Schotte sollte doppelte Kaution zahlen

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Witten..  Die Geschichte klingt unglaublich, aber Peter Mckendrick (48) schwört Stein und Bein, dass sie sich genau so zugetragen hat: Weil er Ausländer sei, habe die Hagener Niederlassung des Baumaschinenverleihers Boels die doppelte Kaution verlangt. 2000 statt zuerst genannter 1000 Euro sollte er für das Ausleihen einer mobilen Arbeitsbühne hinterlegen. Das Unternehmen bestreitet das vehement: Die Kaution richte sich einzig und allein nach dem Resultat der Bonitätsprüfung.

Mckendrick kam 1982 als Berufssoldat nach Deutschland, lernte in Lippstadt seine deutsche Frau kennen, mit der er nun schon seit 20 Jahren in Witten lebt. Er ist Dachdecker- und Klempnermeister, seit 14 Jahren angestellt bei einem Betrieb in Gevelsberg und rechte Hand des Chefs. Vor zehn Tagen hatte er am eigenen Haus neue Fenster eingebaut. Deren Verkkleidung wollte er am Samstag noch beiarbeiten. Am Mittwoch vereinbarte er in der Hagener Filiale des internationalen Baumaschinenverleihs Boels Verleih GmbH NL in Hagen, von Freitagabend mit Samstagmittag einn Anhänger mit Teleskop-Arbeitsbühne auf einem Anhänger auszuleihen. Von 1000 Euro Kaution war da die Rede.

Im Laufe vom Freitag gingen dann auf Mckendricks Telefon mehrere Anfrufe der Firma Boels ein, die ihn aber nicht erreichten, die Rufnummer war unterdrückt. Kurz vor Feierabend in seiner Firma rief er selbst in der Hagener Filiale an. Dort hieß es: Er müsse für die mobile Bühne eine Sicherheitleistung von 2000 Euro hinterliegen.

So weit ist der Hergang unstrittig. Die Frage ist nur, warum die Kaution plötzlich doppelt so hoch ausfallen sollte? „Aufgrund der Tatsache, dass Sie Ausländer sind“, habe der Mitarbeiter ihm von seinem Chef ausgerichtet, sagt Peter Meckendrick. Ihm platzte (das ist wieder unstrittig), darauf der Kragen. „Das ist eine Unverschämtheit“, sagt er. Er verzichtete dankend auf die Bühne: „Ich haben denen gesagt. Die können Sie sich in die Haare schmieren.“

Konfrontiert mit Vorwurf, Ausländer zu diskriminieren, fiel der Leiter der Hagener Filiale am Telefon hörbar aus allen Wolken: „Um Gottes Willen, ich bin doch selber Ausländer“, sagte Toni Chatziantoniou (33), Grieche mit Zungerbrecher-Namen („Alle nennen mich nur Toni“). Diesen Grund hätten auch weder er noch sein Mitarbeiter genannt. Bei der Ausleihe von „Kapitalgütern“ (Neuwert der Bühne: 30 000 Euro) an Privatpersonen hänge die Kaution vom Ergebnis der Wirtschafsauskunft ab, aber selbstverständlich nicht von der Nationaltät des Kunden.

Die Bonität wird in der Boels-Zentrale in Sittard (NL) geprüft. Von dort meldete sich am Montagnachmittag Yvo Hoppers, Marketing-Chef des Baumaschinenverleiehers mit 2400 Mitarbeiern und 320 Fillialen in ganz Europa. „Wir haben eine Debitorenabteilung mit mehr als 100 Leuten“, sagte Hoppers. Gebe es „keine Wirtschaftsaukunft“, z.B. weil keine Daten vorlägen, oder eine schlechte Wirtschaftsauskunft, werde eine höhere Kaution angeboten - „wir wollen doch auch kein Risiko laufen“.

Was im Einzelfall des Wittener Schotten gelte, wisse er nicht. Dass ihm die Filiale eine diskriminierende Auskuft gegeben habe, glaubt Hoppers nicht. „Wir sind ein multikulturelles Unternehmen, mit fast allen Nationalitäten. Und viele unsere Kunden sind Ausländer, die kriegen alle Material ausleihen, wenn die Wirtschafsauskunft stimmt.“