn ich im Rollstuhl sitze. Und was ist dann normal? Für Astrid heißt es normal zu sein, wenn man alles machen kann, was man möchte. Doch Beate entgegnet: Wer bestimmt denn, was normal ist?

Und überhaupt findet Theresa, dass es doch nur darauf ankommt Mensch zu sein „Und Mensch sein bedeutet, Verstand zu haben.“ Die Dialoge der Szenenkollage haben stets ein Hauch von Improvisationstheater. Denn nur die Handlung ist den Schauspielern konkret vorgegeben. Aber auch die entwickelte sich nach und nach: „Je nachdem, wie die Menschen sind und was sie an Fähigkeiten mitbringen, so entwickelt sich auch das Projekt“, erläutert der Regisseur. Gemeinsam erarbeitete das Team so das Stück, welches sie nun proben und bald präsentieren wollen.

Nur einer übt verbissen an einem dann doch ganz konkreten Text: Ralf ist der Moderater und muss gleich zu Anfang die Worte vor dem Publikum rausbringen, die so wichtig für die Einleitung des Stücks sind. Am Ende schmeißt er das Gelernte aber einfach über Bord und spricht ganz frei heraus. Improvisation eben.

Aufführung am 26. und 27. Februar in der Werkstadt

Als Kooperationspartner der Lebenshilfe bündelt der VfL Bochum unter der Dachmarke „Hier, wo das Herz noch zählt“ soziale Projekte, die der Verein unterstützt.Begleitet wird das Stück von gefühlvoller Gitarrenmusik von Nic Koray.Die Aufführungen finden am 26.02. um 20 Uhr und am 27.02. um 19 Uhr in der Wittener Werkstadt statt (Vorverkauf 8 Euro).

Malin Schneider-Pluppins

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Rotary-Oldtimer-Ralley
Bildgalerie
Witten
Attila & Co erobern Witten
Bildgalerie
Fotostrecke
Wittener Täuflinge
Bildgalerie
Kirche
Schwerer Unfall auf  A 44
Bildgalerie
Fotostrecke
article
11587625
Theaterprojekt in Witten fragt: Was heißt „behindert sein“?
Theaterprojekt in Witten fragt: Was heißt „behindert sein“?
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/witten/theaterprojekt-in-witten-fragt-was-heisst-behindert-sein-id11587625.html
2016-02-22 14:14
Witten