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Senioren in Witten-Bommern beklagen untätige Eigentümer

14.02.2016 | 11:18 Uhr
Senioren in Witten-Bommern beklagen untätige Eigentümer
Die nasse Wand im Schlafzimmer von Grete Lucas senkt den Wohlfühlfaktor gegen Null. Knut Unger fordert die Beseitigung des Schadens.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Feuchte Wände und Lärmbelästigung senken die Wohnqualität in der Wohnanlage „In den Espeln“. Auch die Betriebskostenabrechnung ist fehlerhaft.

Feuchte Wände, eine fehlerhafte Betriebskostenabrechnung und eine lärmende Nachbarin – in der Wohnanlage „In den Espeln“ wissen die Bewohner gar nicht, welchen Missstand sie zuerst aufzählen sollen. Am größten ist der Ärger darüber, dass der Eigentümer, die Fonds-Gesellschaft „SwissLife Real Estate“ mit Sitz in Luxemburg, nicht greifbar ist.

Als Margarete Wentzel (86) vor 18 Jahren in das Gebäude der ehemaligen Zahnklinik in Bommern zog, hatte sie dafür gute Gründe. Neben den altersgerechten Wohnungen sprachen sie vor allem die Serviceleistungen an. Der Gesellschaftsraum, die Hausmeisterin und die Option, die Kurzzeitpflege einer im Haus ansässigen Einrichtung in Anspruch zu nehmen. Die hohe Miete nahm sie dafür in Kauf und bis 2010 lebte es sich auch prima in einer der besten Wohnlagen Wittens. Mit dem Verkauf der Wohnanlage an eine Fonds-Gesellschaft nahm der Ärger jedoch seinen Lauf.

Bewohner fühlen sich nicht wohl

Weder die „Fünfzehnte ZBI Wohn- und Gewerbeimmobilien Vermietungs AG & Co. KG“, seit 2015 in Liquidation, noch der heutige Eigentümer „SwissLife Real Estate Management Funds“ nehmen seither ihre Verantwortung als Vermieter gewissenhaft wahr. Immerhin haben es die Bewohner mit Hilfe des MieterInnenvereins geschafft, dass nicht alle Serviceleistungen gestrichen wurden. So hatte es die ZBI ursprünglich vorgesehen. Wirklich wohl fühlen sich die Bewohner in dem Haus trotzdem nicht.

Lokales
Bushaltestelle wird nicht angefahren

Die Tagesbruchgefahr und die damit einhergehende Baustelle auf der Alten Straße beeinträchtigt obendrein die Mobilität der Senioren. Die Buslinie 379 fährt momentan die Haltestelle „In den Espeln“ nicht an.

Statt wenige Meter müssen die Bewohner eine weite Strecke bis zur Haltestelle „Bommeraner Heide“ laufen. Nach Abschluss der Bauarbeiten, das bestätigte die Bogestra, wird sich dieses Problem wieder erledigt haben.

Das hat Gründe. Seit längerer Zeit dringt bei Regen Wasser in den Hausflur ein, an Wänden und Decken prägen hässliche gelbe Flecken das Bild des Gebäudes. Trotz mehrfacher Aufforderung ist die Wohnungsverwaltung ZBVV, eine ZBI-Tochter mit Verwaltungsvollmacht, nicht in der Lage, den Schaden zu beheben. Betroffen ist auch Grete Lucas. Die 95-Jährige zahlt 10,83 Euro Miete pro Quadratmeter – ein stolzer Preis. Infolge beschädigter Dachziegeln entstand ein Feuchtigkeitsschaden an einer Wand in ihrem Schlafzimmer. Auch hier reagierte lange Zeit weder die ZBVV noch der Vermieter. Ein Auszug kommt für Lucas nicht in Frage: „Wo soll ich denn hin?“, fragt sie.

Teilerfolg erzielt

Erst als Jens Storchmann von der Wohnungsaufsicht im Amt für Wohnen und Soziales der Stadt Witten tätig wurde und die Hausverwaltung erreichte, konnte ein Teilerfolg erzielt werden. Ein Dachdecker hat die Ursache des Schadens mittlerweile repariert. Die Folgeschäden in Lucas’ Wohnung indes sind noch immer da. Die einzige Lösung für den Fall, dass der Eigentümer nichts unternimmt, ist eine Ersatzvornahme. Das heißt, Lucas wird den Schaden selbst beheben lassen und anschließend die Kosten vom Vermieter einfordern.

Dabei behilflich ist Knut Unger, Sprecher vom Mieterverein, durch den sich die Bewohner vertreten lassen. Er hat noch mit einigen weiteren Baustellen zu kämpfen und dafür gesorgt, dass einige Mieter Mietminderungen vorgenommen haben. Weil das Haus in keinem guten Zustand und nur dank einer fleißigen Hausmeisterin noch nicht gänzlich verwahrlost ist, sind die eigentlich gefragten Seniorenwohnungen unattraktiv geworden. Der Preis für Neumieter beträgt deutlich weniger als 10 Euro, Ende letzten Jahres gab es sogar eine Einzugsprämie in Höhe von 500 Euro. Dem von der ZBVV beauftragten Makler ist es offenbar egal, wie er die Wohnungen vermietet bekommt. Seit einiger Zeit lebt eine junge Frau im Haus, die immer wieder für Ruhestörungen sorgt.

