SPD: Verkaufsoffener stand nie zur Diskussion
03.02.2012 | 14:57 Uhr 2012-02-03T14:57:00+0100
Eine Abschaffung des verkaufsoffenen Sonntags wie in Bochum hat bei der SPD nie zur Debatte gestanden, erklärt der Wittener Fraktionsvorsitzende Thomas Richter. Die Wirtschaft lobt das Modell, Kritik von der Kirche.
Witten. Bochum schafft ihn ab, Witten will ihn behalten: den verkaufsoffenen Sonntag. Nicht bei allen stößt die Entscheidung des Rates auf Gegenliebe, den Geschäften 16 Mal im Jahr zu erlauben, sonntags ihre Pforten zu öffnen (viermal jeweils in Annen, Herbede, Rüdinghausen und der City).
Besonders der Kirche gefällt der Verkaufsschlager zum Ende der Woche nicht. „Ich hätte gut auf den verkaufsoffenen Sonntag verzichten können“, sagt der Bommeraner Pfarrer Jürgen Krüger (55). „Es sollte einen Tag geben, an dem etwas anderes gemacht wird, als Geld auszugeben.“ Mitarbeiter bräuchten einen „verlässlichen freier Tag“. In der Wittener Politik hatte Krüger nur die Linke auf seiner Seite, die gegen die Freigabe gestimmt hatte. Zuvor hatte die Gewerkschaft Verdi mit einer „Allianz für den verkaufsfreien Sonntag“ mobil gemacht.
Davon lässt sich die gewerkschaftsnahe SPD nicht beeindrucken. Bis auf den Annener Pfarrer Claus Humbert (er enthielt sich) hatten alle Wittener Fraktionsmitglieder für für die wirtschaftsfreundliche Variante gestimmt. „Der verkaufsoffene Sonntag hat nie zur Diskussion gestanden. Die hohen Besucherzahlen zeigen, dass es einen Bedarf gibt“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Richter (55). „Bedingung ist, dass Tarifvereinbarungen eingehalten werden.“ Für Mitarbeiter müsse es Freizeitausgleich und Sonntagszuschläge geben, so Richter.
Auf seiner Seite weiß der SPD-Fraktionschef auch die Standortgemeinschaft Witten. Deren Vorsitzender Karl-Dieter Hoeper (59) lobt die Entscheidung, möglichst viele Sonntage für den Verkauf freizugeben. „Im Oktober profitieren eher die Textilgeschäfte, vor Weihnachten Parfümerien und Schmuckgeschäfte.“ Die Mehrzahl der Geschäftsführer in Witten seien mit den Besucherzahlen sehr zufrieden.
Lob gibt es auch vom Stadtmarketing. Geschäftsführer Robert Lohkamp (57): „Das sind umsatzstarke Tage. Wenn der verkaufsoffene Sonntag wegfiele, würden die Geschäfte das spüren.“ Durch die Abschaffung in Bochum erwartet Lohkamp keinen Sprung bei den Besucherzahlen. „Allein aus Randgebieten wie Bochum Langendreer dürften mehr Menschen zum Einkaufen kommen.“
18:31
Was haben die armen Menschen nur getan, als man Sonntags noch nicht einkaufen konnte. Und erst mal der Einzelhandel..... der scheint ja ohne verkaufsoffenen Sonntag komplett kurz vor dem Konkurs zu stehen.
Was aber wohl alle Befürworter vergessen.... man kann einen Euro nur einmal ausgeben.
Also Einnahmezuwächse wird es auch bei verkaufsoffenen Sonntagen nicht geben, sondern nur eine zeitliche Umverteilung.
Im Sinne der Beschäftigten ist die Bochumer Entscheidung (auch wenn sie so wohl tatsächlich nicht gewollt war) sehr vernünftig.
15:48
Schade, dass das SPD Mitglied und Vorstandsmitgleid der Wittener Jusos Dennis Sohner als Schreiber dieses Artikels nur die SPD befragt hat. Wo bleibt da die objektive Berichterstattung der WAZ, die auch dem politischen Mitbewerber eine Stimme gibt?!