Schwächungspakt Kultur in Witten
14.02.2012 | 17:19 Uhr 2012-02-14T17:19:00+0100
Witten.In der kommenden Saison wird es möglicherweise weder Theateraufführungen noch Konzerte im Saalbau geben, die von der Wittener Kulturgemeinde veranstaltet werden. Einen entsprechenden „Brandbrief“ erhielten alle Abonnenten und die rund 1800 Mitglieder vom Vorsitzenden Dr. Gert Buhren (66).
Grund für den Alarm : Bis spätestens März müssen die Verträge mit Schauspielbühnen und Konzertagenturen für die Saison 2012/13 unterzeichnet werden. Wegen des Stärkungspakts des Landes, der der Stadt ein eigenes umfangreiches Sparkonzept abverlangt, kann die Stadt aber erst Förderzusagen machen, wenn der Haushalt im Mai verabschiedet wird. Dann ist es für Buchungen jedoch zu spät.
Die Wittener Kulturgemeinde erhielt bisher einen Jahreszuschuss von 144 000 Euro. „Es gibt derzeit keine Rechtsgrundlage, die eine Finanzierungszusage für die kommende Saison ermöglicht“, so Dirk Steimann, Vorstand des Kulturforums. „Erst wenn der Rat den Doppelhaushalt verabschiedet hat, können wir darüber reden.“ Das betreffe Kulturgemeinde und Volksbühne ebenso wie etwa die Tage für Neue Kammermusik. Er wünscht sich mehr Hilfe aus Düsseldorf: „Die Stadt wird mit dem Problem allein gelassen.“ Ein Brief des Verwaltungsrats an Innenminister Ralf Jäger (SPD) ist unterwegs.
Als noch Geld da war, gab es zwei fast stets ausgebuchte Konzertringe - Weiß und Rot. In den Ring Weiß kam man quasi nur durch Erbschaft. Es spielten Anne-Sophie Mutter, Claudio Arrau und die großen Orchester Osteuropas. Jetzt wird mit einem Schlag nahezu das gesamte Kulturangebot Wittens, immerhin Mit-Kulturhauptstadt Europas 2010, in Frage gestellt. 51 geplante Aufführungen der Kulturgemeinde und Volksbühne von Millowitsch bis Mozart finden wegen der fehlenden Finanzierungszusage womöglich nicht statt.
Das wäre ein Verlust an Lebensqualität und Image, der nicht wieder aufzuholen ist. Wer mobil ist, kann nach Dortmund oder Bochum abwandern. Die anderen blieben in der Kulturwüste Witten sitzen. Wollen wir beides? Können wir beides verantworten? Kultur ist ein wichtiger Standortfaktor für Wirtschaftsansiedlungen. Das muss der Stadt schon jetzt klar sein: Wer Brecht und Bach streicht, streicht auch die Jobs der Zukunft. (Kommentar: Bernd Kassner)
Konsequenz: Die Bühne bleibt womöglich dunkel. „Ohne den in den letzten Jahren bereits deutlich gekürzten Zuschuss ist ein solch anspruchsvolles und vielseitiges Programm, wie es bisher die Kulturgemeinde angeboten hat, nicht zu finanzieren“, sagt Dr. Gert Buhren. Geplant sind die Neujahrsoperette „Die Fledermaus“, die „Dreigroschenoper“, „My Fair Lady“, der „Schimmelreiter“ sowie Gastspiele der Jungen Dt. Philharmonie, des Musikkorps der Bundeswehr und des Georgischen Kammerorchesters.
Diese und andere Tourneeveranstaltungen sind reserviert - fest gebucht werden müssen sie bis Anfang März. Buhren: „Die Vorstandsmitglieder sehen sich wegen der fehlenden finanziellen Zusagen und weiteren drohenden Einschnitten dazu nicht in der Lage. Als Vorstand eines eingetragenen Vereins könnten sie unter Umständen sogar in persönlichen Regress genommen werden. Wir spielen mit offenen Karten: Damit wird es in der Saison 2012/13 wahrscheinlich kein neues Angebot der Kulturgemeinde geben.“
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. März will der Vorstand die Kulturgemeinde über den Stärkungspakt und die Folgen für die Kultur informieren. Zuvor wird es ein Gespräch mit der Bürgermeisterin am 23. Februar geben. Ohne den städtischen Zuschuss geht es nicht.
„Unsere Rücklagen reichen nicht einmal aus, um zwei Konzerte zu finanzieren. Bei jeder Veranstaltung haben wir einen durchschnittlichen Fehlbetrag von 40 Prozent“ , sagt Buhren. Während Kindertheater keinen Verlust einfahren, gibt es bei Schauspielen ein geringes, bei Konzertveranstaltungen und Opern ein Minus von über 50 Prozent.
„Wenn wir nicht bis März die Verträge unterschreiben, ist die Saison gelaufen“, fürchtet Buhren. „Dabei bekommt die Stadt einen Großteil des Zuschusses doch wieder zurück. Allein für die Saalbaumiete zahlen Volksbühne und Kulturgemeinde zusammen 130 000 Euro.“
12:08
Alles in Ordnung, liebe(r) ro-fisch......
