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Wilde Müllkippen

Sofa im Wald und Bett im Kornfeld

11.03.2016 | 19:37 Uhr
Sofa im Wald und Bett im Kornfeld
Keine Einladung als Ruhelager für Spaziergänger, sondern eine wilde Müllkippe ist diese Sofagarnitur. Sie wurde am Wanderparkplatz Ardeystraße gegenüber der Herdecker Straße abgeladen. Das Betriebsamt hat sie soeben entfernt. Aber es wird wohl leider nicht die letzte wilde Kippe im Stadtgebiet gewesen sein. Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services

Witten.   J. Drews sang vom „Bett im Kornfeld“, mancher Müllfrevler parkt sein Sofa im Wald. 470 Fälle illegaler Entsorgung gab’s 2015. Bürger zahlen die Zeche

Vielleicht hat ja mancher Zeitgenosse nur Jürgen Drews’ Ewigkeitshit „Ein Bett im Kornfeld“ missverstanden. Das würde erklären, warum sich in Wittens Natur regelmäßig wilde Kippen finden, auf denen ganze Einrichtungen von der Schlafcouch bis zum Wohnzimmerschrank landen.

Das kostet: die Mitarbeiter des Betriebsamtes viel Zeit. Und die Bürger, auf deren Müllgebühren das Entfernen solcher Dreckecken umgelegt wird, viel Geld. Nur diejenigen, die für solche Schweinereien verantwortlich sind, kommen in den allermeisten Fällen ungeschoren davon. Leider.

„Denn die Verursacher müssen schon auf frischer Tat ertappt werden, um sie zur Rechenschaft ziehen zu können. Und das ist nicht einfach“, weiß Vize-Betriebsamtschef Thomas Bodang. Er kennt auch die Zahlen, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen sollte: Mehr als jeden Tag eines Jahres müssen die städtischen Mitarbeiter ausrücken, um irgendwo im Stadtgebiet illegal abgestellten Müll aufzulesen: nämlich in 470 Fällen allein im vorigen Jahr. Was leider kein statistischer Ausreißer war. Denn die Zahlen seien seit Jahren ungefähr gleich hoch, so Bodang.

80 000 Euro Kosten werden auf alle Bürger umgelegt

Mit 1400 Arbeitsstunden nur für das Einsammeln bewusst falsch abgestellten Mülls wird somit die Bilanz belastet. Mit 80 000 Euro schlugen das Aufsammeln und Entsorgen zu Buche, „Kosten, die auf die Müllgebühr aller Bürger umgelegt werden müssen, weil das vom Gesetzgeber so vorgegeben ist“, unterstreicht der Vize-Betriebsamtschef. Das bewusste „Falschparken“ des Mülls beginne damit, dass Hausmüll neben Glas- oder Papiercontainer gestellt würde und reiche bis zu jenen an die Luft gesetzten Wohneinrichtungen, wie sie eben erst am Wanderparkplatz Ardeystraße gegenüber der Einmündung zur Herdecker Straße gefunden wurde.

„Unverständlich“ findet das auch der Dortmunder Rentner Herbert Meiser, der regelmäßig dort, nahe der Drei Teiche, spazieren geht. „Im Vergleich zu anderen Städten habt ihr es doch gut. Ihr Wittener könnt doch viele Sachen umsonst entsorgen“, weiß der Senior. Und tatsächlich: Einmal im Jahr kann jeder Bürger kostenfrei die Sperrmüllabfuhr bestellen. Außerdem sind ausgediente Elektrogeräte oder Farben und Lacke umsonst auf der Müllumladestation Bebbelsdorf abzugeben. „Wie verrückt muss man sein, das Risiko einzugehen und Couch oder Schränke in den Wagen und dann in den Wald zu wuchten, statt alles bequem und umsonst vor die eigene Haustür zum Sperrmüll zu stellen?“, fragt sich auch Bodang.

250 Altreifen unter Herbeder Brücke nachts abgeladen

Der kann erstaunliche Vorfälle aus seinem langen Berufsleben schildern: „Es ist schon einige Jahre her, da hat jemand über Nacht 250 alte Autoreifen unter der Herbeder Brücke abgeladen. Das muss wohl ein gewerblicher Müllsünder gewesen sein, der sein Lager ausmisten wollte.“ Ab 150 Euro Bußgeld kostet illegale Müllentsorgung, „beim Altreifen-Sünder wäre es aber viel höher ausgefallen“, weiß der Müllexperte. Wäre – doch auch damals konnte niemand zur Rechenschaft gezogen werden.

Michael Vaupel

Kommentare
12.03.2016
06:35
So richtig gut hat es der Wittener und ENler bei der Müllentsorgung nicht
von p.s.a | #1

Bochum bietet da deutlich mehr. DIe USB nimmt mehr Müllarten kostenlos an und verzichtet auch auf die absurd hohe Mindestgebühr für Selbstanlieferer...
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2 Antworten
psa ein Witz von Ihnen
von vomDach | #1-1

Das asoziale Verhalten mancher Mitbürger ist mit dem Geschwafel nicht zu rechtfertigen.Ist wie mit dem Hundekot.

Was von mir als Auftrag an die Politik gedacht war,
von p.s.a | #1-2

ist in Ihrer Mentalität also eine Ausrede für das vermüllen der Landschaft.

Interessant wie Sie so ticken.

Haben Sie außer PSA beleidigen eigentlich nichts auf der Pfanne ?

Geschwafel - offensichtlich eins Ihrer Lieblingswörter - punktet man durch einen besseren Beitrag aus. Na kommt da was ?

Man könnte zum Beispiel darüber diskutieren welche Vor- und Nachteile es hat, wenn man dem Bürger beim Sperrmüll die Wahl lässt ob er selbst anliefern will oder abholen lässt.

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2016-03-11 19:37
Witten