Sollen Mitglieder gefragt werden?

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SPD streitet, ob sie für die Benennung des Bürgermeisterkandidaten eineBasisabstimmung in der Partei durchführen soll. Für und Wider auf dieser Seite

Witten..  Sollen alle SPD-Mitglieder über den Bürgermeisterkandidaten entscheiden oder sollen das lieber wie bisher die gewählten Delegierten in einer Vertreterversammlung tun? Über diese Frage tobt zurzeit ein Kleinkrieg zwischen Bürgermeisterin Sonja Leidemann und der Stadtverbandsvorsitzenden Christel Humme, beide SPD.

Die Genossen in Essen haben erst kürzlich über ihren Bürgermeisterkandidaten Reinhard Paß in einer Mitgliederbefragung entschieden, worauf Sonja Leidemann gerne verweist. Auch der SPD-Kandidat Apostolos Tsalastras in Oberhausen wurde im Rahmen einer Mitgliederbefragung von der Partei bestimmt. In Herne dagegen nominierten die Genossen ihren Kandidaten Dr. Frank Dudda in einer Wahlversammlung.

Argumente dafür

Ein Mitgliederentscheid in der Kandidatenfrage hätte den Vorteil, dass alle Parteimitglieder gehört werden müssten – eine Entscheidung für den Kandidaten wäre von einer breiten Basis getragen. In einer Situation, in der sich zwei Kandidaten, wie in Witten oder Oberhausen, ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, kann durch eine Mitgliederbefragung eine größere Gruppe von Wählern erreicht werden – von der die Mehrheit möglicherweise zu einem repräsentativeren Ergebnis kommt als gewählte Vertreter in der Wahlversammlung.

In Oberhausen hatten sich die Sozialdemokraten schon lange vor der Aufstellung der beiden möglichen Kandidaten im Herbst auf das Verfahren des Mitgliederentscheides geeinigt. Im Dezember war der amtierende Kämmerer Apostolos Tsalastras zum SPD-Bürgermeisterkandidaten gewählt worden.

Argumente dagegen

Das Verfahren, den Bürgermeisterkandidaten im Rahmen einer Vertreterversammlung zu bestimmen, ist in der Wittener SPD gängige Praxis – wobei es bisher auch immer nur einen Kandidaten gab. Bei der letzten Bürgermeisterwahl wurde Amtsinhaberin Sonja Leidemann von eben diesem Gremium erneut als Kandidatin gewählt. Die Wahlversammlung setzt sich aus 35 gewählten Vertretern der 13 Wittener Ortsvereine zusammen, deren jeweilige Anzahl der jeweiligen Größe der Ortsvereine entspricht. Die beiden größten Ortsvereine sind Mitte und Innenstadt mit jeweils vier Delegierten in der Wahlversammlung.

Schwer einschätzen lässt sich, wie sich die Delegierten in der für den 7. März anberaumten Vertreterversammlung entscheiden. Sicher zugerechnet werden Sonja Leidemann Stimmen aus Vormholz, Durchholz-Bommerholz, Stockum, Herbede und Ardey/
Borbach. Mit ausschlaggebend dürfte am Ende allerdings das Votum großer Ortsvereine wie Annen, Heven-Krone oder Innenstadt sein. Hier könnte ihr Gegenkandidat Frank Schweppe am Ende die Nase vorn haben.