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Schützenkönig im Kreuzfeuer

09.07.2012 | 18:50 Uhr
Schützenkönig im Kreuzfeuer
Der amtierende Schützenkönig des BSV Herbede, Hans-Hugo Lückert.

Witten.  Herbedes Schützenkönig Hans-Hugo Lückert soll Mitgliedern der Gerberviertel-Bürgerinitiative gedroht haben: „Euch sollte man alle erschießen.“ Er weist die Vorwürfe zurück.

Der amtierende Herbeder Schützenkönig Hans-Hugo Lückert (68) sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Er soll Mitglieder der Herbeder Bürgerinitiative, die Stimmen gegen eine Erschließung des Gerberviertels für einen neuen Supermarkt gesammelt hatten, an einem Vormittag mehrfach gedroht haben: „Euch sollte man alle erschießen.“

Das sind äußerst gravierende Vorwürfe gegen einen Mann, der freien Zugang zu Schusswaffen hat. Vier Zeugen, die dabei waren, als an jenem Tag vor dem Geschäft Storchmann Unterschriften gesammelt wurden, sind sich sicher, dass Lückert diese Anwürfe gleich dreimal von sich gegeben habe. Sie hinterlegten entsprechende eidesstattliche Erklärungen bei einem Anwalt. Vier weitere Bürger beschwören jedoch ebenfalls mit eidesstattlichen Erklärungen, dass er dies nicht gesagt habe. Fest steht im Stadtteil: Eine Seite sagt unter Eid die Unwahrheit.

Eine Seite sagt die Unwahrheit

Die Begegnung in Herbede, als Hans-Hugo Lückert auf die Mitglieder der (am Ende erfolglosen) Initiative gegen eine Erschließung des Gerberviertels für einen Frischemarkt traf, wird seit Ende letzter Woche massiv auf der Internetseite waz.de/witten diskutiert. Was ist nun dran an den Geschichten und Vorwürfen, die im Ort die Runde machen?

Tatsache ist: An jenem Freitagmorgen traf Hans-Hugo Lückert auf der Meesmannstraße auf die Aktivisten der Initiative. Dicke Freunde sind sie ganz offenbar nicht. Was dann geschah, darüber gehen die Aussagen auseinander.

Karl-Heinz Heinemann (70) ist Stadtteilkümmerer und ehemaliger Betriebsratsvorsitzender sowie stellvertretender Gesamtbetriebsrat des Nahrungsmittelkonzerns Vion. Er ist einer der vier Bürger, die beschwören, dass diese ungeheuerliche Entgleisung so stattgefunden habe. „Ich habe das gehört und eine eidesstattliche Erklärung abgegeben. Die Bürgerinitiative stand freitagmorgens vor Storchmann. Er hat es dreimal laut gerufen. Über einen Anwalt haben wir ihn schriftlich aufgefordert, das zurückzunehmen. Er aber hat es abgelehnt, sich zu entschuldigen.“

Auf eine Klage habe die Bürgerinitiative nach langer und heftiger interner Diskussion verzichtet, so Heinemann: „Wir wollten nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, denn die Stimmung in Herbede war zum Teil hasserfüllt.“ Außerdem: „Der Schützenkönig ist in Herbede eine Institution.“

„Ich würde so etwas nie sagen“

Weit von sich weist der amtierende Schützenkönig einen solchen Verdacht: „Ich würde so etwas nie sagen, wieso sollte ich so etwas tun?“ Unbestritten hat es das Aufeinandertreffen mit der Initiative gegeben, aber, so Hans-Hugo Lückert: „Vielleicht haben das andere Leute gesagt. Ich hatte namhafte Leute aus Herbede neben mir stehen, die gehört haben, dass ich das nicht gesagt habe.“

Auch er kann mit vier diesbezüglichen eidesstattlichen Erklärungen aufwarten, die beim Bochumer Anwalt Mario Zimmer hinterlegt sind. Der, ebenfalls ein Herbeder Schützenbruder, stellt sich hinter seinen Mandanten und nennt die Anschuldigungen eine „Schlammschlacht“. Er habe die Vorgänge auf der Jahreshauptversammlung des Schützenvereins kurz umrissen. Lückert: „Die Sache ist abgehakt und vergessen, die Kuh ist vom Eis.“

Bernd Kassner


Kommentare
23.07.2012
10:09
Dr Faust kennt sich auch bei Opel aus,
von vomDach | #103

ich aber auch. Wenn Opel auch z.B. in Asien verkauft würde, werden diese Autos natürlich auch in Asien gebaut, das hift hier nicht weiter. So machen es alle Anderen auch. Sie kaufen doch sicher am liebsten Autos die in Deutschland produziert werden.Herr Dr Faust, wenn es keine Automatisierung gäbe, würde z.B. der Motor heute noch mit 5 Leuten eingesetzt oder mit einer handgetriebenen Winde. Automatisierung hilft auch die Arbeiter zu schützen.
Übrigens wird es vieleicht unsere Zukunft sein, dass wir entwickeln und weniger produzieren.Und wenn man in Bochum nicht von Anfang an automatisiert hätte, wäre der Laden schon nach einem Jahr geschlossen worden. Sie sind ein Träumer.

