Schulleiter wollen zweite Wittener Hauptschule erhalten

Jugendliche Flüchtlinge besuchen meistens die internationalen Förderklassen am Berufskolleg.
Jugendliche Flüchtlinge besuchen meistens die internationalen Förderklassen am Berufskolleg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Leitungen der Realschulen fordern in einem Brief, die Overbergschule nicht wie geplant zu schließen – wegen der steigenden Zahl an Flüchtlingskindern.

Witten..  Das Ende der Overberg-schule ist für Mitte 2018 beschlossen. Wegen der Aufnahme von Flüchtlingskindern stoßen andere Schulen aber bereits an ihre Grenzen. Deshalb fordern die drei Realschulen in einem Brief an Bürgermeisterin, Schuldezernent und die Ratsfraktionen, die Innenstadt-Hauptschule nicht zu schließen.

Das „Kommunale Integrationszentrum“ (siehe Box) schlägt den Schulen regelmäßig neu aufzunehmende Kinder vor. „Wir haben den Eindruck, dass die Kollegen nicht mehr wissen, wie sie die Kinder verteilen sollen. Uns fehlt in Witten die zweite Hauptschule“, findet Jürgen Glaubitz, Rektor der Otto-Schott-Realschule, der den Brief verfasste. Auch in anderen Städten gäbe es ein „Zurück“. So geht in Hagen eine Hauptschule wieder an den Start, in Hattingen bleibt eine Grundschule am „Netz“. Auch diese Schulen standen wie die Overbergschule wegen kläglicher Anmeldezahlen vor dem Aus.

Bei der Stadt rennen die Realschulleiter keine offenen Türen ein. „Ich sehe keine Notwendigkeit, aufgrund dieses Schreibens in die Schulentwicklungsplanung einzugreifen“, erklärt Schuldezernent Schweppe. Er wirft den Verfassern vor, die Flüchtlingskinder als Vorwand zu nehmen. Schweppe: „Den Realschulen fehlen die Hauptschulen, um schwache Schüler abzuschulen.“ Flüchtlingskinder seien nicht automatisch Hauptschüler. „Diese Kinder haben ein Sprach-, kein Intelligenzdefizit.“

Schon jetzt sei die Verteilung unfair, meint der Erste Beigeordnete. An den beiden Gesamtschulen mit jeweils etwa 2000 Schülern gebe es nur jeweils 25 Flüchtlingskinder. Die Freiligrath-Hauptschule habe 71. Schweppe: „Man kann die neu zugewiesenen Kinder gut auf 30 Wittener Schulen verteilen.“ Wie viele Flüchtlingskinder derzeit in Witten zur Schule gehen, konnte das Kreis-Schulamt nicht mitteilen.

Freiligrath-Schule „voll bis unter die Pfannen“

Wie stark sind Wittens Schulen tatsächlich belastet? Die Annener Freiligrath-Hauptschule ist „voll bis unter die Pfannen“, so Frank Schweppe. 380 Schüler werden dort unterrichtet, davon 40 inklusive Schüler (mit Behinderung) und 71 Flüchtlingskinder. Wenn die Asylbewerberunterkunft an der Brauckstraße in Betrieb geht, kommen weitere Schüler hinzu. Für die Hauptschule wurde ein Förderantrag gestellt: „Leichtbauklassen“ (etwa Pavillons) auf dem Schulhof könnten die Raumnot lindern.

Auch die Realschul-Rektoren sprechen von vollen Klassen. Beim Nachhören zeigt sich: Die Klassen sind mit maximal 30 Kindern besetzt, darunter sind aber kaum Zuwandererkinder. Bärbel Faustmann, Leiterin von Helene Lohmann, könnte nach eigenen Angaben nur in der Unterstufe weitere Kinder aufnehmen. Auch an der Otto-Schott-Realschule hätten einige Jahrgänge ihre Grenzen erreicht. „Die Klassen 6, 7 und 8 sind voll“, sagt Rektor Jürgen Glaubitz.

Eine Expertin, die Einblick in die Verteilung der Flüchtlingskinder hat, berichtet, dass Grundschulkinder meist wohnortnah eingeschult würden. Über 16-Jährigen empfiehlt man die vier internationalen Förderklassen des Berufskollegs. Sie bestätigt, dass die Kapazitäten der Schulen immer knapper würden: „Man fragt sich: Was hat Priorität? Der passende Bildungsstand oder dass man das Kind überhaupt in einer Schule unterbringt?“