Senioren-WG feiert ersten Geburtstag
11.10.2010 | 15:01 Uhr 2010-10-11T15:01:00+0200
Witten.„Hier gibt’s keinen Zank und Streit, wir kommen alle miteinander klar“, sagt Irmgard Reppel. Und die 84-Jährige spricht nicht von ihren Nachbarn, sondern von ihren Mitbewohnern. Sie lebt in der Senioren-WG am Bodenborn 47, die jetzt ihren ersten Geburtstag feierte.
Schlagermusik tönt aus den Lautsprechern, über den Hof weht der Duft frisch gebackener Waffeln. Und an dem weißen Zelt hängen Flyer mit wichtigen Terminen: Einen Gesprächkreis gibt es zum Beispiel regelmäßig, einen Kochclub, Spiele- und Handarbeitsnachmittage. Und drinnen haben es sich einige der Bewohner mit Gerhard Rother, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte, Elisabeth Both von der Caritas und Jürgen Dietrich, dem Vorsitzenden des Sozialausschusses auf dem Sofa gemütlich gemacht. Zurückblicken wollen sie auf knapp 14 Monate Senioren-WG.
„Wir sind froh, dass wir’s gemacht haben“, sagt Gerhard Rother. Die Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte habe zunächst überlegt, in der ehemaligen Gaststätte eine neue anzusiedeln, sei aber dann durch ein Seminar auf die Idee gekommen, eine Wohngemeinschaft für ältere Leute einzurichten. Sie steckte 300 000 Euro in den Umbau, sorgte für behindertengerechte und barrierefreie Räume und einen Außen-Eingang zur Kegelbahn. Die nutzt seither die Awo Bommern, die aus der Brenschenschule weichen musste. Drei Stunden täglich bis zum Mittag kommen Mitarbeiter der Caritas, die mit den Senioren einkaufen und kochen. Zweimal in der Woche organisieren die Mitarbeiter außerdem einen Nachmittag. Was gemacht wird, entscheiden die Senioren. Genauso, wie über das Mittagessen demokratisch abgestimmt wird.
Wie die finanzielle Bilanz der WG sei, das zeige sich erst zum Ende des Jahres, so Gerhard Rother weiter. „Aber ich gehe davon aus, dass es passt.“ Im Moment seien zwei Zimmer frei. Doch vielleicht war schon beim Nachbarschaftsfest jemand dabei, der bald zur WG stößt. Vorher muss er allerdings eine Woche zur Probe wohnen, „um zu gucken, ob’s passt“, erklärt Rother. Damit sei man im letzten Jahr gut gefahren.
„Alle sind miteinander zufrieden“, bestätigt Luise Zappe (89), die damals als erste am Bodenborn 47 einzog. „Mein Partner ist gestorben“, erzählt Hildegard Maas (85) ihre Geschichte. 22 Jahre hätten sie zusammen gewohnt. Ihr Sohn machte sich dann Sorgen, wollte sie dort nicht ganz alleine wissen. „Er las dann in der Zeitung von der Senioren-WG, meldete mich hier an – und machte mich glücklich.“
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