Schlechte Noten fürs Radfahren in Witten

Zoff-Potenzial am ZOB: Radfahrer dürfen an Haupt- und Busbahnhof auf der Straße fahren, die Benutzungspflicht für den Bürgersteig ist aufgehoben. Markierungen führten die Autofahrer aber in die Irre, sagt Susanne Rühl (57) vom ADFC.Foto:Nitsche
Zoff-Potenzial am ZOB: Radfahrer dürfen an Haupt- und Busbahnhof auf der Straße fahren, die Benutzungspflicht für den Bürgersteig ist aufgehoben. Markierungen führten die Autofahrer aber in die Irre, sagt Susanne Rühl (57) vom ADFC.Foto:Nitsche
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Witten bekommt beim Fahrradklimatest des ADFC eine Vier minus. Das Ergebnis ist noch schlechter als vor zwei Jahren. Experte: Ansprüche steigen.

Witten..  Im bundesweiten Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) für 2014 hat sich Witten böse auf die Nase gelegt: Mit einer Gesamtnote von 4,3 bei 27 Fragen schneidet die Ruhrstadt noch schlechter ab als bei der letzten Online-Fragebogenaktion 2012. Die Gesamtnote damals: 4,1. Witten ist also von einer schlechten Vier auf eine Vier minus abgerutscht. Versetzung gefährdet?

„Natürlich hat die Verwaltung nach den Anstrengungen der letzten Jahre gehofft, dass Witten besser abschneidet. Dieses Ergebnis kann uns nicht zufrieden stellen“, sagt Baurat Markus Bradtke. Dass es Raum für Verbesserungen gebe, sieht die Stadtverwaltung ebenso wie die Befragten. Details wolle man mit den Fachausschüssen bearbeiten, so Bradtke, der auch auf das Radverkehrskonzept verweist.

Susanne Rühl (57), Wittenerin und Vorsitzende des ADFC EN, hat das schlechte Abschneiden „ein wenig schockiert“. Erfreulich sei, dass fast viermal so viele Bürger (265 statt 68) mitgemacht haben. „Vielleicht haben sich vor allem die beteiligt, die mal was loswerden wollten.“ Nachvollziehbar ist für Rühl die glatte Fünf für die Wegeoberflächen. Das Problem seien weniger die Radwege als „die Straßen selber. Da muss man oft aufpassen, nicht mit dem Vorderrad in ein Schlagloch zu fahren.“

Heven braucht gute Verbindung

Rühl erkennt Verbesserungen in jüngster Zeit an: An der Herdecker Straße wurden die Sperren für Radler auf dem Rheinischen Esel etwas versetzt – „da muss man jetzt nicht mehr absteigen“. Der Crengeldanz-Umbau habe die Sicherheit erhöht. Das gelte auch für die Regelung „rechts aufstellen zum Linksabbiegen“ für Radler, die von der Hörder Straße kommen. Sie überfordere aber auch einige – „sie ist nicht selbsterklärend“. Bitter nötig ist laut der ADFC-Vorsitzenden eine sichere und komfortabele Radwegverbindung zwischen Innenstadt und Heven.

Der Wittener Björn Frauendienst (31) ist aktives Mitglied im Verkehrsclub Deutschland (VCD) EN. Als Vize-Baudezernent an der Uni Bochum koordiniert er die Mobilitätsstrategie der Hochschule. Nicht tatsächliche Verschlechterungen sondern steigende Ansprüche an die Infrastruktur – zum Beispiel von Pedelec-Fahrern – stecken seiner Meinung nach hinter dem schlechten Wittener Ergebnis. Witten stehe mit seinen Problemen im Ruhrgebiet nicht allein da. „Der große Unterschied ist, dass Städte wie Bochum sich schon sehr stark im Fahrradverleihsystem ,Metropolrad Ruhr’ engagieren, wir haben schon 53 Standorte in Bochum.“ Einem solchem System sagt Frauendienst auch in Witten eine große Zukunft voraus.

Witten müsse sich außerdem unbedingt einen Anschluss an den künftigen Radschnellweg Ruhr sichern. Hier sieht der VCD-Experte angesichts einer steigenden Studentenzahl „ein Riesenpotenzial“.

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