Sie stecken in der größten Pampers

Mit Windeln haben Sie wahrscheinlich nichts mehr zu tun. Sie fühlen sich ungewickelt, frei, unabhängig. Falsch!

Sie stecken in der größten Windel der Welt. Merken es aber oft erst, wenn sie leer ist und Sie wund scheuert; oder sehr voll ist und Steuerprobleme macht.


Wir reden von Ihrem Portemonnee. Altdeutsch: Geldbörse. Sie pampert Wohlstandsmenschen bis zur pekuniären Fettsucht. Gesund und schön ist nur, wer es quasi hinblättern kann, das sogenannte Moos: diese Scheine, denen wir einen Gottgleichen Wert zumessen; mit deren Hilfe wir gerne Sachen kaufen, die kein Mensch braucht; für die wir uns vielleicht sogar beruflich prostituieren. Natürlich nur aus berechtigter Angst um die Existenz.


Der Berliner Ökonomie-Professor Günter Faltin hat zwei Bücher geschrieben. Das Erste nannte er: „Kopf schlägt Kapital. Nutze dein Gehirn sofort, über Knete reden wir später.“ Das Zweite: „WIR sind das Kapital. Kreative Persönlichkeiten sind das Zukunftskapital.“ In diesen Büchern werden dem Leser die Windeln um die Ohren gehauen. (Komisch, dass wir sprachlich Windeln immer nur wechseln und nicht entfernen). Faltin warnt davor, dass Menschen handlungsunfähig gemacht werden und verdummen bis zum Burnout.


Wir brauchen bessere Werte, die Menschen gut zu Gesicht stehen: Mut, Selbstbewusstsein, Charakter, Glaube, Liebe, Hoffnung, Humor, Lernen, Wagen, Ändern, Finden, Kombinieren.
Jürgen Ernst Kroll, Pfarrer i.R.