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ZBZ und FEZ

Streit um Strategie: Geschäftsführer geht

14.06.2012 | 18:54 Uhr
Streit um Strategie: Geschäftsführer geht
Will als künftiger Projektmanager der Gesundheitswirtschaftsinitiative „Medecon Ruhr“ weiterhin eng mit Witten zusammenarbeiten: der scheidende ZBZ- und FEZ-Geschäftsführer Leif Grundmann. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten. Der Führungswechsel in den beiden Forschungszentren FEZ und ZBZ ist offenbar nicht ganz geräuschlos über die Bühne gegangen.

Zwischen dem zum 1. Juli zur Gesundheitswirtschaftsinitiative „Medecon Ruhr“ nach Bochum wechselnden Geschäftsführer Leif Grundmann (42) und der Stadt Witten als Hauptgesellschafter gab es unterschiedliche Auffassungen über den künftigen Kurs.

„Ich bin für eine sehr offensive Strategie in der Wirtschafts- und Technologieförderung angetreten, die ich mit viel Herzblut und einem engagierten Team verfolgt habe“, sagt Grundmann. „Diese Strategie sah ich durch die Gesellschafter nicht mehr gestützt.“ Ein Mitarbeiter wechselte zurück ins Rathaus, so dass ihm nur noch zwei volle Stellen für das ZBZ geblieben seien. Grundmann: „Mit verringertem Personal lässt sich das ZBZ aus meiner Sicht nicht so positionieren, wie ich es gern getan hätte.“

Um langfristig genügend Mieteinnahmen, Gewerbesteuern und ein erfolgreiches Image zu haben, dürfe man heute nicht am falschen Ende sparen, meint Grundmann, der das 20 Mio Euro teure Zahnmedizinisch-Biowissenschaftliche Zentrum Ende 2008 mit aus der Taufe gehoben hat. Nach schwierigen Anfängen beginne sich das öffentlich stark geförderte ZBZ jetzt inhaltlich als Kompetenzzentrum für Zahnmedizin und Zahntechnologie zu positionieren. Die Auslastungsquote liege bei 60 Prozent und steige stetig. Er gehe zu einer Zeit, „wo man ernten kann, aber auch weiter ganz kräftig säen und ackern muss.“

Das mit der „Ernte“ sehen manche anders. Immer wieder wird eine zu geringe Auslastung des ZBZ beklagt. Die Vermietungsversuche seien bisher nicht von großem Erfolg gekrönt gewesen, heißt es aus den Kreisen des Hauptgesellschafters, der Stadt. Die wolle jetzt ein anderes Modell fahren, kündigt Bürgermeisterin Sonja Leidemann an, „und gucken,ob jemand stärker in die Aquise einsteigt. Wir benötigen dringend eine höhere Auslastung“.

Angestrebt werde eine engere Verzahnung von ZBZ, FEZ, Wirtschaftsförderung und Universität. „Wir brauchen die Uni als Motor für Aussiedlungen“, sagt Leidemann. Es gelte, den zahnmedizinisch-biowissenschaftlichen Bereich stärker zu betonen, weniger den allgemein gesundheitswirtschaftlichen. Um die Vermietungsquote zu steigern, wolle man auch Makler ins Boot holen und stärker mit Uni-Zahnärzten oder auch „unseren eigenen in Witten“ kooperieren.

Kein Sparmodell sei es, sagt die Bürgermeisterin, wenn man nun die Stelle des hauptamtlichen Geschäftsführers nicht mehr besetze. „Wenn wir ein Sparmodell gewollt hätten, hätten wir das FEZ verkauft.“ Das ginge, weil die Mittelbindung ausgelaufen sei. Ralf Hiltrop - Stabsstelle Stadtentwicklung, Statistik, städtische Wirtschaftsförderungsangelegenheiten - solle nebenamtlicher Geschäftsführer des ZBZ bleiben, was er schon seit zirka einem Jahr sei, Klaus Völkel, Leiter der Wirtschaftsförderung, nebenamtlicher Geschäftsführer für FEZ und ZBZ werden.

