Sommerzeit ist Fotozeit

Das Foto diente in früheren Zeiten der Vergegenwärtigung und der Erinnerung. Generationen von Urlaubern haben ihre Dias und Bilder mit den Daheimgebliebenen geteilt.

Heute ist es darüber hinaus ein nonverbales Kommunikationsmittel. Getreu dem Motto „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ werden jeden Tag unzählige Fotos über Smartphones versandt. Ich finde das genial, denn es erweitert mein Kommunikationsrepertoire um eine mir liebe Dimension der Teilnahme. Das lasse ich mir auch nicht nehmen.

Für einen Geburtstag habe ich aber nun versucht, die einhunderttausend Fotos zu sichten, die ich seit dem Erwerb meiner ersten Digitalkamera aufbewahrt habe. Wenn ich auch nur für jedes zwei Sekunden verwendet hätte, hätte ich über 55 Stunden mit diesem Bilderschatz verbringen müssen. Die Hälfte hätte es auch getan. Trotzdem hängt mein Herz an vielen dieser Pixelwelten.

Manchmal ertappe ich mich dabei, etwas festhalten zu wollen und zu archivieren, statt den Moment zu leben und mich an Gottes schöner Schöpfung und ihrer endlosen Fülle zu erfreuen. Kein Foto dieser Welt kann mir den Duft, den Klang und den Geschmack dieser Welt ersetzen. Die Geräusche und Gefühle beim Auslösen, die Menschen, die bei meiner Fotosafari an meiner Seite sind. Wenn ich in Zukunft weiter fotografiere, werde ich das ein oder andere Mal bewusst innehalten. Um dem Leben im Hier und Jetzt nachzuspüren.
Pfarrer Branko-Christian Uhlstein, Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde