Steinhausen in Witten: Ein gemütliches Landschlösschen

Fühlen sich pudelwohl auf Steinhausen: Das Pächter-Ehepaar Martina und Ulrich Kobbeloer, das dort die Gastronomie betreibt. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Fühlen sich pudelwohl auf Steinhausen: Das Pächter-Ehepaar Martina und Ulrich Kobbeloer, das dort die Gastronomie betreibt. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Auf Steinhausen zählt nicht Prunk, sondern Atmosphäre. Im einstigen Musikzimmer oder der Kapelle wird gern geheiratet. Afrika-Kunst schmückt Gelände.

Witten..  „Wir sagen immer: Das hier ist kein vornehmes Prunkschloss, sondern ein gemütliches Landschlösschen“, erzählt Ulrich Kobbeloer. Der Pächter von Schloss Steinhausen charakterisiert damit treffend die Atmosphäre des Anwesens, dessen Besitzer die Familie Oberste-Frielinghaus ist. Idyllisch liegt es hoch über dem Bommeraner Muttental.

Das Haus Steinhausen fand seine erste historische Erwähnung bereits um das Jahr 1200. Es wurde in den folgenden Jahrhunderten zunächst zur Burg und später zur Schlossanlage ausgebaut. Das ist besonders dem Unternehmer Friedrich Wilhelm Dünkelberg zu verdanken, der mit großem wirtschaftlichen Erfolg auch die Ziegelei auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Nachtigall betrieb. Stolz soll er auf seinem Briefkopf geschrieben haben: „Dünkelberg, Schlossbesitzer“.

Unter Dünkelberg, der das nahe gelegene Anwesen im Jahr 1893 kaufte, wurde das Herrenhaus um eine repräsentative Veranda ergänzt, die angrenzende Kapelle neuromantisch umgestaltet und die Stallungen erweitert. Durch die Heirat von Dünkelbergs Tochter Lina mit Albert Frielinghaus kam das Schloss schließlich in Besitz der Familie Oberste-Frielinghaus.

Massige, verzierte Säulen, Kronleuchter und massive Dielen machen die Ausstattung von Steinhausen zu etwas Besonderem, speziell für festliche Angelegenheiten: „Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern – man kann hier sein Leben beginnen und enden lassen“, beschreibt Gastronom Ulrich Kobbeloer die Möglichkeiten auf Steinhausen, das auch immer mehr Gesellschaften von weiter her anzieht. „Wir als Familie sind froh, hier zu sein und werden auch bis zur Rente nicht weggehen“, meint der 52-Jährige, dessen Frau Martina (51) im Betrieb ebenso mit anpackt wie Tochter Lisa (24). „Und auch unsere kleinen Enkelkinder Luise und Lennyson krähen schon, dass sie mithelfen wollen“, erzählt er amüsiert. Zwar arbeiten die Kobbeloers auf Steinhausen, wohnen allerdings nicht dort, sondern in Vormholz.

Trauung im ehemaligen Musikzimmer

Seit 14 Jahren sind sie auf Steinhausen aktiv und haben dort ordentlich angepackt: Die Kapelle wurde liebevoll restauriert, der ehemalige Kuhstall zu einem Veranstaltungsraum für bis zu 150 Gästen mit viel rustikalem Flair umgebaut. Oben im ehemaligen Musikzimmer kann man sich seit einigen Jahren trauen lassen. „Viel haben wir in Eigenarbeit geschafft“, sagt der 52-Jährige, der auch auf die professionelle Hilfe seines Schwiegervaters – „er ist Stuckateur“ – bauen kann. Ulrich Kobbeloer sagt aber auch: „Hier hört die Renovierungsarbeit nie auf.“

Wer meint, auf Steinhausen sei immer alles eitel Sonnenschein gewesen, der irrt gewaltig: Im Jahr 1434 ereignete sich dort eine große Katastrophe. Ein Spross der Familie Hermann von Steinhausens war in einen Konflikt zwischen der Freien Reichsstadt Dortmund und den Grafen von der Mark verwickelt und ließ einen Dortmunder Ratsherrn inhaftieren. Zur Strafe entsandten die Dormunder eine Armee von 700 Landsknechten, 50 Reitern und zwölf Wagen und zerstörten die Burg. Ab 1529 wurde sie durch das westfälische Adelsgeschlecht der Familie Stael von Holstein wieder aufgebaut. Das Wohnhaus der Burg wurde in heutiger Form im Jahr 1607 von Robert Stael von Holstein errichtet, der zugleich auch Domküster zu Hildesheim war. 1648 kam die Kapelle auf Steinhausen dazu.

„Shona Art“ zeigt Kunst aus Simbabwe

Gewichtige Kunst findet seit 2002 auf dem weitläufigen und parkartigen Gelände Platz: Der Bommeraner Galerist Bastian Müller bietet dort unter dem Begriff „Shona Art“ zeitgenössische Kunst aus Simbabwe in einer Dauerausstellung an. Die Plastiken sind aus Serpentinstein und wiegen zum Teil, je nach Größe, mehrere hundert Kilo. Sie kosten von wenigen bis zu mehreren tausend Euro. Aber auch originelle Skulpturen aus alten Ölfässern überraschen die Besucher von Steinhausen.

Die Käufer von „Shona Art“ sind sowohl Einzelkunden, als auch Galeristen, die aus ganz Europa hier anreisen. Weitere Informationen gibt es unter: 97 87 428.