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Stadtplanung

Sozialwohnungen statt Minigolfplatz

22.02.2016 | 16:56 Uhr
Sozialwohnungen statt Minigolfplatz
Jürgen Treiber, dem die Ardeyer Golfhütte gehörte, fühlte sich noch Ende 2014 von der Stadt betrogen, weil er sein Grundstück (links oben auf dem Plan) nicht als Bauland verkaufen durfte. Jetzt kann er neue Hoffnung schöpfen.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Weil bezahlbare Immobilien und Unterkünfte für Flüchtlinge fehlen, schlägt die Stadt Witten Wohnungsbau an Ardeyer Golfhütte und auf der Halde Annen vor.

Der Zustrom an Flüchtlingen bringt Bewegung auf den Wittener Wohnungsmarkt: Wie am Montag kurz berichtet, will die Verwaltung mehrere Grundstücke verkaufen, damit dort öffentlich geförderte Mietshäuser gebaut werden können. Auch zwei Flächen, auf denen bislang kein Wohnungsbau zulässig war, könnten vom Bedarf an bezahlbarem Wohnraum profitieren: die Halde in Annen, wo ursprünglich die Firma Draco erweitern wollte, und eine Fläche an der Waldstraße, wo der Wittener jahrzehntelang Minigolf gespielt hat.

Ardeyer Golfhütte

Jürgen Treiber, der bis November auf 4000 Quadratmeter seine Minigolfanlage Ecke Ardey-/Waldstraße betrieb, möchte sein Land seit langem verkaufen. Die Politik, insbesondere SPD und Grüne, machte dem Rentner bisher aber einen Strich durch die Rechnung. Während nebenan der einstige Sportplatz für neue Einfamilienhäuser planiert wird, hätte er sein Grundstück nur als „Fläche für Sport- und Spielanlagen“ veräußern können. Das Freizeitgelände sollte erhalten werden. Weil Wohnbebauung bislang nicht möglich war, ist das Land weniger wert.

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Mietwohnungen auf drei Freiflächen

Zwei weitere städtische Freiflächen, auf denen relativ kurzfristig Häuser mit je zehn Wohnungen entstehen könnten, schlägt das Planungsamt in seiner Vorlage vor: Eine Fläche an der Ecke Westfeldstraße/In den Höfen, nahe dem „Park der Generationen“. Hier müsste allerdings eine Trafostation versetzt werden. Auch neben dem Haus Breite Straße 33 könnte gebaut werden – das Areal nutzt zurzeit die Pizzeria „La Piazza“ teilweise als Terrasse.

Sozialer Wohnungsbau könne laut Verwaltung auch bei der Bebauung des Schwanenmarkts eine Rolle spielen. Das Filetgrundstück in der Innenstadt soll laut Ratsbeschluss von 2008 als „Quartiersplatz“ ausgebildet werden, verschiedene Konzepte lagen bereits vor. 25 Wohneinheiten könnten auf dem 1373 qm großen Grundstück entstehen. Um mehr Platz zu gewinnen, müsste die Kreuzung Schwanenmarkt/Oststraße/Bachstraße zum Kreisel umgebaut werden.

Nun könnte die Verwaltung den Bebauungsplan in ein „allgemeines Wohngebiet“ ändern, ein Hoffnungsschimmer für Treiber. Er hat das Gelände bereits schätzen lassen, es sei eine Million wert. Die Stadt würde profitieren. Er erwarb die Fläche 1998 von ihr mit der Auflage, dass sie bei einem Verkauf die Hälfte des Erlöses bekommt.

Der Erhalt des Minigolfplatzes sei weiter im Interesse seiner Partei, erklärt SPD-Fraktionsvize Dr. Uwe Rath. „Gerade dort haben wir freizeittechnisch eine schöne Achse, mit Freibad, Herrenholz/Buchenholz und der sehr schönen Golfanlage.“ Gleich im ersten Anlauf wollte man den Platz nicht aufgeben. Neu durchdenken aber könne man die Pläne. Rath: „Wir brauchen in Witten unbedingt bezahlbare Wohnungen.“

Halde Annen

Sozialer Wohnungsbau – könnte das die Lösung für das Annener Sorgenkind sein? Auf dem bis zu 7500 qm großen städtischen Grundstück im Bereich Herdecker Straße/Rheinischer Esel wollte ursprünglich der Annener Verbandsmittelhersteller Draco neu bauen. Seit Draco vor knapp einem Jahr die Pläne aufgab, wird ein Teil der Halde als Parkplatz genutzt. Nun soll das Planungsrecht geändert werden – Wohnen statt Gewerbe.

Auf dem Gelände befinden sich laut Stadt Altlasten und zwei Schächte. Wegen des Austritts von Kohlendioxid seien Gebäude mit Keller nicht möglich. Ein Investor müsste, schätzt das Amt für Bodenwirtschaft, 100 000 Euro für die Bodenaufbereitung investieren.

Dabei gebe es bereits drei bis vier mögliche Investoren, will WBG-Vorsitzender Siegmut Brömmelsiek wissen. Morgen hat eine Gruppe rund um den Architekten Volker Pfannkuche und die Gemeinschaft Annener Gewerbetreibender (GAG) einen Termin im Planungsamt.

Sie wollen eine gemischte Wohnbebauung am Fuß der Halde umsetzen, altengerecht, plus Gewerbe im Erdgeschoss – wie Pflegedienst, Praxen, Gastronomie zum Radweg hin. 70 Wohneinheiten à 80 qm seien geplant. Geförderten Wohnungsbau „kann man ja kombinieren“, sagt Brömmelsiek. In der Verwaltungsvorlage ist von 30 Wohneinheiten die Rede. Brömmelsiek: „Diese Zahl deckt sich nicht mit unseren Vorstellungen.“

Susanne Schild

Kommentare
23.02.2016
16:30
Sozialwohnungen statt Minigolfplatz
von Muellermueller | #5

Jetzt heisst es wieder aus Scheisse Geld machen. Auch der raffgiere Golfhüttenbetreiber möchte seine billig erworbenen Flächen vergolden.

1 Antwort
Sozialwohnungen statt Minigolfplatz
von soissdat | #5-1

Witzig: Das ging mir auch so durch den Kopp als ich das gelesen hab!
Ist wahrscheinlich genauso wie mit den ganzen Hotelbetreibern, die jetzt auf Kosten der Steuerzahler ihre Hütte ausgebucht haben bis zum Sankt Niemerleinstag mit Flüchtlingen.
Ist eben ein sicheres Geschäft.
Würde die Kirche, das DRK, die Wohncontainer-und Zeltebauer wohl auch sagen, so wie viele viele andere die an diesem Elend prächtig verdienen wohl auch.

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2016-02-22 16:56
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