Stadt Witten: Hauptschule bleibt Auslaufmodell

Die Overbergschule hat schon keine fünfte und sechste Klasse mehr. Sie solle „auslaufen“ und Mitte 2016 schließen. Foto:Archiv, Thomas Nitsche
Die Overbergschule hat schon keine fünfte und sechste Klasse mehr. Sie solle „auslaufen“ und Mitte 2016 schließen. Foto:Archiv, Thomas Nitsche
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Was wir bereits wissen
Schulamt verteidigt Aufgabe der Overbergschule. Die Plätze an Gesamt- und Realschulen reichten auch für Flüchtlingskinder mit Haupschulempfehlung aus.

Witten..  Trotz der Forderung der drei Realschulen, die Overberg­schule zu erhalten, um dort auch weitere Flüchtlingskinder aufzunehmen, hält die Stadt am Aus für die innerstädtische Hauptschule fest.

Die Overbergschule hat bisher 40 Seiteneinsteiger aufgenommen – Kinder von Flüchtlingen oder von EU-Zuwanderern, die nicht in der Klasse fünf, sondern später hinzukommen. An der Freiligrathschule in Annen sind es 34 – etwas mehr als an den drei Realschulen zusammen (knapp 30). Das Kommunale Integrationszentrum des Kreises, das die ausländischen Jugendlichen berät, hat für sie bisher überwiegend Empfehlungen für die Hauptschule ausgesprochen. Die Schulleitungen der Realschulen hatten deshalb in einem Brief an die Stadt gewarnt (wir berichteten), dass die zweite Hauptschule schon bald bitter fehlen könnte.

Für die Stadt ist diese Sorge aber unbegründet. „Die These, dass die Hauptschule in Witten und im Allgemeinen ein Auslaufmodell ist, gilt weiterhin“, sagt Gabriele Jennert-Thoma vom Schulamt. Dass die Realschulrektoren das anders sähen, liege daran, dass die Stadt die Gesamtentwicklung der Schullandschaft im Blick habe, „während einzelne Schulformen stärker durch ihre eigene Brille schauen“. Die Realschulen müssten sich vom Gedanken verabschieden, eine Mittelschule zu sein, die Kinder, die nicht dorthin passten, zur Hauptschule „abschulen“ könne.

Eine Klasse zusätzlich eingeplant

Die 17 Grundschulen und neun weiterführenden Schulen böten ausreichende Kapazitäten für die Wittener Schüler und die Seiteneinsteiger, betont Jennert-Thoma. Die Stadt habe schon lange mit einer steigenden Zahl von Flüchtlingskindern geplant. Die Schulentwicklungsplanung sei „großzügig“ und „nicht eng auf Kante genäht“. Für jeden Jahrgang der Klassen fünf bis zehn habe man – stadtweit – eine zusätzliche Klasse für Seiteneinsteiger eingeplant.

Positiv auswirken werde sich zudem der Ratsbeschluss, dass Wittener Schulen vorrangig Wittener Kinder aufnehmen müssen, so Jennert-Thoma. 211 Realschüler und 548 Gesamtschüler kommen aus Nachbarstädten. „Diese schulischen Ressourcen sind künftig für Kinder da, die aus anderen Ländern neu in Witten ankommen.“

Hauptschulabschluss auch anderen Schulformen möglich

Trotz der vielen Hauptschulempfehlungen sei das Festhalten an der Hauptschule nicht die richtige Antwort, meint die Mitarbeiterin des Schulamts. Die Empfehlung eines Bildungsgangs sei schließlich nicht gleichbedeutend mit der Empfehlung für eine bestimmte Schulform. Zum Hauptschulabschluss könne einen grundsätzlich auch eine Real- oder Gesamtschule führen.

Wolle man Kinder aus dem Ausland erfolgreich integrieren, sei die Lösung nicht, alle Seiteneinsteiger in die Hauptschule zu schicken. Jennert-Thoma: „Vielmehr ist eine Beschulung an Realschulen oder Gesamtschulen erstrebenswert. Schließlich bedeutet eine anfängliche sprachliche Barriere nicht vollautomatisch, dass Flüchtlings- oder Zuwandererkinder nicht das Zeug zum Realschulabschluss oder zum Abitur haben.“

Kommunales Integrationszentrum des EN-Kreises

Die Kreisstelle hat für Witten bis Freitag 366 ausländische Schüler beraten. Empfohlene Schulform: Grundschule (149), Förderschule (4), Hauptschule (61), Realschule (26), Gymnasium (3), Gesamtschule (27), Kolleg (73), keine Empfehlung (28).

Herkunft der Beratenen: Syrien (110), Irak (41), Rumänien (41), Afghanistan (21), Polen (20), Albanien (19), Serbien (18).

Freiligrath- und Holzkampschule meldeten der Stelle, ihre
Aufnahmekapazitätseierschöpft.