Tatort Innenstadt
03.02.2012 | 18:44 Uhr 2012-02-03T18:44:00+0100
Witten.Es geschah mitten in der Woche. Tatort war der alte Busbahnhof am Kornmarkt. Dort wurde in den frühen Abendstunden ein 13-jähriger Schüler zusammengetreten – von einem 16-Jährigen.
Kornmarkt, der Platz vor der ev. Johanniskirche, Rathausplatz, Bahnhofstraße – das seien die bekannten Treffpunkte der Jugendlichen in der Innenstadt, sagt Frank Nows (48), Leiter der Polizeiinspektion Witten. Auch der 13-Jährige, nennen wir ihn Ben (Name d. Red. bekannt), stand dort mit einem Kumpel.
Die beiden unterhielten sich. Irgendwann sei der 16-Jährige dazugekommen, aber nicht in die Unterhaltung einbezogen worden. Vielleicht gingen ein paar Sprüche hin und her. Plötzlich rammte der Ältere Ben ohne Vorwarnung das Knie in den Unterleib. Ben brach zusammen, konnte sich nicht bewegen, saß gekrümmt auf dem Boden. Der andere – nicht etwa entsetzt über seine Tat – machte noch eine großspurige Bemerkung. Dann brachte der Freund den Verletzten nach Hause.
Bens Mutter reagierte so, wie wohl jede Mutter in dieser Situation reagieren würde: „Ich sah rot. Mich hat diese Brutalität schockiert“, sagt sie. Deshalb ging sie mit ihrem Sohn noch am selben Abend zur Polizei und erstattete Anzeige. „Das war völlig richtig“, sagt Inspektionsleiter Frank Nows. Noch besser wäre es gewesen, gleich die 110 zu wählen. Nows: „Wir müssen sofort Bescheid wissen, um umgehend reagieren zu können.“
Nach dem Aufenthalt auf der Wache – „man war dort sehr freundlich zu uns“, sagt Bens Mutter – fuhr sie mit ihrem Sohn weiter ins Krankenhaus. „Er hatte starke Schmerzen.“ Der Tritt habe die Symptome früherer Beschwerden neu ausgelöst, erfuhr sie dort. Eine Woche lag Ben in der Klinik. Viel Zeit zum Nachdenken hatte er da. Die Angst vom Anfang ist gewichen.
„Er ist ein starker Charakter“, sagt seine Mutter. Sie selbst habe die letzte Woche mit viel Wut und Verzweiflung erlebt. „Frech sind die ja alle mal. Aber es geht doch nicht, dass ein Jugendlicher so gedankenlos mit bloßer Gewalt agiert“, sagt sie, „da müsste man doch richtig was gegen tun.“ Für sie sei die Anzeige – erstmals hat sie überhaupt eine erstattet – solch eine Möglichkeit, selbst zu reagieren. „Ich wünsche mir, dass der Täter bestraft wird und dass ihm das dann eine Lehre ist.“
Auch anderen möchte die Familie Mut machen. „Für Eltern ist die Situation schlimm. Wir nehmen die Betroffenen sehr ernst“, bestätigt Frank Nows. Allerdings rät er unabhängig von der Anzeige immer zu einem Konsens aller Beteiligten. Auch Lehrer sollten gegebenenfalls einbezogen werden. Auf keinen Fall aber dürfe der Täter das Gefühl bekommen, einen Freibrief für weitere Gewalt zu haben. Der 16-Jährige, der Ben getreten hat, hielt es bisher nicht einmal für nötig, sich zu entschuldigen.
08:16
den 16 jähriger wird man irgendwann auch erwischen
07:30
da kann der 16 jährige ja froh sein das es nicht mein sohn war