Schulen kritisieren Vorgaben des EU-Ernährungsprogramms
19.02.2010 | 13:08 Uhr 2010-02-19T13:08:00+0100
Witten. Die Idee, dass sich Kinder in der Schule gesund ernähren, fanden alle gut. Die Bedingungen des EU-Ernährungsprogramms aber waren für viele Schulen nicht zu verdauen. Was das Projekt will und warum sich nur eine von 18 Grundschulen in Witten beworben hat.
An apple a day keeps the doctor away. Ein Apfel am Tag hält dir den Onkel Doc vom Leib. Dieser Spruch ist berühmt – und kaum beachtet. Die EU will das mit einem Schulobstprogramm ändern. Viele Schulen aber klagen über zu hohe Anforderungen. Von 18 Wittener Grundschulen hat sich einzig die Bruchschule darum beworben.
Geht ja gar nicht, sagt Imke Feldmann. „Die Idee ist zwar gut”, meint die Leiterin der Gerichtsschule, „aber die Anforderungen sind abartig”.
100 Gramm pro Schüler und Tag - kostenlos
Die Idee: Die Schulen kriegen morgens eine Lieferung mit Obst und Gemüse – für jeden Schüler bis zu 100 Gramm pro Tag. Das ist kostenlos, weil es zur einen Hälfte die EU und zur anderen das Land bezahlt. Dafür müssen die Schulen aber einige Voraussetzungen erfüllen: Es ist eine Ansprechperson zu benennen, quasi ein „Schulobstprogramm-Beauftragter”. Jemand muss sich um die Annahme der Waren kümmern. Bei der Verteilung und Zubereitung sind strenge hygienische Vorschriften zu beachten. Es ist ein kühler Lagerraum bereitzustellen. Und so weiter...
Imke Feldmann ist schon nach den ersten Punkten ausgestiegen. „Mit den vorhandenen Ressourcen können wir das nicht leisten”, sagt sie. „Das fängt bei der Lagerung an: Welche Schule hat schon einen kühlen und zugleich trockenen Keller?” Die meisten sehen das wohl ähnlich. Jedenfalls machten sich 17 von 18 Grundschulen nicht die Mühe einer Bewerbung, wie der Jugendhilfe- und Schulausschuss am Mittwoch erklärte.
Bruchschule hat sich beworben
Geht ja wohl, sagt Sabine Schmelzer. Für die Leiterin der Bruchschule war schnell klar: Wir bewerben uns! „Wir sehen ja selbst, dass einige Kinder ganz ohne Frühstück kommen”, erzählt sie. „Es lohnt sich also auf jeden Fall.”
Und es sei auch machbar. Mit Marion van den Borg hat sich eine Mutter als Ansprechpartnerin zur Verfügung gestellt. Andere Eltern wollen die Kinder beim täglichen Schnippeln unterstützen. Im Dachgeschoss stehen Kühlschränke für die Lagerung, immerhin kommen bei 204 Kindern und 100 Gramm pro Person täglich über 20 Kilo zusammen. Und nebenan sind für die Küche, die der Förderverein bezahlt, die Anschlüsse schon gemacht. Die Küche des Ganztags kann für das Schulobstprogramm nicht genutzt werden. „Hygienische Gründe”, erklärt Schmelzer.
Die Bruchschule wartet jetzt auf das Okay vom Land. Das Verbraucherschutzministerium spricht von 760 Bewerbern. Maximal 450 könnten ab dem 1. März teilnehmen. Die Bestätigungen gehen in der kommenden Woche raus. Die Bruchschule wäre vorbereitet.
14:59
Es ist traurig, dass Schule immer mehr Elternpflichten übernehmen muss: Erziehung, warme Mahlzeiten, Obst...
Was kommt als Nächstes?
Die Schulen sollten das Obst zur Verfügung stellen, aber Verteilung und Lagerung sollten Elternsache sein.
14:06
„Mit den vorhandenen Ressourcen können wir das nicht leisten”, sagt sie... und legt die Beine wieder hoch, anstatt zu versuchen, es umzusetzen! Es lebe die Innovation!
13:51
Liebe Schulrektoren/Innen!
Die Bruchschule hat es vorgemacht. Also weg mit dem Wenn und Aber und ran!! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Diese zig Erklärungen, warum was nicht geht, kann man nicht mehr hören. Sagt lieber, was geht. Ist das Glas halb voll, oder halb leer?