Seit 15 Jahren gurrt es im Wittener Lutherpark

Eine der Aufgaben der Stadttaubeninitiative:
Eine der Aufgaben der Stadttaubeninitiative:
Foto: Elles
Was wir bereits wissen
Im Jahr 2000 errichtete die Wittener Stadttaubeninitiative den Taubenturm. Durch Eiertausch wurde in der Zeit das Schlüpfen von 9000 Jungvögeln verhindert.

Witten..  Einst erregte er die Gemüter, längst hat man sich an den Pfahlbau im Lutherpark gewöhnt: Die Initiative „Stadttauben e.V.“ feierte nun das 15-jährige Bestehen des Taubenturms.

„Rückblickend danken wir allen Mitwirkenden, die es geschafft haben, diesen Turm in einem Jahr, trotz aller Schwierigkeiten, zu bauen“, schreibt die Vereinsvorsitzende Lilo Elles zum Jubiläum. Besonderes hervorheben möchte Elles den damaligen Amtsleiter Dieter Geiss, sowie zahlreiche Spender.

Was hat dieser Turm gebracht? Etwa 9000 Eier wurden in 15 Jahren gegen Gipseier ausgewechselt. Und das sind eben auch 9000 Jungtauben weniger. Die Tiere sind gesund. Viele Schulklassen und Kindergärten haben sich an ihnen erfreut, längst sei der Turm ein fester Bestandteil Wittens geworden.

Tägliche Fütterung um 10 Uhr

Etliche ehrenamtliche Helfer leisten am Taubenturm für ein kleines Entgelt seit vielen Jahren gute und zuverlässige Arbeit. Diese ist nicht einfach: bei Wind und Wetter muss man Wasser tragen, Säcke schleppen, den Turm säubern und für Ordnung sorgen. Gefüttert werden die Tauben täglich zwischen 10 und 11 Uhr.

Seit 2010 hat die Stadttaubeninitiative ihre „Eieraktion“ ausgeweitet. Inzwischen wird auch in die Brutplätze in Häuserfassaden an der Bahnhofstraße, Ruhrstraße und Poststraße gegriffen und echte Eier gegen Gipseier getauscht. „Nur Tauben töten steht nicht auf unserem Programm, was oft verlangt wird“, meint Elles.

Der Eiertausch helfe dazu, die Zahl der Stadttauben in Witten zu reduzieren. Die grauen Vögel sind Brieftauben, die ihrem Besitzer ausgebüxt sind (oder nicht mehr abgeholt werden) und dann frei leben. „Aber durch den Taubensport werden immer wieder Tauben in den Städten landen, was man nicht verhindern kann“, so Elles. Auch in Hinterhöfen brüten Tauben, „die wir leider nicht erreichen und die nicht gemeldet werden“.

Stadt strich Tierarztpauschale

Die Initiative freut sich, dass es bald hinter der Rathausuhr einen „Taubenschlag“ geben soll. Die Wittener Jägerschaft betreut dieses Projekt. „Die Pionierarbeit dafür hat aber unser Verein geleistet und wir erwarten auch einen Erfolg.“

Zurzeit setzt sich der Verein für zwei betreute Futterplätze in der Innenstadt ein – der Anblick von „verzweifelt nach Futter suchenden Tauben“ sei nicht länger zu ertragen gewesen. Bei Verwaltung und den Fraktionen sei die Idee auf wenig Resonanz gestoßen. „Dabei wäre es für alle einfacher, einmal täglich die Tauben füttern zu sehen, als den ganzen Tag hungernde Tauben zu beobachten.“

Elles weiter: „Dass die Tauben im Rathaus keine Lobby haben, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die minimale Tierarztpauschale, die für die Behandlung von Tieren seitens der Stadt gezahlt wird, aktuell für Tauben gestrichen wurde.“

Das sich auch allein mit viel Willen und privaten Geldern für die Stadttauben einsetzen könne, beweise dagegen der Taubenturm: Seit nunmehr 15 Jahren sei dieser eines der erfolgreichsten ,,Public-private-partnership“-Modelle in der Stadt Witten.