Ein Land, viele Unterschiede
11.08.2009 | 10:43 Uhr 2009-08-11T10:43:00+0200Israel ist so vielfältig wie ein Kontinent. Kaum größer als Hessen, hat es von heißester Wüste über angenehm mediterranes Klima bis zu Skiregionen im Winter alles zu bieten.
Nach einem Monat an der Tel Aviver Uni bin ich nun mit Mietauto unterwegs durch das Land. Als Erstes steuere ich den tiefsten Punkt der Erde an: das tote Meer. Sengende Hitze liegt über dem Tal, auf der anderen Seite ist Jordanien. Im Wasser kann man nicht schwimmen, weil der hohe Salzgehalt einen zu weit über die Wasserfläche hebt. Eine touristische Attraktion. Beeindruckend sind die farbigen Felsformationen und am Hang ein Kibbuz – eine einst sozialistisch orientierte landwirtschaftliche Gemeinschaft, die es überall im Land gibt.
Weiter südlich liegt die Wüste Negev. Traumhafte trockene Flusstäler offenbaren die Erdgeschichte im Stein. Wandern aber ist eine Tortur – über 40 Grad zeigt das Schattenthermometer. Dennoch – hier leben Menschen. Ich sehe immer wieder kleine Siedlungen, Beduinen mit Kamelen und Eseln. Ihre Wellblechhütten sind gut von den Häusern der jüdischen Siedler zu unterscheiden.
Im Norden ist alles viel grüner. Hier fließen die wenigen Flüsse des Landes und bringen ein ungemeines Grünen mit sich. In Nazareth wohne ich bei einer christlich-arabischen Familie. Nach vier Wochen in jüdischer Umgebung tut sich ein ganz anderer Blickwinkel auf. Aller erscheint anders. Mehr aber noch, als ich mit Muslimen in der Stadt spreche. Nazareth ist anders als Tel Aviv – durch die Stadt klingt der Muezzinruf und weckt um 4.20 Uhr, aber auch Kirchengeläut ist zu vernehmen. Die Menschen sprechen vornehmlich arabisch.
Eine Nacht wohne ich im Kibbuz „Harduf”, auf deren Gelände eine große Waldorfschule ist. Einige Mitarbeiter sprechen deutsch – sie haben in Deutschland Waldorfpädagogik studiert, einer in Annen.
Von Jerusalem, wo ich vier Tage bleiben kann, fahre ich auch ins Westjordanland. In Deutschland hat man mir davon abgeraten. Aber wieso nicht mal nach Palästina gucken? Da wohnen ja auch nur Menschen. In Bethlehem bereitet sich die Fatah-Partei auf ihren Parteitag vor, alles wird mit Fahnen behängt.
Mit besonderer Herzlichkeit bekomme ich einen Kaffee in einem schnell für mich auf der Straße improvisierten Cafe´. Ich fühle mich nicht anders als in Israel, auch wenn ich zuvor durch den acht Meter hohen Sicherheitszaun fahren musste, der bei Jerusalem eine Betonmauer ist, was eine eindrückliche Hürde darstellt.
Ja, es scheint als habe dieses Land auch die Probleme eines Kontinents auf seiner kleinen Fläche. Ab nächster Woche bin ich in den USA – dort kann ich wohl homogenere Regionen erleben.
22:50
Jaja, das glaube Sie ja wohl selbst nicht @ Elena Nachter!
Waren Sie schon mal in Isreal? Ich war im Sommer 2008 dort.
Wenn man nicht erwähnt, dass man Christ ist oder gar, dass man Deutscher ist, wird man kaum angeguckt. Außer natürlich von den schwer bewaffnete Soldaten.
Wirklich ein wunderschönes Land. Auch das Ausziehen bis auf die Unterhose am Flughafen war ein wahres Highlight!
Einmal und nie wieder!
14:32
Scharf beobachtet: Das zeichnet Israel eben aus: Die Araber leben unbeschwert ihre Religion als Mohammedaner oder Christen aus. Mit einem jüdischen Gebetskäppi, der Kipa, durch eine arabische Stadt zu gehen wäre hingegen lebensgefährlich.