Sterbende Wittenerin bangt um ihre ärztliche Betreuung

Der Mediziner Dr. Matthias Thöns untersucht die todkranke Patientin Suekran Pektas.
Der Mediziner Dr. Matthias Thöns untersucht die todkranke Patientin Suekran Pektas.
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Medizinischer Dienst sieht Voraussetzung für palliative Vollversorgung derzeit nicht gegeben. „Ein Skandal“ sagt ihr Arzt Dr. Matthias Thöns.

Witten.. Suekran Pektas liegt im Sterben. Daran gibt es leider keinen Zweifel mehr. Die 72-Jährige leidet an einem der bösartigsten Krebsarten überhaupt: Sie hat Eierstockkrebs, der geschwollene Bauch ist voller Metastasen. „Sie hat furchtbare Schmerzen, erbricht Kot – schlimmer geht es nicht“, sagt ihr Arzt Dr. Matthias Thöns Doch der Medizinische Dienst hat den Antrag auf eine palliative Vollversorgung abgelehnt: Eine medizinische Notwendigkeit dafür könne „zum derzeitigen Zeitpunkt nicht erkannt werden“.

„Aber wann, wenn nicht jetzt?“ Thöns ist empört über das Gutachten. Kein Patient in Witten bekomme derzeit so viel Morphium wie die Annenerin – „und der Gutachter Dr. Stephan Knoblich weiß das auch“. Suekran Pektas habe alle überrascht, dass sie überhaupt so lange überlebt hat. „Doch wenn ein Patient nicht schnell genug stirbt, dann gibt es eben Ärger mit dem Medizinischen Dienst“, sagt er voll bitteren Spotts. „Ein Skandal!“ Dabei gehe es um „lächerliche 60 Euro pro Tag – ein Klacks im Vergleich zu dem, was an Kosten auf die Kasse zukommen würde, wenn die Patientin ins Krankenhaus ginge“. Aber da will Suekran Pektas nun auch nicht noch einmal hin.

Situation habe sich stabilisiert

Gutachter Dr. Knoblich weist die Kritik entschieden zurück. Es sei ja völlig unstreitig, dass die Patientin schwer erkrankt und ihre Lebenserwartung deutlich begrenzt sei. Es bestehe zudem auch keine Uneinigkeit darüber, dass sie spezielle palliative Versorgung brauche – wohl aber über das Ausmaß dieser Versorgung. Bei seinem Besuch in Annen habe er den Eindruck gewonnen, dass sich die Situation – insbesondere hinsichtlich der Schmerzzustände – stabilisiert habe. Auch außergewöhnliche Symptomkrisen, die häufige Besuche eines Arztes nötig machten, lägen nicht vor. „Dr. Thöns hat nicht darlegen können, inwiefern ein Mehr an Versorgung nötig ist – und ich hätte mir sehr gewünscht, er hätte das Gespräch darüber mit mir gesucht.“

Teilversorgung derzeit ausreichend

Fazit des Medizinisches Dienstes: Eine Teilversorgung ist derzeit ausreichend. Diese Einschätzung macht Thöns fassungslos: „Teilversorgung, das heißt Arztbesuche bestenfalls einmal im Monat, eigentlich einmal im Quartal – wie soll das hier gehen?“ Auch der Sohn der Erkrankten Cenk Pektas schüttelt den Kopf: „Das schaffen wir nicht allein.“ Sein Vater und er seien wegen der Krankenpflege ohnehin schon an der Grenze der Belastung angekommen. „Und dann kommt noch so ein Schreiben“, sagt der 37-Jährige wütend. Er kann das nicht verstehen: „Ich bin Lokführer. Und wenn bei uns ein Zug so dermaßen defekt ist, dann kommt auch keiner und sagt: Ach, da schauen wir jetzt einmal pro Monat bei der Lok vorbei.“

Auch ohne Genehmigung: Dr. Thöns will mit der Vollversorgung weitermachen. „Dann gehen wir eben bis vors Sozialgericht. Aber meine Patientin lasse ich nicht im Stich.“