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Jubiläum

Stockumer Harkortschule feiert 150. Geburtstag

11.03.2016 | 19:17 Uhr
Stockumer Harkortschule feiert 150. Geburtstag
Probe vor dem großen Auftritt: Die Harkortschüler führen zum Jubiläum Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ in der Stockumer Turnhalle auf.Foto: Olaf Ziegler

Witten.   Zum Jubiläum treten alle Grundschüler in der Zauberflöte auf und schwelgen in Erinnerungen – aber nicht nur.

An diesem Freitagvormittag findet in der Stockumer Turnhalle mal kein Sportunterricht statt. Klassische Musik erklingt, in der Mitte steht ein Bühnenbild, dahinter warten Kinder auf das Zeichen des Regisseurs für ihren Auftritt. Es ist die Generalprobe für den großen Auftritt später am Tag, wenn die Harkortschüler mit echten Profis vor Eltern und Lehrern Mozarts Zauberflöte geben. Der Anlass ist ein ganz besonderer: Die Grundschule besteht seit 150 Jahren.

Seit zwei Projektwochen bereiten sich alle auf das Fest vor. Höhepunkt ist ohne Zweifel der Workshop mit der Jungen Oper Detmold, bei dem sämtliche 189 Kinder eine Rolle bekommen – entweder als Schauspieler oder im großen Chor. „Es sollte ein Gemeinschaftserlebnis werden“, sagt Rektorin Ulrike Gilsebach (60). „Und weil wir sonst so viel Sport machen, wollten wir diesmal einen musikalischen und künstlerischen Schwerpunkt setzen.“ Der viel Disziplin erfordert. „Die Kinder müssen ja heutzutage kaum noch Gedichte auswendig lernen.“

Maßstabsgetreues Modell

In der Pausenhalle gibt es auch was zu sehen. In der Ecke steht ein Modell der Harkortschule, das die 4 a nahezu maßstabsgetreu erbaut hat. Was haben sie ausgemessen und aufgezeichnet! Auch die Eltern haben mitgeholfen, damit sie von der Wandbemalung bis zum kleinsten Fenster bloß kein Detail vergessen. Daneben stehen ein altes Pult, eine Schulbank von anno dazumal, ein Rechenschieber. „Die Sachen haben wir uns von der Gerichtsschule ausgeliehen“, sagt Ulrike Gilsebach.

Die Drittklässler waren im Dortmunder Schulmuseum, haben gewebt, gestrickt, gehäkelt und mit Tinte die Sütterlinschrift geübt – „um sich mal in alte Zeiten hineinversetzen zu können“. Die Kleinen durften spielen – auch wie früher. Weil aber die Schule nicht nur in Erinnerungen schwelgt, gibt es an diesem Samstag auch eine Rallye rund ums Schulgebäude, die per App funktioniert.

Vom PC zur digitalen Tafel

Da habe sich in den 20 Jahren, die sie an der Schule unterrichte, ja eine Menge getan: „Früher haben wir diskutiert, ob ein PC ins Klassenzimmer darf, demnächst möchte ich gern Whiteboards, eine Art digitale Tafel, anschaffen.“ Lerninhalte, Lehrmethoden – wie alles im Leben befinde sich auch die Schule stets in einem Prozess und müsse sich wandeln. Was sich aber, wenn’s nach Ulrike Gilsebach geht, niemals verändern muss, das ist das Klima in der Harkortschule: „Wir sind wie eine große Familie“, lobt sie ihr neunköpfiges Lehrerteam, Stellvertreterin Elke Hasenohr und die engagierten Eltern. „Hier kann man Visionen entwickeln, offen diskutieren und Dinge ausprobieren.“ Zum Beispiel 2004 den Offenen Ganztag und bald den jahrgangsübergreifenden Unterricht.

Nachfahrin Harkorts lebt in Wetter

Nicht zuletzt spiele die Schule eine große Rolle im Dorfleben. „Wir sind mit vielen Vereinen und Einrichtungen vernetzt und mit dem TuS Stockum geradezu eine Ehe eingegangen.“

Eine Nachfahrin Friedrich Harkorts, des Industriellen, der der Schule den Namen gab, lebt übrigens noch in Wetter. Ob Elisabeth Harkort tatsächlich zum Jubiläum kommt, das sei, sagt die Rektorin, allerdings unklar.

Zur Geschichte der Harkortschule

Bereits 1751 bekam das Dorf Stockum eine eigene Schule. Das Häuschen mit Lehmwänden und einem Strohdach stand in der Dorfstraße, der heutigen Gerdesstraße.

1851 wurden dort etwa 100 Kinder betreut. Am Sonntagnachmittag von 14 bis 16 Uhr unterrichtete Lehrer Cordes die lernschwachen Schüler sogar unentgeltlich. 1852 hatte man auf das Schulhaus ein Türmchen mit zwei Glocken gesetzt. 1866 begannen die Bauarbeiten für eine neue evangelische Schule an der Hörder Straße. Die Schülerzahlen stiegen ständig – 1884 gab es bereits 397 Schüler – und so wurde immer wieder angebaut. 1889 teilte man Stockum in zwei Schulbezirke. An jeder Schule – der evangelischen und der „alten Schule“ – unterrichteten drei Lehrer. Inzwischen war die Schülerzahl auf 603 angestiegen und so wurde 1903 die neue Schule um vier Klassenräume erweitert. Alle Schüler besuchten nun diese Schule, die alte wurde geschlossen. 1929 erhielt die evangelische Schule den Namen Harkortschule.

1948, drei Jahre nach Kriegsende, wurden 569 Kinder in elf Klassen von zehn Lehrern betreut, man unternahm wieder Klassenfahrten und Sportfeste. In den 50er Jahren verringerte sich die Schülerzahl dann stark.

1962 wurden die Süd- und die Giebelwand des Schulgebäudes neu aufgemauert, 1963/64 erhielt die Schule eine Kanalisation. Infolge der Schulreform 1968 wurde die Harkortschule schließlich in eine Grundschule umgewandelt.

Von 1970 bis 1972 stand die Renovierung des alten Gebäudes an. Es erhielt einen neuen Ost-Trakt mit acht Klassenzimmern und einer Pausenhalle. Im Dezember 1981 folgte die Einweihung der Dreifach-Turnhalle.

Annette Kreikenbohm

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Stockumer Harkortschule feiert 150. Geburtstag
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2016-03-11 19:17
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