Mit düsterer Kunst zum Licht
16.08.2011 | 18:45 Uhr 2011-08-16T18:45:09+0200
Witten.Es gab eine Zeit, da war Dirk Baumert ganz unten, arbeitslos und depressiv. Doch mit seiner Fotokunst-Agentur „duesterart“ kommt er langsam wieder auf die Beine.
Job weg, krank, depressiv. Doch auf Hartz IV wollte er sich nicht ausruhen. Mit seiner Fotokunst-Agentur „duesterart“ kommt der Wittener langsam wieder auf die Beine. Es gab diese Zeit, da wog der heute 40-Jährige 190 Kilo. Das war 2004. Schwerst adipös, das Herz machte nicht mehr mit, das Skelett wollte den schweren Körper nicht mehr tragen, dazu kam Diabetes. Der gelernte Einzelhandelskaufmann war oft krank, verlor seinen Job, drei Selbstmordversuche. Er war unten, ganz unten, am Ende.
„Sechs Jahre lang habe ich gekämpft, um ein Leben auf die Beine zu stellen“, sagt Baumert heute. Magen-OP, Gewichtsreduzierung auf 130 Kilo, Nichtraucher, kein Tropfen Alkohol. Und der Lebensmut ist wieder da.
Diesen Lebensmut brachte ihm sein Hobby, die Liebe zur Fotografie. Daraus, dachte er sich, müsste sich doch etwas machen lassen. „Ich habe immer schon ein Auge für Bilder gehabt. Als Kind habe ich Comics geliebt und die Geschichten nur über die Bilder erfasst.“ Lange Nächte hat er fotografiert, Bildbearbeitungen gemacht, sich weitergebildet. „Ich hatte nichts als eine Idee und ein Grundtalent.“ In der Detailfotografie habe er inzwischen einen Lebensinhalt gefunden. „Sie hilft mir, mich wertzufühlen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben.“
Denn noch immer bezieht er Hartz IV. „Das ist keine befriedigende Situation für mich. Ich brauche Arbeit.“ Mit zwei anderen Leuten hat er sich zusammengetan, einem Make-up- und Hairdesigner, der sich über seine Arbeit Referenzen erwerben will, und einer Mitarbeiterin für SFX-Masken. Das ist eine besondere, zumeist an Theatern und beim Film benötigte Technik, die etwa Wunden, Narben und Geschwüre imitiert. Dazu kommt ein Programmierer für die eigene Website, zwei Leute für Studiolicht, einer für Video und Schnitt - geboren war das Projekt „duesterart“.
„Bislang reicht es gerade, um Hartz IV aufzustocken“, sagt Baumert, der die Spezialfotografie ganz ordnungsgemäß als Gewerbe angemeldet und die Agentur für Arbeit informiert hat. „Aber wir können mehr.“ Beispiele davon finden sich etwa in Bildern, die in Büchern veröffentlicht wurden, auch in einem Schulbuch.
Wer kommt nun zu Baumert und Gefährten, lässt sich in einer zum Teil mehrstündigen Sitzung zum Zombie, zur Ausgeburt der Unterwelt, zum Geschöpf des Grauens oder zum Fürsten der Finsternis umschminken und fotografieren? „Leute, die sich entführen lassen, wollen aus dem Hier und Jetzt, die sich tief verwurzelte Wünsche erfüllen und im Bild festhalten möchten. In jedem schlummert etwas, etwas ganz Verborgenes. Die gute Fee. Der böse Clown.“
„duesterart“ ist - der Name verrät es schon - ein Kunstprojekt, das sich mit schweren, auch schwermütigen Themen befassen will. Und ein Weg für Dirk Baumert, Hartz IV endlich abzuschütteln.
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