Show der Paradiesvögel in Witten

Magie der Travestie im Saalbau: Ob Mann, ob Frau - wer weiß es genau?  Foto:
Magie der Travestie im Saalbau: Ob Mann, ob Frau - wer weiß es genau? Foto:
Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Den Besuchern gefiel’s: Tanz, Gesang, Erotik und Striptease wurde ihnen bei der Show „Magie der Travestie“ im Saalbau geboten.

Witten..  Das Licht ging aus. Applaus erfüllte den Theatersaal. Und dabei hatte die „Nacht der Illusionen“ noch nicht einmal begonnen. Die Gäste im gut besuchten Saalbau waren gespannt auf die „Magie der Travestie“ und bestens gelaunt. Sie ließen sich mit allen Sinnen auf die gelungene Show der Paradiesvögel der Travestie ein. Mit Tanz, Gesang, Erotik und Striptease - und ein wenig Kabarett.

Illusion, Phantasie und Wirklichkeit verschmolzen in spielerischer Harmonie. Bei funkelnden Roben, wehendem Haar und extravaganten Federboas konnte das Publikum leicht vergessen, dass nicht alles wirklich Frau war, was so üppig und stark geschminkt in atemberaubenden High-Heels über die Bühne rauschte.

Erotisch waren nicht nur die Tanzeinlagen, sondern besonders auch die dunklen, rauchigen Stimmen der Künstler(innen), die Lichtführung und der frivol-bissige Humor, der bis knapp unter die Gürtellinie ging. Nicht immer ganz „jugendfrei“ - aber stets charmant und niveauvoll.

Mal lieb, mal offenherzig, mal Lady, mal Göre - die Damen führten das Publikum von einem Extrem ins andere. Und so ganz nebenbei wurden diese selbst zu Artisten. Gleich zu Anfang stimmte die üppige Blondine Daisy Ray darauf ein. Und wählte Besucher Jörg aus der ersten Reihe zu ihrem Liebling des Abends. Kompliment, denn Jörg spielte diese Rolle spontan und durchaus entspannt. Selbst im Entenkostüm auf der Bühne.

Aufreizend mit dem knackigen Po wackeln

Verwandlungskünstlerin Dyona Lorr trat erst als Pop-Star Prince mit dem Hit „Purple Rain“ im violetten Bühnenlicht auf. Minuten später kreierte sie aus vielen Metern Stoff extravagante Designer-Kleider und wackelte zwischendurch aufreizend mit ihrem knackigen Popo. Eine Modenschau der anderen Art.

In die „gute alte Zeit“ entführte Megy B. die Gäste mit dem Song „Eine richt´ge Dame werd` ich nie“. Die Doppeldeutigkeit dieser Worte ließ sie sich richtig auf der Zunge zergehen. Und ihre Beine im eng geschlitztem Kleid schienen dabei gar nicht mehr enden zu wollen. Ihre Körpersprache war überzeugend weiblich. Daisy Ray und Gene Pascale brachten mit dem Ohrwurm „Auf der Reeperbahn“ den Saal sogar zum Schunkeln.

Viele spitzfindige Wortspiele erheiterten das Publikum. Der Seniorentriathlon im Altenheim - reinkommen, hinsetzen, fernsehen. Das Porzellan-Syndrom als Synonym für „Jemand hat nicht alle Tassen im Schrank“. Oder die Altersheim-Version von Pippi Langstrumpf - alias Pippi Stützstrumpf. Standing-Ovations nach rund drei Stunden Programm hatten sich die sieben Künstler(innen) mehr als verdient.

Ein kleines Geheimnis wurde allerdings nicht verraten. Nämlich - ob in der Show wirklich nur Männer für Unterhaltung sorgten, musste jeder für sich allein entscheiden. Klar ist jedoch, dass es nicht reicht, sich nur ein weibliches Gewand überzustreifen, um zur Frau zu werden. „Wir sind Künstler mit Herzblut und leben unsere Rollen wirklich“, betont Megy B. im Gespräch. „Im wirklichen Leben sind wir keine Exoten, sondern ganz normale Menschen. Wie du und ich.“