Unsensible Belegungspolitik

„Das ist eine unsensible Belegungspolitik, die keinen Sinn macht“, sagt Unger. Er fordert die Reparaturen aller Schäden, korrekte Nebenkostenabrechnungen, sensible Wohnungsbelegung, die Senkung der überhöhten Mieten und vor allem „einen greifbaren Ansprechpartner, der sich um die Anliegen kümmert.“ Auf WAZ-Anfrage gab die ZBVV keine Auskunft und konnte auch den Kontakt zum Eigentümer nicht herstellen.

Marcel Kling

Kommentare
14.02.2016
19:55
Die Anlage wurde beim Bau als gehoben vermarktet
von p.s.a | #4

die Miete spricht da eine deutliche Sprache.

Das die Käufer keine Innensanierung betreiben, lässt erwarten, das die Hütte komplett umgebaut werden...
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5 Antworten
Bereich C = Neubau
von ukw123 | #4-1

Als der "Neubau" bezugsfertig war, gab es eine natürliche Person als Hausbesitzer, bzw. Hauseigentümer... Dieser Mensch erstellte ordentliche Mietverträge, es gab ordentliche Nebenkostenabrechnungen...

Es gab eine gut gemischte Mieterschaft.

Wenn ein Hauseigentümer seinen Besitz verkauft, dann sollten Mieter auch in der Lage sein mit dem neuen Eigentümer in Kontakt zu treten...
Der neue Eigentümer möchte ja schließlich Mieteinnahmen haben - dann muss er sich den Mietern auch vorstellen...
Jedenfalls würde ich niemandem Geld überweisen der mir nur eine Kontonummer nennt und ansonsten einfach nicht existent ist...

Wo genau finde ich die Gesetze die Mietern ein Anrecht auf einen privaten Kleinvermieter geben.
von p.s.a | #4-2

Natürlich ist das Verhalten der Heuschrecke menschenverachtend, aber ihr favorisierter Kleinvermieter kam mit dem Objekt offensichtlich nicht mehr klar.

Die andere Seite ist, die Heuschrecke wurde mit völlig überzogenen Mieten geködert um dann festzustellen, dass das Haus marode ist, und gegen neue Altenwohnungen aus vielerlei Gründen kaum konkurrenzfähig ist Wobei ich kein Mitleid für das grüne Ungeziefer habe.

Zwischen den Polen werden die Altmieter zerrieben.

Da kann man einen Rumpelstilzchentanz machen, (vorsieht wegen der Tagesbrüche) oder der Realität ins Auge sehen.

Selbst wenn ganz Witten diese Manager für eine Schweinebande hält interessiert das in Luxemburg keine Sau. Bedauerlich vielleicht der örtliche Makler, der seinen Ruf durch die Tätigkeit für so eine Gesellschaft beschädigt, es sei denn das ganze ist nur eine Strohfirma dieses Maklers.

@p.s.a.: örtlicher Makler?
von ukw123 | #4-3

...von welchem örtlichen Makler reden Sie?
Wo haben Sie den denn gefunden?

Der ehemalige Eigentümer der Wohnanlage hat sein Eigentum verkauft... Das ist sein gutes Recht... Vielleicht badet er jetzt seine Füße in Champagner...

In dieser Wohnanlage gab es nie Alten- bzw. Seniorenwohnungen...

Die Wohnungen waren von ihrer Ausstattung her teilweise! Senioren- bzw. Behinderten-gerecht (um)-gebaut.

Im Artikel steht etwas von einem Makler
von p.s.a | #4-4

War das Jägerlatein haben sie keinen örtlichen Ansprechpartner der unter Umständen Wert auf einen guten Ruf legen könnte. Macht die Situation für die Mieter nicht einfacher.

Die Anlage wurde bei Bau schon als seniorengerechte hochwertige Wohnanlage vermarktet - wofür auch die 10 €/m² sprechen. So die ist nun nicht erzielbar.

Bleibt die Frage wie setze ich den Eigentümer, seine Statthalter oder wen auch immer so unter Druck, das die alte Dame die Renovierung noch erlebt. Hat die Dame Geld, renoviert sie selbst und überlässt Mieterverein und evt. Erben den Prozessärger.

Hat sie kein Geld, sollte sie besser eine vernünftige seniorengerechte Wohnung suchen. Bei 10 €/m² sollte das kein Problem sein. Da gibt es bestimmt auch Vermieter, die eine Wohnung für sie umbauen.

@p.s.a.: das stimmt nicht!
von ukw123 | #4-5

Zitat: Die Anlage wurde bei Bau schon als seniorengerechte hochwertige Wohnanlage vermarktet - wofür auch die 10 €/m² sprechen.

Ich weiß nicht wie Sie zu Ihrem UNWISSEN kommen!!!

Die Wohnanlage war NIE als Senioren-Wohnanlage ausgewiesen!!!

Bei Erstbezug des Haus C in 1997 war von € = Euro noch keine Rede...

51qm Wohnfläche kosteten monatlich 775 DM Miete.

Es gab einen durchaus üblichen Staffelmietvertrag und die oberste Stufe dieses Staffelmietvertrages endete 2005 bei 457,50 €

Daraus ergibt sich, dass erst seit 2005 ein Mietpreis von 9 € angezeigt ist.

Wenn allerdings angehende Mieter bereit sind einen höheren Mietpreis zu zahlen, bzw. bereit sind zu Bedingungen in das Haus einzuziehen die es erst bei diesem neuen seltsamen "Eigentümer" gab, dann ist das deren Sache...

Bis zur vergangenen Woche wurden die Wohnungen jedenfalls sehr viel billiger angeboten...

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2016-02-14 11:18
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