Sozialwohnungen statt Minigolfplatz

Jürgen Treiber, dem die Ardeyer Golfhütte gehörte, fühlte sich noch Ende 2014 von der Stadt betrogen, weil er sein Grundstück (links oben auf dem Plan) nicht als Bauland verkaufen durfte. Jetzt kann er neue Hoffnung schöpfen.
Jürgen Treiber, dem die Ardeyer Golfhütte gehörte, fühlte sich noch Ende 2014 von der Stadt betrogen, weil er sein Grundstück (links oben auf dem Plan) nicht als Bauland verkaufen durfte. Jetzt kann er neue Hoffnung schöpfen.
Foto: WAZ/FotoPool
Was wir bereits wissen
Weil bezahlbare Immobilien und Unterkünfte für Flüchtlinge fehlen, schlägt die Stadt Witten Wohnungsbau an Ardeyer Golfhütte und auf der Halde Annen vor.

Witten.. Der Zustrom an Flüchtlingen bringt Bewegung auf den Wittener Wohnungsmarkt: Wie am Montag kurz berichtet, will die Verwaltung mehrere Grundstücke verkaufen, damit dort öffentlich geförderte Mietshäuser gebaut werden können. Auch zwei Flächen, auf denen bislang kein Wohnungsbau zulässig war, könnten vom Bedarf an bezahlbarem Wohnraum profitieren: die Halde in Annen, wo ursprünglich die Firma Draco erweitern wollte, und eine Fläche an der Waldstraße, wo der Wittener jahrzehntelang Minigolf gespielt hat.

Ardeyer Golfhütte

Jürgen Treiber, der bis November auf 4000 Quadratmeter seine Minigolfanlage Ecke Ardey-/Waldstraße betrieb, möchte sein Land seit langem verkaufen. Die Politik, insbesondere SPD und Grüne, machte dem Rentner bisher aber einen Strich durch die Rechnung. Während nebenan der einstige Sportplatz für neue Einfamilienhäuser planiert wird, hätte er sein Grundstück nur als „Fläche für Sport- und Spielanlagen“ veräußern können. Das Freizeitgelände sollte erhalten werden. Weil Wohnbebauung bislang nicht möglich war, ist das Land weniger wert.

Nun könnte die Verwaltung den Bebauungsplan in ein „allgemeines Wohngebiet“ ändern, ein Hoffnungsschimmer für Treiber. Er hat das Gelände bereits schätzen lassen, es sei eine Million wert. Die Stadt würde profitieren. Er erwarb die Fläche 1998 von ihr mit der Auflage, dass sie bei einem Verkauf die Hälfte des Erlöses bekommt.

Der Erhalt des Minigolfplatzes sei weiter im Interesse seiner Partei, erklärt SPD-Fraktionsvize Dr. Uwe Rath. „Gerade dort haben wir freizeittechnisch eine schöne Achse, mit Freibad, Herrenholz/Buchenholz und der sehr schönen Golfanlage.“ Gleich im ersten Anlauf wollte man den Platz nicht aufgeben. Neu durchdenken aber könne man die Pläne. Rath: „Wir brauchen in Witten unbedingt bezahlbare Wohnungen.“

Halde Annen

Sozialer Wohnungsbau – könnte das die Lösung für das Annener Sorgenkind sein? Auf dem bis zu 7500 qm großen städtischen Grundstück im Bereich Herdecker Straße/Rheinischer Esel wollte ursprünglich der Annener Verbandsmittelhersteller Draco neu bauen. Seit Draco vor knapp einem Jahr die Pläne aufgab, wird ein Teil der Halde als Parkplatz genutzt. Nun soll das Planungsrecht geändert werden – Wohnen statt Gewerbe.

Auf dem Gelände befinden sich laut Stadt Altlasten und zwei Schächte. Wegen des Austritts von Kohlendioxid seien Gebäude mit Keller nicht möglich. Ein Investor müsste, schätzt das Amt für Bodenwirtschaft, 100 000 Euro für die Bodenaufbereitung investieren.

Dabei gebe es bereits drei bis vier mögliche Investoren, will WBG-Vorsitzender Siegmut Brömmelsiek wissen. Morgen hat eine Gruppe rund um den Architekten Volker Pfannkuche und die Gemeinschaft Annener Gewerbetreibender (GAG) einen Termin im Planungsamt.

Sie wollen eine gemischte Wohnbebauung am Fuß der Halde umsetzen, altengerecht, plus Gewerbe im Erdgeschoss – wie Pflegedienst, Praxen, Gastronomie zum Radweg hin. 70 Wohneinheiten à 80 qm seien geplant. Geförderten Wohnungsbau „kann man ja kombinieren“, sagt Brömmelsiek. In der Verwaltungsvorlage ist von 30 Wohneinheiten die Rede. Brömmelsiek: „Diese Zahl deckt sich nicht mit unseren Vorstellungen.“