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Soforthilfe am Hauptbahnhof

14.08.2011 | 13:37 Uhr
Soforthilfe am Hauptbahnhof
Die Radstation am Hauptbahnhof. Foto: Walter Fischer / WAZ Foto Pool

Witten. Für Radbegeisterte und umweltbewusste Pendler ist sie ein täglicher Etappenpunkt auf dem Weg zur Arbeit:

Die Radstation der Wabe (Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung) im Hauptbahnhof hilft Drahteselfreunden in fast jeder Lebenslage.

Sie führt Wartungen und Reparaturen durch, verleiht die „normalen“ und die elektrobetriebenen „Energie Räder“ und bietet sogar geführte Touren an. Damit dieses umfangreiche Angebot umgesetzt werden kann, arbeiten neben zwei fest angestellten Mitarbeitern auch über 20 Ein-Euro-Jobber in der Radstation. Einer von ihnen ist der 41-Jährige Thomas Kersting. „Seit zweieinhalb Monaten bin ich jetzt bei der Wabe tätig“, erzählt der gelernte Bürokaufmann. Für diese Tätigkeit habe er sich bewusst entschieden.

„Hier gibt es ein gutes Zusammenspiel aus technischer Arbeit und Kundenbetreuung“, weiß der 41-Jährige. Anfangs musste er sich in den neuen Beruf erst einarbeiten. „Aber wer technisches Geschick mitbringt, lernt die Handgriffe schnell. Heute brauche ich nur noch fünf Minuten, um eine Bremse zu wechseln“, sagt Kersting nicht ohne Stolz. Schließlich sei das mittlerweile längst eine Routineaufgabe geworden.

Neben den Bremsen und der Gangschaltung sind es vor allem die Luftschläuche der Räder, die viele Drahteselfreunde zum Boxenstopp in der Radstation zwingen. „Radfahren bereitet eben auch Unkosten“, weiß Mitarbeiter Andre Handge, „pro Jahr sind das aber weniger als einmal Volltanken.“ Trotzdem gäbe es mitunter auch echte Fahrradliebhaber, denen kein Ersatzteil für das Zweirad zu teuer sei: „Für manche Kunden spielt Geld dann keine Rolle und sie wollen von allem das Beste drangebaut bekommen“, erzählt Handge. „Das kommt zwar seltener vor, aber das sind dann die Höhepunke in diesem Beruf.“

Der größter Bastel-Auftrag der Radstation in diesem Jahr: Der Bau eines elektrobetriebenen Lastenrads, das die Stadtwerke zu Werbezwecken nutzen wollen. „In dem großen, isolierten Korb vorne kann man gekühlte Getränke transportieren“, so Handge. Mithilfe eines Solarsegels soll zusätzlich ein Bildschirm betrieben werden. Kein Wunder, dass diese komplizierte Tüftelarbeit unzähliger Arbeitsstunden beanspruchte. Neben Rad-Verleih und -Wartung sind es derlei anspruchsvolle Herausforderungen, die den Alltag für die Mitarbeiter der Station spannend gestalten.

Für viele Kunden hingegen ist der „Bewachungsservice“ ein gefragtes Angebot. Gegen eine Gebühr von 1,50 Euro pro Tag bzw. 15 Euro pro Monat können Pendler ihre Fahrräder in die Obhut der Radstation geben. „Die Nachfrage ist sehr groß“, weiß Mitarbeiter Handge. „Wir haben Platz für über 100 Räder und sind momentan zu gut 80 Prozent ausgelastet.“

Wer seinen Drahtesel auch außerhalb der Öffnungszeiten der Radstation trocken und sicher am Bahnhof verwahrt wissen möchte, hat die Möglichkeit, eine Fahrradbox auf dem Vorplatz anzumieten. Aber auch hier sei die Nachfrage sehr hoch, so Handge: „Momentan sind leider keine Boxen draußen mehr frei.“ Ein weiteres Angebot sind geführte Touren und dazu auch der Gepäckservice für Radwanderer auf dem Ruhrtalradweg. Handge: „Wir transportieren dann die Koffer zum nächsten Übernachtungsort – auf der ganzen Strecke von Winterberg bis nach Duisburg.“

Anna Ernst

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Kommentare
14.08.2011
15:00
Soforthilfe am Hauptbahnhof
von Causa.cognita | #1

Die Radstation(en, nicht nur die in Witten) sind Teil der unverzichtbaren Infrastruktur, die es braucht, um den Radverkehr als echte Alternative zu motorisiertem ÖV und IV zu positionieren. Dass sich die unterschiedlichsten Dienstleistungen der Radstation mittlerweile etabliert haben, ist ein erstes, positives Zeichen.

Ich hätte mir jedoch gewünscht, im Artikel etwas zur politischen Sachlage, auch zur Zukunft der Radstation, zu lesen. Wer den damaligen Kampf um die realtiv geringen Subventionen zur Einrichtung und für den Dauerbetrieb der Station einerseits und Geldvernichtung a la´ Rathausbushaltestelle andererseits mitbekommt, dem wird schnell klar, dass das ein oder andere politische Bekenntnis für umweltfreundliche Verkehrsträger nicht ernst gemeint zu sein scheint.

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