22.07.2012
15:30
Opel
von faustus | #102

@vomDach, erzählen Sie nicht schon wieder Unfug!
Opel darf nur auf einem eingeschränkten Markt verkauft werden, General Motors vertreibt dagegen aggressiv und weltweit die amerikanische Marke Chevrolet. Opel war der Entwicklungsdienstleister für die Chevrolet-Leute. Die deutschen Standorte haben ihre Schuldigkeit getan und werden abgewickelt.
Da die Bundesregierung die rein marktwirtschaftlichen Prinzipien und damit Rationalisierungen unterstützt, der Erhalt von Arbeitsplätzen keine Rolle spielt, ist dieser Vorgang völlig normal.
Mit Automatisierung hat dies in diesem Fall nichts zu tun, aber auch nicht mit billigerer Produktion.

22.07.2012
13:10
FIN Dir,
von vomDach | #101

wenn man bei Opel nicht automatisiert hätte, gäbe es den Standort seit 20 Jahren nicht mehr.Die neu anstehende Schließung hat mit Automaisierung nichts zu tun, sondern es geht darum, wo man die Autos billiger bauen kann.

20.07.2012
17:28
@ Herrn Faustus
von FinDir | #100

also ein Thomas Mann Fan!
Jeder kann an sich arbeiten, dafür ist es nie zu spät. Ich möchte Ihnen aber auf keinen Fall den Stil verbieten, das steht mich nicht zu.
Schönes Wochenende!

20.07.2012
17:17
Doch, Findir,
von faustus | #99

es tut mir Leid, dass Sie meinen Stil nicht mögen, aber ändern kann ich es nicht. Ich versuche ja auch nicht, Ihren Stil zu ändern. Können wir uns vielleicht auf die Inhalte einigen?
Apropos Stil: Herr faustus, bitte.

20.07.2012
17:04
die Autoindustrie
von FinDir | #98

ist leider ein ganz schlechtes Beispiel, wenn man sich Opel ansieht und was die Mitarbeiter seit Jahren mitmachen "vomDach". Wenn Opel den Standort Bochum schließt müssen sehr viele Lieferanten ebenfalls schließen. Automatisierung führt letztendlich zu Verlagerungen ins Ausland - siehe Nokia. Dies als Stärkung der Arbeitsplätze zu sehen ist zu lustig.
@ Frau Faustus, ich nehme Ihnen nicht ab, dass Ihnen etwas Leid tut ... .

20.07.2012
16:07
Ach ja, der Schützenkönig, ...
von Mastai | #97

von ihm hört man ja momentan etwas weniger. Immerhin scheint er jetzt freitagmorgens nicht mehr schwadronierend durchs Dorf zu stolzieren - ist ja auch schon mal was! Dann hört auch niemand etwas, was er nicht gesagt hat! ;-)

20.07.2012
15:38
Herr Dr Faust,
von vomDach | #96

ich liefere Produkte zur Automatisierung. Mir ist auch klar, dass dadurch Stellen entfallen, aber eben auch andere geschaffen werden. Ich bin auch nicht bereit hier weiter Automatisierungsgrade oder Kassenautomatisierung mit Ihnen zu diskutieren. Der Schützenkönig, der Grund des Artikels war, ist durch Automatisierung nicht betroffen, also bitte, wir sollten es sein lassen.

20.07.2012
15:30
Automatisierung
von faustus | #95

vomDach, was Sie dazu befähigt, die ökonomische Bedeutung der Automatisierung beurteilen zu können, wenn Sie 30 Jahre in der Automatisierung gearbeitet haben (bei Opel am Fließband?) , wird mir aus dem, was Sie sagen, nicht klar.
Wer Automatisierungen nur als Arbeitserleichterungen sehen kann, worüber ich mich im konkreten Fall natürlich freue, hat sich aber leider damit abgefunden, weitreichende ökonomische Entscheidungen allein aus der Froschperspektive zu sehen.
Dies gilt für die einseitige Beurteilung von RFID (schnellere Bezahlung an der Kasse) ebenso wie für die Begrüßung des Euro (Reiseerleichterung durch Wegfall des Geldumtausches). Stets brechen die kleinen Vorteile von vornherein möglichen Widerstand gegen die sozialen Folgen der Automatisierung, der globalen Wirtschaftsinteressen oder gegen Wachstumskritik. Ist psychologisch doch schlau eingefädelt, wenn auch Sie darauf hereinfallen, oder?

20.07.2012
15:01
Ach, wieder ...
von Mastai | #94

das alte Thema. Nein, nicht der Bürger hat den Trend gesetzt! Nur weil 2000 Unterschriften zusammenkamen, heißt es nicht, daß der "Rest" dafür ist - gut, diese Logik können Sie bekanntlich nicht nachvollziehen.
Ich habe immer noch die Hoffnung, daß Edeka vor dem Hintergrund des schlecht laufenden Geschäfts in Stockum von dieser Fehlplanung Abstand nimmt und kein weiteres Riskio eingehen möchte; dann muß sich auch die Stadt über alternative Potentialflächen Gedanken machen. Möglichkeiten gibt es da genug, und zumindest an der Rauterstr. ist auch der Immobilienbesitzer wieder an einem Verkauf interessiert.
Danke für die Blumen, beim Trendsetter werde ich nicht wiedersprechen!
Ja, besser die Pilze schießen als gewisse Personen! ;-)

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