Sicherheitsberater warnen vor Dieben in Altenheimen

„Lieber die Tür abschließen“:  Die Sicherheitsberater Wolfgang und Gaby Diedrichs beraten Seniorin Gerd Lauber (r.).
„Lieber die Tür abschließen“: Die Sicherheitsberater Wolfgang und Gaby Diedrichs beraten Seniorin Gerd Lauber (r.).
Foto: Funke Foto Services
Seniorensicherheitsberater warnen vor Betrügern in Altenheimen: „Betrüger geben sich als Pfleger oder Handwerker aus“

Witten..  Ein Spaziergang vor der Tür, die Wohnung bleibt unverschlossen – kurz darauf sind Schmuck und Geld weg. Gerade Altenheime sind für Diebe und Betrüger ein gelegener Ort, warnen die Wittener Seniorensicherheitsberater Gaby und Wolfgang Diedrichs und raten: Immer misstrauisch sein.

„In Senioreneinrichtungen kann jeder hinein. Mit einem Kittel an stellt sich derjenige bei den Bewohnern vor und sagt: Ich bin der neue Pfleger“, weiß Wolfgang Diedrichs. Nach einer kurzen Ablenkung seien die Wertsachen in den falschen Händen. „Radio, Schmuck, Geld - die nehmen alles.“ Betrüger könnten sich auch als Handwerker ausgeben und auf einen angeblichen Wasserrohrbruch verweisen.

Natürlich sind das Einzelfälle, das bestätigt auch die Polizei. Und doch sollten Heimbewohner – wie auch alle anderen – stets aufpassen und misstrauisch sein, rät Gaby Diedrichs. Und im Fall der Fälle die Heimleitung oder die Polizei benachrichtigen. Das Problem sei, dass viele ältere Leute oft unsicher seien oder sich schlicht über ein Gespräch freuten. „Für Betrüger sind sie das ideale Opfer.“

„Plötzlich stand fremde Frau im Zimmer“

Genau aus diesem Grund gaben sie und Mann Wolfgang nun in der Awo-Senioreneinrichtung Egge Tipps. Während Bewohner auf einem kleinen Sicherheitsparcours den Umgang mit ihren Rollator üben, verteilen die Diedrichs Infomaterial und führen Gespräche. „Wertsachen sollten Sie am besten bei der Heimleitung abgeben“, rät Wolfgang Diedrichs einer Seniorin.

Gerd Lauber nickt. „Ich habe nicht mal Trauringe hier – der Schmuck ist bei den Kindern“, sagt die 92-Jährige mit dem nordischen Vornamen, die gerade ihr Rollator-Training absolviert hat („Das war spaßig, mal was anderes“). Ihre Wohnungstür schließe sie stets ab. „Ich habe mal einen Mittagsschlaf gehalten. Plötzlich stand eine fremde Frau in meinem Zimmer.“ Eine Betrügerin muss es nicht gewesen sein, aber das wisse man eben nicht, weiß Wolfgang Diedrichs. „Lieber die Tür abschließen, auch wenn man drin ist.“ Wenn ein Fremder auf der Matte stehe, solle man die Heimleitung anrufen.

Abschließbare Schränke im Heim

„Wertsachen muss man ja nicht auf dem Zimmer haben“, weiß auch Heimbewohner Erhard Schliwer. Seine Modellautos hat der 70-Jährige zwar in der Vitrine. „Aber wenn abgeschlossen ist, kann nichts passieren.“ Wertsachen erst gar nicht mitzubringen, das rate man den Bewohnern schon beim Einzug, sagt Einrichtungsleiterin Marie-Luise Taylor. „Falls man doch welche hat, gibt es abschließbare Schränke.“ Bargeld könne man sich bei der Leitung abholen.

Auch sonst passt man im Awo-Seniorenzentrum auf: An den Eingängen gibt es Kameras, ab 21 Uhr sind die Türen dicht, das Personal ist angewiesen Fremde anzusprechen, ob man ihnen helfen könne. Taylor: „Da merkt man schon, ob jemand hier hin gehört oder nicht.“