Sterbende Wittenerin erhält doch volle ärztliche Hilfe

Mediziner Dr. Matthias Thöns mit Patientin Suekran Pektas.
Mediziner Dr. Matthias Thöns mit Patientin Suekran Pektas.
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Was wir bereits wissen
Krankenkasse schickt Dr. Matthias Thöns erst die Ablehnung seines Antrags auf palliative Vollversorgung und entscheidet dann anders.

Witten..  Suekran Pektas darf zu Hause sterben. Und sie erhält dort eine palliative Vollversorgung – obwohl der Medizinische Dienst in seinem Gutachten anders entschieden hatte. Denn nach unserem Bericht über die schwer krebskranke Frau aus Annen, der am Montag erschien, haben die zuständige Krankenkasse und ihr Arzt, Dr. Matthias Thöns, gestern in einem persönlichen Gespräch erfolgreich nach einer Lösung zum Wohle der Patientin gesucht.

„Aufgrund des Einzelfalls und in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt werden wir die palliative Vollversorgung weiterhin durchgehend übernehmen“, erklärt AOK-Sprecher Jens Kuschel. Denn seit Erstellung des Gutachtens, das nur eine Momentaufnahme sein könne, habe sich der Zustand der Todkranken verschlechtert. Dass die Krankenkasse den Dialog mit dem Arzt ausgerechnet am selben Tag suchte, an dem dieser die offizielle Ablehnung des Antrags gerade erst auf den Tisch bekommen hatte, sei ein normaler Vorgang, heißt es seitens der AOK: „Wir müssen das formal mitteilen, aber gerade in so einem Fall flexibel bleiben.“

Dr. Thöns hatte den Antrag auf Verlängerung der Vollversorgung am 9. Januar gestellt. Er betreut Suekran Pektas seit November in seiner Funktion als Palliativmediziner ganzheitlich. Das heißt: Jeden Tag schaut eine Schwester nach der Kranken, um Veränderungen frühzeitig erkennen und schnell reagieren zu können. Thöns selbst war in den letzten sieben Tagen dreimal vor Ort, um medizinische Dinge abzuklären und beruhigende Gespräche zu führen. Was diese Frau durchmache, das reiche an die obere Grenze, die ein Mensch an Leidensdruck aushalten könne. Suekran Pektas hat Eierstockkrebs und furchtbare Schmerzen. Ihr Bauch ist voller Metastasen, sie erbricht Kot.

Am 19. Januar ging der Antrag bei der AOK ein. Am 12. Februar begutachtete Dr. Stephan Knoblich vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe die Patientin. Nach Aussage des Ehemanns sei Dr. Thöns das letzte Mal vor 20 Tagen dort gewesen, so dass aus Gutachtersicht die Notwendigkeit einer Vollversorgung zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden habe, erklärt Knoblich. Allerdings habe er in seinem Gutachten vermerkt, dass sich der Zustand jederzeit ändern könne.

Dr. Knoblich betont, dass der Palliativmediziner trotz Ablehnung des Antrags die Patientin regelmäßig hätte aufsuchen und dies auch abrechnen können. „Es gibt da keine Begrenzung.“ 60 Euro pro Tag bekomme er zusätzlich, wenn dem Antrag stattgegeben werde. „Ohne diese Summe kriege ich aber mein Team nicht finanziert“, erklärt Dr. Thöns. Er sei froh, für Suekran Pektas nun weiterhin zu Hause alles Nötige tun zu können.