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Stadt baut in Witten ein „Flüchtlingsdorf“

26.01.2016 | 18:56 Uhr
Stadt baut in Witten ein „Flüchtlingsdorf“
Das Gelände der ehemaligen Firma Unify an der Brauckstraße wird FlüchtlingsunterkunftFoto: Jürgen Theobald

Witten.  720 Menschen ziehen an die Brauckstraße. Mannesmannhalle wird geräumt. Keine Asylbewerber in Hardensteinhalle.

Der Rat hat mit großer Mehrheit beschlossen, das Thelen-Gelände an der Brauckstraße für drei Jahre anzumieten und als Flüchtlingsunterkunft für bis zu 720 Menschen auszubauen. Die Räume sollen – je nach Baufortschritt – von Juni bis Oktober belegt werden.

Zunächst wird die Jahnhalle zum 1. Februar als Landesunterkunft abgelöst. Sie geht samt Inventar in städtische Hände über und soll während des Umbaus als Ausweichquartier dienen. Damit kann die Stadtverwaltung als Erstes die Mannesmannhalle an der Werkstadt räumen und zum 1. Februar wieder den Ringern vom KSV Witten übergeben.

Keine Flüchtlinge auf Hohenstein

Auf dem Hohenstein werden keine Flüchtlinge untergebracht, wie Bürgermeisterin Sonja Leidemann gestern versicherte. Eltern der dortigen Kita hatten sich gesorgt. Im benachbarten Hotel sollten „unbegleitete Minderjährige“ ein neues Zuhause finden. „Für diese Gruppe wird der Hohenstein nicht als geeignet betrachtet“, macht Bürgermeisterin Sonja Leidemann allen Spekulationen ein Ende. Auch diese Flüchtlinge würden nun in der Jahnhalle untergebracht.

Das sogenannte Thelen-Gelände liegt zwischen Bauhaus und der Bahnlinie, das Werksgelände nutzten einst Siemens, dann Vogt Electronic und zuletzt die Firma Unify. Ein Blick auf die Baupläne zeigt, welche Dimensionen das „Flüchtlingsdorf“ haben wird.

Die 7500 qm Nutzfläche verteilen sich auf drei Hallen. Die vorderste Halle wird als Servicestelle genutzt: Dorthin wird der „Help-Kiosk“ mitsamt seiner Kleiderkammer ziehen. Es wird auch Seminarräume für Sprachkurse geben und Büros, die Stadtverwaltung und Jobcenter nutzen werden. Ihre Formalitäten müssen die Flüchtlinge nicht länger im Rathaus erledigen – in Rüdinghausen werden nun zum Beispiel die monatlichen Schecks mit dem Versorgungsgeld ausgegeben. Der Kundenverkehr im Rathaus solle sich wieder normalisieren, erklärt Uwe Andresen, Abteilungsleiter Wohnen, die Pläne.

Kochgelegenheit auf dem Flur

Die beiden anderen Hallen, die bislang Großraumbüros beherbergten, werden mit Wänden in unterschiedlich große Zimmer geteilt. WCs und Duschen gibt es am Ende eines Ganges. Kochgelegenheiten befinden sich auf dem Flur. Auf den umliegenden Grünflächen soll auch ein Spielplatz entstehen.

Das Gelände ist von einem durchgängig zwei Meter hohen Zaun umschlossen, der noch aus Siemens-Zeiten stammt. Ein Zugang ist nur über das Pförtnerhäuschen möglich, das rund um die Uhr mit einem Wachdienst besetzt sein wird. „Vielleicht übernehmen wir das Sicherheitskonzept von der Jahnhalle“, erklärt Andresen. Dort erhält man erst nach Passkontrolle Zugang. „Ein Besuchertourismus ist jedenfalls nicht möglich.“

Acht neue Mitarbeiter wird die Stadt einstellen, darunter drei Sozialarbeiter. Zudem werden bis zu acht Sicherheitsleute zeitgleich das Gelände kontrollieren.

Unterbringung kostet 289 Euro pro Person im Monat

Fast ein Jahr hat es gedauert, bis die Pläne für eine große Flüchtlingsunterkunft in Witten nun umgesetzt werden können. Die Bezirksregierung Arnsberg hatte das Thelen-Gelände als Landes-Aufnahmelager ins Auge gefasst. Weil sie jetzt Zeltstädte (wie in Bochum) nutzt, kann die Stadt das Areal an der Brauckstraße anmieten.

„Damit ist der Weg frei für eine geordnete Betreuung der Flüchtlinge“, sagt Bürgermeisterin Sonja Leidemann. Der Mietvertrag läuft zunächst für drei Jahre, kann noch zweimal für je zwei Jahre verlängert werden. Ein Drittel aller Wittener Flüchtlinge sollen zum Jahresende an der Brauckstraße wohnen.

1600 Asylbewerber leben hier mittlerweile. Laut nicht offiziellen Prognosen der Stadt, die der Redaktion vorliegen, könnten es bis Ende 2016 2200 sein. Zurzeit läuft die Unterbringung der Flüchtlinge relativ entspannt: Weil Witten zuletzt mehr Asylbewerber aufgenommen hat, als gefordert, hat das Land für Februar nur 40 weitere Personen angekündigt. Zum Vergleich: Ab Juli 2015 wurden monatlich 250 Menschen zugewiesen.

Infoveranstaltung für die Anwohner

Deutlich kritisiert die Stadtspitze die Finanzierung der Flüchlingsunterbringung. So richtet das Land seine Zuschüsse nach Prognosen aus dem Jahr 2014: Gezahlt werde derzeit für 588 der 1600 Wittener Flüchtlinge. „Wer zuweist, muss auch zahlen“, sagt Kämmerer Matthias Kleinschmidt. „Die Leute schickt das Land, keiner ist freiwillig hier.“ 300 Euro pro Person und Monat sind im städtischen Haushalt einkalkuliert. Auf dem Thelen-Gelände wird die Unterbringung 289 Euro kosten. Das sei laut Kleinschmidt weniger als die derzeitige Miete für die Monteurswohnungen, die dann gekündigt werden sollen. Das Thelen-Gelände kostet laut einem nicht öffentlichen Schreiben etwa 200 000 Euro pro Monat an Miete.

Für die Anwohner soll es bald eine Infoveranstaltung geben. Die Ansiedlung von 720 Personen wird sich vor allem auf Rüdinghausen und Annen auswirken – etwa was Schulen und Kindergärten angeht

Susanne Schild

Kommentare
29.01.2016
05:23
Stadt baut in Witten ein „Flüchtlingsdorf“
von Schanko16 | #9

Realitätsfremd psa? Also eigentlich wollt ich zur momentanen Situation nichts mehr schreiben, aber so langsam kommt mir mein Frühstück wieder...
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2016-01-26 18:56
Witten