Sündenlos war nur der weiße Anzug
07.09.2007 | 04:31 Uhr 2007-09-07T04:31:05+0200Ingo Appelt blieb seinem Ruf treu und zog Politiker und Promis gnadenlos durch den Kakao.Auch sein Lieblingsthema Sex nahm viel Platz in seinem Programm "Retter der Nation" ein
In unschuldiges Weiß gekleidet stand er auf der Bühne in der ausverkauften Werkstadt. Doch der helle Anzug war alles, was an Ingo Appelt sündenlos war. Das war wohl auch das letzte, was die über 300 Zuschauer von ihm erwarteten. Sie wollten seinen gnadenlos direkten Humor mit Fäkalsprache, Sexismus und Witze über Randgruppen. Und das bekamen sie, über drei Stunden lang. Der "Retter der Nation" verdiente sich damit frenetischen Applaus.
"Katholiken reimt sich auf "f. . .", aber die wollen damit nichts zu tun haben", beschwerte sich Appelt. Weil er so häufig das Wort mit "f" benutzt, wurde er berühmt, doch auch ein Ingo Appelt findet so ein Pubertätsgeblubber wohl irgendwann zu unreif, schließlich sprach er es an diesem Abend nur zehn Mal aus. Das heißt aber nicht, dass er sich vom Thema Sex abgewandt hätte. Nein, es ist immer noch Hauptbestandteil seines Programms. Und das ist auch gut so, sonst wäre dem Publikum die wahnsinnig putzige Bauchredner-Nummer mit seiner Handpuppe "Pimmelchen" vorenthalten geblieben.
Doch Ingo Appelt zeigte sich auch von einer anderen Seite: seiner politisch-unkorrekten. "Was war das denn für ein schwuler Abgang vom Schumi? So ein Lauda, der hat damals noch gebrannt für seinen Job". Ohne solch krasse Formulierungen kommt Appelt eben nicht aus. "Wenn die Merkel mal einen Rock anziehen würde, wäre das im Duett mit Schäuble Rock'n'Roll". Er hatte die Ossis auf dem Kieker, die Rechtsradikalen, den Gammelfleischskandal, die Papstwahl und den Abgang des "Alphatiers" Schröder. Nett waren auch die Kosenamen, die er für Politiker parat hatte: Angela als "machtpolitische Trüffelsau der CDU", von der Leyen als "Kampfbrotmaschine und Schnellbrüter, die gern Kernbrennstäbe frühstückt" und das Duo Gysi-Lafontaine als "Retter der Enterbten, denen nur noch die Strumpfhosen fehlen".
Glücklicherweise machte Appelt aber auch keinen Bogen um seine grandiosen Parodien. Er sächselte zum Schießen komisch, machte die Kanzlerin, Rau, Blüm, Nena und Carell nach und natürlich seine Spezies Grönemeyer, Westernhagen und Lindenberg. Nach der Gesangseinlage folgte ein Strip, der rote Shorts zum Vorschein brachte und etwas, das niemand geglaubt hätte: Auch ein Ingo Appelt hat Problemzonen. Zum Schluss blieb die Erkenntnis: "Man kann über alles lachen, halt nur nicht mit Jedem".
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