Senioren in Witten-Bommern beklagen untätige Eigentümer

Die nasse Wand im Schlafzimmer von Grete Lucas senkt den Wohlfühlfaktor gegen Null. Knut Unger fordert die Beseitigung des Schadens.
Die nasse Wand im Schlafzimmer von Grete Lucas senkt den Wohlfühlfaktor gegen Null. Knut Unger fordert die Beseitigung des Schadens.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Feuchte Wände und Lärmbelästigung senken die Wohnqualität in der Wohnanlage „In den Espeln“. Auch die Betriebskostenabrechnung ist fehlerhaft.

Witten..  Feuchte Wände, eine fehlerhafte Betriebskostenabrechnung und eine lärmende Nachbarin – in der Wohnanlage „In den Espeln“ wissen die Bewohner gar nicht, welchen Missstand sie zuerst aufzählen sollen. Am größten ist der Ärger darüber, dass der Eigentümer, die Fonds-Gesellschaft „SwissLife Real Estate“ mit Sitz in Luxemburg, nicht greifbar ist.

Als Margarete Wentzel (86) vor 18 Jahren in das Gebäude der ehemaligen Zahnklinik in Bommern zog, hatte sie dafür gute Gründe. Neben den altersgerechten Wohnungen sprachen sie vor allem die Serviceleistungen an. Der Gesellschaftsraum, die Hausmeisterin und die Option, die Kurzzeitpflege einer im Haus ansässigen Einrichtung in Anspruch zu nehmen. Die hohe Miete nahm sie dafür in Kauf und bis 2010 lebte es sich auch prima in einer der besten Wohnlagen Wittens. Mit dem Verkauf der Wohnanlage an eine Fonds-Gesellschaft nahm der Ärger jedoch seinen Lauf.

Bewohner fühlen sich nicht wohl

Weder die „Fünfzehnte ZBI Wohn- und Gewerbeimmobilien Vermietungs AG & Co. KG“, seit 2015 in Liquidation, noch der heutige Eigentümer „SwissLife Real Estate Management Funds“ nehmen seither ihre Verantwortung als Vermieter gewissenhaft wahr. Immerhin haben es die Bewohner mit Hilfe des MieterInnenvereins geschafft, dass nicht alle Serviceleistungen gestrichen wurden. So hatte es die ZBI ursprünglich vorgesehen. Wirklich wohl fühlen sich die Bewohner in dem Haus trotzdem nicht.

Das hat Gründe. Seit längerer Zeit dringt bei Regen Wasser in den Hausflur ein, an Wänden und Decken prägen hässliche gelbe Flecken das Bild des Gebäudes. Trotz mehrfacher Aufforderung ist die Wohnungsverwaltung ZBVV, eine ZBI-Tochter mit Verwaltungsvollmacht, nicht in der Lage, den Schaden zu beheben. Betroffen ist auch Grete Lucas. Die 95-Jährige zahlt 10,83 Euro Miete pro Quadratmeter – ein stolzer Preis. Infolge beschädigter Dachziegeln entstand ein Feuchtigkeitsschaden an einer Wand in ihrem Schlafzimmer. Auch hier reagierte lange Zeit weder die ZBVV noch der Vermieter. Ein Auszug kommt für Lucas nicht in Frage: „Wo soll ich denn hin?“, fragt sie.

Teilerfolg erzielt

Erst als Jens Storchmann von der Wohnungsaufsicht im Amt für Wohnen und Soziales der Stadt Witten tätig wurde und die Hausverwaltung erreichte, konnte ein Teilerfolg erzielt werden. Ein Dachdecker hat die Ursache des Schadens mittlerweile repariert. Die Folgeschäden in Lucas’ Wohnung indes sind noch immer da. Die einzige Lösung für den Fall, dass der Eigentümer nichts unternimmt, ist eine Ersatzvornahme. Das heißt, Lucas wird den Schaden selbst beheben lassen und anschließend die Kosten vom Vermieter einfordern.

Dabei behilflich ist Knut Unger, Sprecher vom Mieterverein, durch den sich die Bewohner vertreten lassen. Er hat noch mit einigen weiteren Baustellen zu kämpfen und dafür gesorgt, dass einige Mieter Mietminderungen vorgenommen haben. Weil das Haus in keinem guten Zustand und nur dank einer fleißigen Hausmeisterin noch nicht gänzlich verwahrlost ist, sind die eigentlich gefragten Seniorenwohnungen unattraktiv geworden. Der Preis für Neumieter beträgt deutlich weniger als 10 Euro, Ende letzten Jahres gab es sogar eine Einzugsprämie in Höhe von 500 Euro. Dem von der ZBVV beauftragten Makler ist es offenbar egal, wie er die Wohnungen vermietet bekommt. Seit einiger Zeit lebt eine junge Frau im Haus, die immer wieder für Ruhestörungen sorgt.

Unsensible Belegungspolitik

„Das ist eine unsensible Belegungspolitik, die keinen Sinn macht“, sagt Unger. Er fordert die Reparaturen aller Schäden, korrekte Nebenkostenabrechnungen, sensible Wohnungsbelegung, die Senkung der überhöhten Mieten und vor allem „einen greifbaren Ansprechpartner, der sich um die Anliegen kümmert.“ Auf WAZ-Anfrage gab die ZBVV keine Auskunft und konnte auch den Kontakt zum Eigentümer nicht herstellen.