Sie macht jungen Wittenern die Welt der Bücher schmackhaft

Kinderbuchbibliothekarin Deborah Kropf (29) mit einem „Kamishibai“.
Kinderbuchbibliothekarin Deborah Kropf (29) mit einem „Kamishibai“.
Foto: FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Die neue Kinderbibliothekarin Deborah Kropf stellt neue Angebote für junge Leser auf die Beine.Und mistet den alten Medienbestand aus.

Witten..  Was stellst du dir unter einer Bücherei vor? Diese Frage hat Deborah Kropf mal ein paar Kindern gestellt. „Da laufen strenge Frauen rum, die machen immer Psst.“ Diese Antwort hätte Deborah Kropf frustrieren können. Doch die 29-Jährige, die seit 1. September als Kinderbibliothekarin in der Stadtbücherei im Einsatz ist, trägt weder Kostüm noch Dutt. Und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den jungen Lesern zu vermitteln, dass es in einer Bücherei mehr gibt als nur verstaubte Schmöker und man dort „ruhig auch mal laut sein darf“.

In Witten findet sie für ihre Arbeit grundsätzlich gute Voraussetzungen vor. Denn von den insgesamt über 250 000 Ausleihen im letzten Jahr gehen rund die Hälfte aufs Konto der Kinderbücherei. „Das ist Wahnsinn“, freut sich Deborah Kropf. Schlechter sei es da derzeit um die Veranstaltungen bestellt. Weil ihre Vorgängerin, die sie nach wie vor nur vertritt, seit längerem krank ist, lag der Bereich brach. Als Standard gab’s lediglich das Bilderbuchkino. Das soll sich nun ändern.

„Lauschen mit allen Sinnen“ heißt ein neues Angebot für Drei- bis Achtjährige. Ab Februar können Ältere an jedem ersten Samstag im Monat Abenteuer in der Bibliothek erleben. Deborah Kropf veranstaltet dann eine Schatzsuche oder ein Indianerfest. Und will damit vor allem die Jungs locken. „Denn die brechen uns eher weg.“ Deshalb wird auch das „Gaming“, also das Spielen an einer Konsole, bald eine größere Rolle spielen – spätestens mit dem Umzug in den neuen Anbau am Märkischen Museum.

40 000 Medieneinheiten – Bücher, DVDs, CDs, Spiele – hat die Kinderbücherei derzeit zu bieten. Diesen Bestand will Deborah Kropf herunterfahren: „Alles, was älter ist als ich, fliegt raus.“ Dafür schafft sie, sofern der Etat es zulässt, gern Neues an. Etwa ein „Kamishibai“. Das ist ein hölzerner Rahmen, in den man Papierbilder steckt und dazu Geschichten erzählt – wie es Süßigkeitenverkäufer in Japan tun. „Der lässt sich prima in Kitas und Schulen einsetzen.“ Brandneu seien auch Bücher, in denen sich Bilder bewegen, wenn man Handy oder Tablet darüber hält. Auch das Thema E-Books sei nicht zu vernachlässigen. „Viele Jugendliche sind überrascht, dass man die in der Bücherei runterladen kann.“

Sie selbst nutzt das elektronische Buch auf der Zugfahrt zur Arbeit und zurück nach Köln. Morgens liest sie so den Spiegel, auf der Heimfahrt zur Entspannung einen Roman, gern von Agatha Christie. Oder „Nightmares! Die Schrecken der Nacht“, das Kinderbuchdebüt von US-Schauspieler Jason Segel. Zuhause jedoch, da nimmt Deborah Kropf nur richtige Bücher in die Hand. „Ich glaube nicht, dass das Lesen an sich ausstirbt.“ Was ihre jüngsten Kunden angeht, hält sie Vorlesen für besonders wichtig, und „dass das auch Väter und Opas tun“. Durch „Grimms Märchen“ sei ihr Wortschatz in jungen Jahren jedenfalls enorm gewachsen. „Lesen regt eben nicht nur die Phantasie an, es bildet tatsächlich.“