Slowenen hoffen auf Wittener Hilfe gegen das Bienensterben

Dr. Gerhard Liebig (li.) informierte am Montag, 13. Juli, am Lehrbienenstand auf dem Hohenstein 25 Hobbyimker als Slowenien über moderne Bienenhaltung und Varroabekämpfung.
Dr. Gerhard Liebig (li.) informierte am Montag, 13. Juli, am Lehrbienenstand auf dem Hohenstein 25 Hobbyimker als Slowenien über moderne Bienenhaltung und Varroabekämpfung.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
25 Hobbyimker informierten sich auf dem Hohenstein bei Dr. Gerhard Liebig über moderne Immenhaltung und das Bekämpfen der Varroamilbe.

Witten..  Gespannt hören zwei Frauen und 23 Männer Dr. Gerhard Liebig zu. Wenn der Bienenexperte die Seiten seiner Präsentation wechselt, fotografieren gleich mehrere Handys die neuen Informationen an der Wand. Die 25 Imker sind extra aus Slowenien zum Lehrbienenstand auf dem Hohenstein angereist – auf eigene Kosten und mit einer Übernachtung. Der Ruf von Gerhard Liebig hat sie angezogen.

„Die Varroamilbe ist bei richtiger Bienenhaltung kein Problem“, erläutert der Experte. Genau dieser kleine Schädling, der ganze Bienenvölker sterben lassen kann, ist der Grund für die Anwesenheit der 25 Slowenen, berichtet Janez Tapainer. Er hat Anfang der 90er in Deutschland gelebt und übersetzt für Gerhard Liebig. Organisator der Reise ist Mirko Cacinovic – ihm starben über den Winter rund 100 seiner 160 Bienenvölker.

Alle Mitreisenden haben das Problem mit der Varroamilbe. Wie dem vorzubeugen ist, soll der Wittener Fachmann erklären. Mit Zahlen, Grafiken, Filmen und Diagrammen zeigt er auf, wie die Milbe richtig bekämpft wird. Und macht Hoffnung: „Die Hälfte aller Imker hat keine Probleme mit Varroa.“ Dadurch, dass die andere Hälfte darüber klagt, sei der Schädling aber immer mehr in den Medien – zu oft, findet Gerhard Liebig.

Mittel mit Augenmaß einsetzen

Die Milbe kann unter für sie günstigen Umständen ihre Population jeden Monat etwa verdoppeln. „Gefährlich wird es erst, wenn die Brut- und Bienenzahl sinkt und Varroa trotzdem zulegt“, sagt Liebig. Daher müssten vor allem die Winterbienen geschützt werden, mit Mitteln wie Ameisen- oder Milchsäure. Dabei gelte aber Augenmaß: „Bei starken Völkern wirkt jede Behandlung schlecht.“ Und natürlich muss der Imker darauf achten, dass das Antimilbengift auf keinen Fall im Honig landet – „das können wir uns nicht erlauben“. Auf gute Augen kommt es dabei durchaus an, denn Varroa bleibt auch ausgewachsen deutlich unter zwei Millimetern Länge und Breite. Bienen sind in der Regel zehnmal so groß. Trotzdem können die Milben durch ihre schiere Anzahl Bienenvölker, die einige zehntausend Exemplare umfassen, in die Knie zwingen.

Gerhard Liebig freut sich über das Interesse aus Südosteuropa. „Sie hören wenigstens zu“, ruft er, ergänzt dann aber, dass auch Westfalen zuhören könnten. Dabei ist fast jeder Satz für einen Imkerkalenderspruch geeignet: „Ein guter Imker zeichnet sich dadurch aus, dass er zu viele Völker hat“, zum Beispiel.

Die Slowenen sind frohgemut. Zwar liegt die lange Heimreise noch vor ihnen, aber mit dem in Witten erworbenen Fachwissen soll die Imkerei künftig besser für die Bienen und schlechter für Varroa ablaufen. Janez Tapainer, der nahe Maribor an der Grenze zu Österreich wohnt, ist begierig, das Erlernte anzuwenden. Er ist Jungimker, sagt er, hat erst dieses Jahr mit dem Hobby begonnen – aktuell nennt er sieben Völker sein Eigen. Die Imkerei sei in Slowenien ein immer beliebteres Hobby: „Es gibt mehr Imker als Ärzte.“

Bedeutendster Bienenschädling

Die Varroamilbe ist als ausgewachsenes Weibchen etwa 1,1 Millimeter lang und 1,6 Millimeter breit. Sie lebt als Parasit an Honigbienen.

Der Befall von Bienenvölkern durch die Milbenart wird als Varroose bezeichnet. Varroa destructor gilt als der bedeutsamste Bienenschädling weltweit.

In Österreich ist die Varroose anzeigepflichtig. In Deutschland wird aufgrund ihrer allgemeinen Verbreitung von einer Anzeige- oder Meldepflicht abgesehen.