Mit Thomas Krenz gebe es seit kurzem einen weiteren nebenamtlichen Geschäftsführer für das FEZ, so Leidemann. Er sei sehr stark in der Immobilienwirtschaft der Uni tätig, die das FEZ weiterhin kaufen oder mieten wolle. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum ist inzwischen zu 95 Prozent ausgelastet. Davon ist das ZBZ noch ziemlich weit entfernt. Leidemann: „Zehn Prozent mehr jedes Jahr wären nicht schlecht.“

Jürgen Augstein


Kommentare
15.06.2012
20:04
Was kostet das ZBZ bis zum Ende der Bindungsfrist
von p.s.a | #6

wenn man es richtlinienkonform betreibt ? Was kostet es die Subventionen zurückzuzahlen ? Welcher Verkaufserlös ist dann zu erwarten ?

Ist vielleicht einfach verrotten lassen am billigsten ?




15.06.2012
13:17
Streit um Strategie: Geschäftsführer geht
von Surrey | #5

Ewig die gleichen Sätze…
von dem Mann, der die zugegeben unangenehme Aufgabe hatte, das Fehlkonzept der Stadt vollmundig nach außen schön zu reden- es gibt weder DIE Gesellschafter: das ZBZ gehört zu 100 % der Stadt, noch wird von deren Seite gespart: ins ZBZ fließen jährlich mindestens 500.000,- Euro städtischer Gelder. Dazu zusätzlich Zinsen, Wartungs- und Bürgschaftskosten.

Fakt bleibt: Von den seinerzeit vorhergesagten mindestens 130 neuen Arbeitsplätzen im ZBZ –siehe WAZ Artikel vom 8.April 2005- ist nur einer in dem insgesamt 20 Millionen Euro teuren Prestigeobjekt entstanden- und der fällt jetzt ja weg…
Die Stadtspitze Wittens hat sich mit dem ZBZ ohne jede Sachkenntnis in dentalwirtschaftlichem Bereich und entgegen zahlreich und intensiv vorgetragener Mahnungen für die Begehrlichkeiten der Universität einspannen lassen, durch einen Klinikneubau, welcher den Förderrichtlinien absolut zuwider läuft und zudem alle Wittener Bürger langjährig finanziell belastet.
Um den fortlaufe

15.06.2012
09:57
Streit um Strategie: Geschäftsführer geht
von Seisler | #4

Angesichts der finanziellen Situation der Stadt Witten, vor dem Hintergrund der geplanten Grundsteuererhöhung ist es traurig, wie unkritisch Herr Augstein sich mit dieser Materie auseinandersetzt. Herrn Augstein ist bekannt, das bereits 2009 in einer Sitzung der Bezirkregierung die Erhöhung der Grundsteuer B zur Finanzierung des (Zitat) "vermutlich dauerhaft defizitären ZBZ" vorgeschlagen wurde. Da das ZBZ mit zweckgebundenen Fördergeldern der EU entstanden ist, dürfen dort nur "förderkonforme", d.h. nichtkommerzielle, forschende Unternehmen angesiedelt werden. Dieser Tatsache ist die (dauerhaft) schlechte Auslastung geschuldet. Dass bereits derzeit rein kommerzielle Unternehmen (Dentallabore = Handwerksbetriebe, Henry-Schein-Dental = größtes deutsches Dentalhandelsunternehmen) dort angesiedelt sind, interessiert den lokalen Chefredakteur auch nicht. Dieses erfüllt möglicherweise den Tatbestand des Subventionbetruges. Kritischer Journalismus sieht anders aus...

15.06.2012
07:36
Streit um Strategie: Geschäftsführer geht
von ro-fisch | #3

Ob nebenamtliche Geschäftsführer der richtige Schritt ist, lässt sich zumindest bezweifeln. Klar dagegen ist, dass offensichtlich diese Personen in ihrer hauptberuflichen Tätig wenig ausgelastet sind. Dem Außenstehenden erschließt sich eher der Eindruck, dass die Zielsetzungen der Bürgermeisterin (welche das auch immer sein mögen) nicht mit dennen von Herrn Grundmann kompaktibel waren. Nun hat man aber wieder eine entsprechende "Seilschaft" zusammen und alles wird gut.

14.06.2012
23:19
Streit um Strategie: Geschäftsführer geht
von KalleBlomquist | #2

Thats Leif!

14.06.2012
19:32
Die Frage die fehlte
von p.s.a | #1

Hat Witten eine Chance wenn der Gesundheitscampus Bochum erstmal Fahrt aufgenommen hat ?

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