Sechs Kilometer neue Radstreifen in fünf Jahren in Witten

Das Radfahren auf der Herbeder Straße ist kein Vergnügen.
Das Radfahren auf der Herbeder Straße ist kein Vergnügen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Geld für ganz neue Wege gibt es nicht. Doch im Zuge von Straßenbaumaßnahmen sollen Lücken im Radwegnetz geschlossen werden.

Witten.. In Sachen Fahrradfreundlichkeit gibt es in Witten „noch viel Luft nach oben“, sagt Susanne Rühl, Vorsitzende des ADFC Ennepe-Ruhr. Nur eine „lückenlose, sichere und bequeme Infrastruktur“ könne mehr Bürger dazu bewegen, auf kurzen Strecken aufs Auto zu verzichten und stattdessen zu radeln. Der ADFC hatte deshalb ein städtisches Radverkehrskonzept gefordert. Die Wittener Verkehrspolitiker haben dafür grünes Licht gegeben. Es besteht aus mehreren Bausteinen.

Die Ziele

Für fünf Prozent aller Wege nutzen die Wittener heute das Rad. In zehn Jahren sollen sie zum dann erwarteten deutschen Durchschnitt von 13 Prozent ausgeschlossen haben. Das heutige Wittener Radverkehrsnetz ist etwa 70 Kilometer lang. Davon dienen 21 Kilometer dem Alltagsverkehr, 49 Kilometer dem Freizeitverkehr. Weitere sechs Kilometer sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre gebaut werden. Fernziel: 100 Kilometer Gesamtlänge.

Lücken schließen: Rot

Leben im Revier Ganz neue Radwege zu bauen, kann sich Witten nicht leisten. Aber: Im Zuge ohnehin nötiger Umbaumaßnahmen werden für den Alltagsverkehr weitere Radfahrstreifen (durchgezogene Linie) oder Schutzstreifen (gestrichelte Linie) angelegt, soweit die Straßenbreite es zulässt. Das gilt für die in den nächsten fünf Jahren vorgesehenen Umbauprojekte: Kreuzung Ardey-/Husemann-/Dortmunder Straße, Pferdebachstraße, untere Ruhrstraße (Verbreiterung durch Geländezukauf), Sprockhöveler Straße, Crengeldanzstraße. Die Herbeder Straße soll im Zuge des doppelgleisigen Ausbaus der Linie 310 „mittelfristig“ folgen. Die wichtigsten Lückenschlüsse sind im Plan rot markiert.

Blau

Blau markiert sind im Plan der Stadt bereits bestehende Radwege oder Radstreifen. Blau gestrichelt sind noch zugelassene Bürgersteigradwege, die man heute nicht mehr so bauen würde: Hellweg, Gerichtsstraße und Winkelstraße.

Gelb

Gelb markiert sind festgestellte Lücken im Netz, für die es entweder noch keine beschlossene Planung gibt (Hans-Böckler-Straße, unterer Wannen) - oder die mangels Platz (Beispiel: obere Ruhrstraße) wohl ohne Radstreifen bleiben werden.

Grün

Radrouten: Oberer Wannen, Breite - und Gartenstraße gelten wegen 30 km/h als tauglich. Grün ist auch ein Radweg durch Fischertalweg/Am Wannenbach, der die Sprockhöveler Straße auf der Eisenbahnbrücke überquert – bisher „eine Idee“.

Zeitgemäße Abstellmöglichkeiten

Radwege und sichere Straßen sind für Radfahrer sicherlich das Wichtigste. Aber auch für Wittens Verkehrsplaner Andreas Müller sind sie nicht alles.

Wolle man mehr Wittenern aufs Rad helfen, müssten auch weitere Umstände verbessert werden. Über passende Verleihsyteme müsse man nachdenken und den Übergang vom Rad auf die Bahn – und umgekehrt – erleichtern.

Abstellmöglichkeiten fehlten entweder überhaupt oder es gebe zu wenige davon oder sie seien nicht mehr zeitgemäß. Das gelte an Schulen, am Bahnhof, in der Innenstadt und selbst an der Uni. Optimal aus Müllers Sicht sind wettergeschützte Unterstände mit ausreichendem Platz. Die Räder sollen sich nicht „verhakeln“. Reine Vorderradbügel seien auch nicht mehr erste Wahl – „da macht man sich beim Abschließen doch jedesmal die Hände schmutzig“.

Ingenieurbüro soll Strategie erarbeiten

Im Rahmen des Radverkehrskonzeptes sollen auch Arbeitgeber wie das Ev. Krankenhaus mit ins Boot geholt werden. Es liegt direkt am Rheinischen Esel, und die Parkplätze werden dort immer knapper. Beschäftigte mit einer längeren Anreise seien auch auf einem Raum zum Umziehen angewiesen.

Bestandsaufnahme und Ziele für das Radverkehrskonzept (siehe oben) sind in einer städtischen Verwaltungsvorlage formuliert. Mit der Umsetzung wird die Stadt bald ein Ingenieurbüro beauftragen. Es soll Strategien entwickeln (Fördertöpfe!), diese Ziele zu erreichen, weitere Lückenschlüsse vorschlagen, Lösungen für die Anbindung von Stadtteilen finden, die Beschilderung überprüfen.

Der Plan oben ist ein Ausschnitt. Mühsamer Weg zum Gesamtplan: www.witten.de, Bürgerservice, Ratsinformation öffentlich, Sitzungskalender, 11. 11. 2014, Ausschuss für Verkehr, TOP 2, Anlage 2