Wenn aber Kultur -teils jahrhundertalt- sich ökonomisch als tragfähig erweisen muss. dann ist doch da ein Fehler im System, der nicht nur unbedingt den aktuell klammen Kassen geschuldet ist. Wer z.B. der nachwachsenden Generation etwas über das "woher und wohin" beibringen möchte, der MUSS zwangsläufig auch auf die Klassiker zurückgreifen. Wer NICHT will, dass der "gemeine Deutsche" schon mit dämlichen Doku-Soaps, die einen vermeintlichen Alltag vorgaukeln, zufrieden ist, der muss auch ein Gegenangebot bereitstellen. Wer NICHT will, dass sich "Kultur" auf eine Musicalreise reduziert, der muss in seiner ureigensten Stadt was auf die Beine stellen.
Dieser Saalbau Witten wurde in den Mittsiebzigern gerade DESWEGEN gebaut.
Er war lange Jahre äußerst beliebt und gut besucht. Da gab es aber auch noch ein "Kulturamt" -neben Theatergemeine und Volksbühne-, das selber ein akzeptables Angebot auf die Beine stellte.Da brummte der Laden oftmals derart, dass Wochen im Vorfeld ein "Ausverkauft-Schild" aufgestellt werden musste
Nichts gegen die heute REIN "Comedy"-mäßige Ausrichtung bei Eigenveranstaltungen: nicht im geringsten, aber auch DER Zug neigt sich dem Ende zu. Wenn selbst ein Wilfried Schmickler nun schon im viel kleineren Werkstadt-Saal auftritt, dann versteht man vielleicht, was ich meine.
Nein, lieber ro-fisch, letztlich geht es um etwas ganz anderes. Wer 144.000 Euro (aktuell) an Fördermitteln ausgibt, jedoch durch die Förderung 130.000 Euro an Mieten zurückbekommt, der kann sich glücklich schätzen, dass das so ist. Erst recht natürlich der Saalbau-Gastronom, denn ohne grad diese Veranstaltungen ist auch da wieder mal bald zappenduster. Eigentlich ist das fast ´ne Null-Rechnung. Und da kann (und WILL ich auch nicht verstehen, dass die Stadt Witten wieder mal den gesunden Menschenverstand über Bord kippt.
Übrigens ist auch das von Herrn Kassner ins Feld geführte "Wirtschaftsförderungsargument" bezüglich des Kulturangebots einer Stadt zu 100 Prozent richtig: die Leute wollen schließlich nicht nur essen und trinken und zu Hause auf dem Sofa TV gucken, sondern auch durchaus ab und an JENSEITS des mainstreams Theater oder Oper/Operette oder interessante Vorträge erleben.
Zigfach nachgewiesen und von daher nicht unbedingt von mir mit Belegen zu versehen.......
Also, liebe Stadt Witten: trotz aller (offenen) Verfahrensfragen könnt ihr euch nicht so DOOF anstellen wie ihr´s jetzt gerade tut. EIN vertanes Jahr ist für die Veranstalter des folgenden Jahres ein fast nicht Aufzuholendes. Denkt bitte auch DARÜBER einfach mal nach !!!!!!
07:18
Wenn bereits im Vorfeld Fehlbeträge in Höhe von 40 v.H. der Kosten zu erwarten sind, sollte gerade der Vorsitzende einmal über eine Mindest-Refinanzierungsquote nachdenken. Es kann sicherlich nicht sein, dass dauernd die öffentliche Hand und damit der Steuerzahler für geringe Nachfrage in die finanzielle Bresche springt. Hier geht es nicht darum ständig den "Schwarzen Peter" an andere (Land/Stadt) weiter zu geben, sondern Kultur und Ökonomie in einer verantwortungsvollen Weise zu vereinen. Angebote zu machen, die nur wenige in Anspruch nehmen, heißt letztendlich die verbleibenden Finanzmittel unnützt zu verbrennen.
20:59
soll ich mal wieder "typisch Witten" schreiben?
Eigentlich hatte ich es mir selber abgewöhnt, stets den "Lästerer" zu geben, doch scheinbar KANN man DAS in dieser Kommune GAR NICHT!
Ja: überall muss gespart werden. Ja: ohne verabschiedeten Haushalt kann man nichts garantieren. Alles richtig! Aber ......
Wenn man mal eins und eins zusammenzieht, dann ist die Förderung dieses Vereins und die Einnahmen, die man daraus erzielt, doch fast ein Null-Summen-Spiel.
Klar kann man jetzt wieder alle möglichen Paragraphen als Schutzschild vor sich herschieben, weil man nicht genug ***** in der Hose hat, selber zu entscheiden nach gesundem Menschenverstand,. Doch was bringt solch ein Verhalten? Richtig: GAR NIX !!!!! Das Kulturforum selber kann noch so viele Comedy-Acts selbt veranstalten (Herrn Ludwig sei Dank) - das, was die Kulturgemeinde leistet.... davon hat sich das Kulturforum längst verabschiedet.
Letztlich geht es also um eine Einnahmelücke der Stadt von (zuletzt) 14.000 Euro. Das auf den Monat ausrechnen, kann sicherlich ein Jeder selbst, oder? Ja, meine Güte: wollt Ihr, Ihr besoldeten Politiker und Verwaltungsmenschen, hier in Witten wirklich KULTUR haben, die den Namen auch verdient oder wollt Ihr einfach wie die drei Affen "nix sehen, hören und reden"?
Mensch, da geht einem doch die Hutschnur hoch !!!!!!!
Soviel DUMMHEIT hätte ich ja nicht mal dierser Stadt zugetraut - allein: man lernt nie aus, und..... schlimmer kommt hier IMMER !!!!!!!!!!!!!!!!!