Stadt gedenkt der Holocaustopfer
27.01.2011 | 14:15 Uhr 2011-01-27T14:15:00+0100
Witten. Mit Erfahrungsberichten gedachten Wittener der Opfer des Holocausts.
Leise und mäßig rieselt der Schnee. Ein Grüppchen älterer Herrschaften spricht über Krankheiten, Schüler plauschen, ein Eichhörnchen hüpft aufgeschreckt hinter dem Denkmal für die Opfer des Holocausts an der Immermannstraße her.
Klaus Völkel spannt einen dunkelblauen Stockschirm über der Bügermeisterin auf - doch er trägt ein Bankwerbesymbol. Schnell findet sich ein schwarzer Knirps. Passend zum schwarzen Aufzug von Sonja Leidemann. Nur ein weißer Blusenkragen blitzt durch. Als gestern die Glocken der benachbarten Kirche mit Glockengeläut verkünden, dass es 11 Uhr ist, spricht die Bügermeisterin von der Schwierigkeit, eine angemessene Form des Gedenkens zu finden - auch angesichts einer Gesellschaft, „die in ihrer Mehrheit gleichgültig, naiv oder eingeschüchtert als Mitläufer oder Wegseher die Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht verhindern wollten oder konnten“.
Mit Klaus Völkel, der zum Lager im Annen forschte, Karlheinz Dressel, Vorsitzender des Freundeskreises der Israelfahrer e.V., Klaus Lohmann, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft Witten und Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs hat sie sich vor die Gedenktafel, an deren Seiten je fünf Stacheldrahtreihen gespannt sind, aufgestellt. Nacheinander tragen sie Erfahrungssplitter von Robert Maréchal und Emil Landau vor, die an dieser Stelle in Annen, einem Außenkommando Buchenwald, litten, vor. „Jetzt dürfen wir duchaus Hoffnung haben!! Immer noch Schnee!“ liest Dressel, auf dessen Jacken sich ebenso wie auf Lohmanns schwarzem Hut, Schneeflocken niedergelassen haben. Ein Polizeibeamter hält hilfsbereit den Hund einer Fotografin. Über die Gedenkstätte spaziert eine Gruppe Kinder, äugen neugierig zur Gruppe herüber, widmen sich dann der Untersuchung einiger Betonüberreste. Fast idyllisch ist das - und steht in hartem Kontrast zu dem, was Lohmann anmerkt: „In den sechs Monaten, in denen das KZ-Außenlager hier bestand, starben mindestens 30 der Inhaftierten infolge von Drangsalierung durch die SS, an Mangelerscheinungen wegen unzureichender Ernährung und durch die Strapazen der Zwangsarbeit.“ Schüler der BZH sind zur Gedenkfeier gekommen. „Wer wollte, bekam dafür frei. Ich wollte, weil es wichtig ist, dass so etwas nicht mehr passiert. Darum ist das Erinnern wichtig“, so Maurice (19). Die Offiziellen legen einen Kranz nieder mit cremefarbenen und weißen Blumen: „Nicht schweigen! Nicht vergessen Stadt Witten. Freundeskreis der Israelfaher e.V.“ Schade, dass bei „Israelfahrer“ ein R fehlte.
0mitdiskutieren